"Tag gegen Lärm": Umweltbundesamt fordert Trendwende bei Belastung der Bürger Lärm bedroht Millionen Deutsche - scinexx | Das Wissensmagazin
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"Tag gegen Lärm": Umweltbundesamt fordert Trendwende bei Belastung der Bürger

Lärm bedroht Millionen Deutsche

Landendes Flugzeug © IMSI MasterClips

Lärm beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern macht auch krank. Das ist nicht neu. Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) haben jetzt aber gezeigt, dass 13 Millionen Bürger mit Geräuschpegeln belastet sind, die deutliche Gesundheitsrisiken wie Herzinfarkte und zunehmende Schlafstörungen verursachen.

„Es ist höchste Zeit für eine Trendwende bei der Lärmbelastung der Bevölkerung. Denn: Lärm ist nicht nur lästig – er kann auch krank machen.“, sagte UBA-Präsident Professor Andreas Troge anlässlich des internationalen Tages gegen Lärm am 25. April 2007. Die Europäische Umgebungslärmrichtlinie ist mit der vorgesehenen Information und Beteiligung der Bevölkerung wichtig, um die menschliche Gesundheit besser vor Lärm zu schützen. „Wir müssen mehr gegen die Lärmbelastung unserer Bevölkerung tun. Noch herrscht zu viel Ruhe um den Lärm“, so Troge.

Studien für das UBA zeigen, dass Verkehrslärm zunehmend Schlafstörungen verursacht und sich das Risiko erhöht, besonders an Störungen des Herz-Kreislauf-Systems zu erkranken. So untermauert beispielsweise eine im UBA erarbeitete Literaturstudie den Zusammenhang zwischen Straßenverkehrslärm und Herzinfarkten: Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt bei Männern um etwa 30 Prozent, falls sie längere Zeit in Gebieten mit hohem Verkehrslärm wohnen, deren mittlerer Schallpegel im Außenbereich am Tag über 65 Dezibel (dB(A)) liegt.

Fluglärm lässt Medikamentenverbrauch steigen

Zwischen Fluglärm und erhöhtem Arzneimittelverbrauch besteht ein direkter Zusammenhang. Dies ist das Ergebnis einer epidemiologischen Studie für das UBA, die im Umfeld eines deutschen Flughafens mit Nachtflugbetrieb Daten von mehr als 800.000 Personen analysierte. Demnach führt Fluglärm dazu, dass die Betroffenen häufiger den Arzt aufsuchen und die Ärzte diesen mehr Medikamente verschreiben.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse spiegeln sich auch in Umfragen zur erlebten Lärmbelästigung der Bevölkerung im Wohnumfeld wider: Die Befragten stufen den Straßenverkehrslärm regelmäßig als größte Störung ein – vor anderen Faktoren, wie Autoabgase und Abwässer von Fabriken. Auch die kontinuierlich durchgeführte Online-Lärmumfrage des UBA zeigt diese Relevanz: 60 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fühlen sich vom Straßenverkehrslärm wesentlich belästigt.

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Trotz dieser bekannten negativen Auswirkungen des Verkehrs gab es keine Trendwende: Die Lärmpegel liegen unverändert auf einem hohen Niveau. Eine Ursache hierfür dürfte darin liegen, dass EU, Bund, Länder und Gemeinden die Wirkungen des Lärms bei ihren planerischen Entscheidungen bislang nicht ausreichend berücksichtigen, vor allem bei der Verkehrs- und städtebaulichen Planung. Mit der EG-Umgebungslärmrichtlinie wird dieses Thema jedoch zukünftig stärker in die kommunale Planung eingebunden.

Schon bald lärmarme Straßenbeläge?

Die Richtlinie sieht in einem ersten Schritt vor, die Lärmbelastung der Bevölkerung in großen Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen bis zum 30. Juni 2007 zu erfassen. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit sollen dann bis zum 18. Juli 2008 nationale Aktionspläne gegen den Lärm entstehen. Mit dieser verbindlichen Beteiligung der Bevölkerung könnte es zu einer breiten politischen Diskussion über die Lärmwirkungen kommen; auch bisher nur selten angewandte Maßnahmen – etwa lärmarme Straßenbeläge – könnten verstärkt Anwendung finden.

Das UBA setzt sich bei der Lärmaktionsplanung für den Schutz der Bevölkerung und für anspruchsvolle Umweltqualitätsziele ein. Belastungswerte unter 65 dB(A) als 24-Stundenwert und 55 dB(A) im Nachtzeitraum einzuhalten, kann nur ein erster Schritt sein, um gravierende Gesundheitsrisiken und Schlafstörungen zu verhindern. Das UBA rät dazu, mittelfristig die Lärmbelastung auf 60 dB(A) als 24-Stundenwert und 50 dB(A) nachts zu senken.

(Umweltbundesamt/GSF, 24.04.2007 – DLO)

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