Mondphasen beeinflussen das Meer und damit auch das Verhalten der bis zu neun Meter langen Fische Mantarochen versammeln sich bei Vollmond - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mondphasen beeinflussen das Meer und damit auch das Verhalten der bis zu neun Meter langen Fische

Mantarochen versammeln sich bei Vollmond

Mantarochen am Great Barrier Reef. © Jaine FRA, Couturier LIE, Weeks SJ, Townsend KA, Bennett MB, et al.

Bei bestimmten Mondphasen versammeln sich Mantarochen an Riffen vermehrt zu großen Gruppen von bis zu 80 Tieren. Das fanden australische Wissenschaftler heraus, als sie die Fische im Great Barrier Reef über drei Jahre hinweg beobachteten. Demnach finden die Tiere vor allem bei Voll- und Neumond zum Fressen in der Nähe von Inseln des Taucherparadises zusammen, berichten die Meeresbiologen im Fachmagazin „PLOS ONE“. Dabei sei auch bekannt, dass der Mond das Meer und damit auch das Verhalten von Plankton steuert. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Mantas zu bestimmten Mondphasen erscheinen, weil auch die Mini-Meereskrebse und damit ihr Hauptnahrungsmittel zu diesen Zeiten in größeren Mengen an Riffen auftauchen. Die Wissenschaftler konnten zudem noch weitere Verhaltensbesonderheiten der Riesenrochen beobachten, etwa zu welchen Zeiten sich diese bevorzugt von kleineren Fischen säubern lassen.

Mit bis zu neun Metern Länge sind Mantarochen die größten Tiere, die einen extrem flachen Körper haben. Dabei kommen die Meerestiere weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten vor. Auch im Süden des Great Barrier Reefs sind sie eigentlich das ganze Jahr vorzufinden, schreiben Fabrice Jaine von der University of Queensland und seine Kollegen. Allerdings gebe es auch Zeiten, in denen sie in dem Taucherparadies der australischen Ostküste seltener am Riff auftauchen. Weshalb die Fische dort manchmal kaum zu beobachten sind, jedoch an anderen Tagen gleich in großen Gruppen auftauchten, sei bisher nicht erforscht worden, sagen die Forscher.

Um das Verhalten der Mantas besser zu verstehen, beobachtete das Wissenschaftlerteam die Tiere über drei Jahre hinweg in der Umgebung der Insel Lady Elliot im Great Barrier Reef. Dabei arbeiteten sie mit Tauchlehrern und Bootskippern vor Ort zusammen, die nach ihren Ausflügen regemäßig Bericht erstatteten. Insgesamt kamen am Ende die Daten von fast 4.000 Bootstouren zusammen. Dabei wurden drei Verhaltensweisen der Mantas erfasst: Cruisen, Reinigen und Fressen. Cruisen bezeichnet einen Zustand, bei dem die Fische mit geschlossenem Maul einfach durchs offene Wasser schwimmen. Beim Reinigen lassen die Tiere kleine Fische an sich herankommen, die Schmutz von ihrem Körper abpicken. Wann die Mantas fraßen, erkannten die Beobachter schließlich daran, dass diese mit offenem Mund gegen die Strömung schwammen, um kleine Planktonkrebse aus dem Wasser zu filtern. Zusätzlich sollten bei jedem Tauchgang auch Umweltfaktoren wie die Wassertemperatur und -tiefe, aber auch der Mondstand und das Wetter außerhalb der Wassers festgehalten werden.

Bei wärmeren Wassertemperaturen lassen sich die Mantas reinigen

Als die Meeresbiologen das Verhalten der Tiere mit den jeweiligen Wetter- und Wasserverhältnissen abglichen, zeigten sich deutliche Zusammenhänge. So ließen sich die Tiere beispielsweise beim wärmeren Wassertemperaturen öfter von kleinen Fischen reinigen anstatt zu fressen oder zu cruisen. Bei starkem Wind- und Wellengang hingegen tauchten sie generell häufiger ab. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich durch den Wind an der Meeresoberfläche auch die Strömungen verändern. Die Gründe, weshalb dies die Mantas stört, erfassten die Forscher in ihrer Studie jedoch nicht.

Ihre Daten zeigten auch, dass die Riesenrochen vor allem bei Voll- und Neumond zum Fressen in großen Gruppen von bis zu 80 Tieren zusammenfinden. Dabei sei bekannt, dass der Mond die Gezeiten steuert und damit die Wassertiefe sowie Meeresströmungen, erklären die Forscher. Dies beeinflusse wiederum das Verhalten von Plankton, dem Hauptnahrungsmittel der Rochen. Sie vermuten demnach, dass Mantarochen sich nach bestimmten Mondphasen richten, weil auch die Mini-Krebse zu diesen Zeiten in größeren Mengen an Riffen auftauchen.

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Die Ergebnisse ihrer umfangreichen Studie könnten zukünftig helfen, die Auswirkungen von Umweltveränderungen wie dem Klimawandel auf das Verhalten der Mantas besser abzuschätzen, hoffen die Wissenschaftler. (doi:10.1371/journal.pone.0046170)

(PLoS ONE, 05.10.2012 – INR)

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