Steinerne Relieftafeln enthüllen Maya-Geschichte Maya-Könige spielten Ball - scinexx | Das Wissensmagazin
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Steinerne Relieftafeln enthüllen Maya-Geschichte

Maya-Könige spielten Ball

Ballspielender König: Die Relieftafel wurde von den Bonner Archäologen innerhalb der Treppe des Maya-Palasts in Uxul gefunden. © Archäologisches Projekt Uxul/Uni Bonn

Bonner Wissenschaftler haben bei Ausgrabungen in der Maya-Stadt Uxul in Mexiko mehrere ungewöhnliche Relieftafeln entdeckt. Sie zeigen pompös gekleidete Könige beim Ballspielen. Hieroglypheninschriften auf den Kunstwerken aus dem 7. Jahrhundert nach Christus belegen, dass es sich bei den Herrschern um Mitglieder aus der einflussreichen Kaan-Dynastie handelt. Deren Hauptsitz befand sich im nahe gelegenen Calakmul – eine der größten bisher entdeckten Maya-Städte überhaupt.

„Die Relieftafeln liefern einzigartige Einsichten in die Beziehungen zwischen der mächtigen Metropole Calakmul und Uxul“, sagt Professor Nikolai Grube von der Universität Bonn. Uxul war ursprünglich die Residenz eines unabhängigen Regenten. Die neuen Funde belegen nun, dass die Stadt nach 640 n. Chr. offensichtlich unter die Kontrolle von Calakmul geriet und zum Vasall der Kaan-Könige wurde.

Ausdehnung und der Zerfall des Königtums von Uxul im Visier

Uxul liegt zwischen den großen Maya-Städten El Mirador im Süden und Calakmul im Nordosten. Beide Orte spielen eine entscheidende Rolle in der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Maya-Kultur: El Mirador gilt als das bedeutendste städtische Zentrum der Präklassik (600 v. Chr. bis 250 n. Chr.), und Calakmul war das bedeutendste politische Zentrum und Sitz der einflussreichen Kaan-Dynastie in der Klassik (250 n. Chr. bis 900 n. Chr.).

Wissenschaftler der Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn graben seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt des mexikanischen Bundesstaates Campeche Uxul aus. In diesem Projekt geht es den Archäologen um Grube und Kai Delvendahl darum, die Ausdehnung und den Zerfall des Königtums von Uxul zu erforschen. Die Grabung liegt nahe der Grenze zu Guatemala im Biosphärenreservat von Calakmul, dem größten zusammenhängenden tropischen Waldgebiet Mexikos.

„Während der aktuellen Ausgrabungskampagne wurde nun eine Anzahl von Relieftafeln entdeckt, welche Könige beim Ballspiel zeigen“, berichtet Delvendahl. Die Tafeln waren in die Treppen des Eingangs- und Repräsentationsgebäudes des königlichen Palastbezirks von Uxul eingesetzt.

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Der Fundort: Nikolai Grube vor der südlichen Treppe, die in den Innenhof des Palastes führt. Hier wurden die Relieftafeln mit den ballspielenden Königen gefunden. © Archäologisches Projekt Uxul/Uni Bonn

Eines der größten Palastgebäude im Maya-Tiefland

Einzelne, auch im Format ähnliche Relieftafeln mit Ballspielern sind schon früher auf dem Kunstmarkt aufgetaucht, die Bonner Grabung hat solche Tafeln aber zum ersten Mal in ihrem archäologischen Kontext freigelegt. „Die auf den Relieftafeln abgebildeten Ballspielszenen stimmen sehr gut mit dem Umfeld der Palastkomplexe überein“, sagt Grube. In Uxul wie auch in Calakmul liegt der Hauptpalast in unmittelbarer Nähe vom Ballspielplatz und westlich der Zeremonialgebäude und hohen Pyramiden. Der Palast von Uxul besteht aus mindestens elf einzelnen Gebäuden, die sich um fünf Innenhöfe gruppieren.

„Das Repräsentationsgebäude, an dem die Tafeln angebracht waren, ist eines der größten und massivsten Palastgebäude im gesamten Maya-Tiefland“, erläutert der Forscher weiter. Es diente als Zugang zum Palast und als Verbindung zwischen einem großen Vorplatz, auf dem sich ein Ballspielplatz befand, sowie den Innenhöfen der Anlage.

Sechs steinerne Relieftafeln entdeckt

Insgesamt haben die Archäologen sechs steinerne Relieftafeln entdeckt, von denen vier mit Darstellungen von pompös gekleideten Königen beim Ballspiel geschmückt sind. Keine der Relieftafeln befindet sich an ihrem ursprünglichen Ort, da die Tafeln erst im Rahmen von Umbaumaßnahmen nach 740 n. Chr. in die Stufen eingesetzt worden sind.

„Die vier Relieftafeln, die Ballspieler zeigen, ähneln einander sehr stark in Bezug auf die Szenen und die Größe“, sagt Grube. Aufgrund der Hieroglyphenschriften können die dargestellten Spieler als zwei der Könige der Kaan-Dynastie von Calakmul identifiziert werden, nämlich als Yukno’m Ch’een II (636-683 n. Chr.) und Yukno’m Yich’aak K’ahk’ (686-695 n. Chr.). Auf einer der Tafeln erscheint Yich’aak K’ahk’ mit einem Datum aus dem Februar 695 n. Chr., nur wenige Monate vor seinem Tod während eines Kriegszugs gegen Tikal im August 695 n. Chr.

Einzigartige Einsichten in die Beziehungen der Mächtigen

Die Hieroglypheninschriften liefern wichtige Informationen über die Beziehungen zwischen den Herrschern von Uxul und den Königen der mächtigen Kaan-Dynastie. Sie machen beispielsweise deutlich, dass Uxul unter die Kontrolle von Calakmul geriet. Die großen Ähnlichkeiten zwischen den Palästen von Uxul und Calakmul sowie die Präsenz der Relieftafeln deuten nun darauf hin, dass der Palast von Uxul von den Königen der Kaan-Dynastie in Besitz genommen wurde.

Dafür spricht nach Ansicht der Forscher auch, dass keine der Tafeln den König von Uxul erwähnt. Dies wäre zu erwarten gewesen, wenn der Palast von den lokalen Königen genutzt worden wäre. Die Ausgrabung des Palastkomplexes von Uxul soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

(Universität Bonn, 26.07.2011 – DLO)

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