Risikobereitschaft von Vögeln korreliert mit Glukokortikoidwerten Kohlmeisen: Hormone entscheiden über Neugier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Risikobereitschaft von Vögeln korreliert mit Glukokortikoidwerten

Kohlmeisen: Hormone entscheiden über Neugier

Kohlmeisennestling © Michaela Hölzl

Die Risikobereitschaft von Kohlmeisen hängt entscheidend von ihren Hormonwerten ab: Dies hat jetzt ein internationales Forscherteam in einer neuen Studie herausgefunden. Die Wissenschaftler konnten zudem in der Fachzeitschrift „Hormones and Behavior“ zeigen, dass die risikobereiteren Individuen auf Stress mit einer dramatischen Erhöhung der Glukokortikoidproduktion antworten, während diese Reaktion bei vorsichtigen Meisen viel schwächer ausgeprägt ist.

Kohlmeisen sieht man in Gärten und Parks in Europa und Asien häufig. Die Art gilt allgemein als sehr neugierig, es gibt aber starke Unterschiede zwischen einzelnen Individuen beim Erkunden neuer Umgebungen. „Schnelle, risikobereite“ Tiere erforschen ihre Umgebung vergleichsweise forsch, während „langsame“ Tiere bei der Erkundung eher zurückhaltend sind. Diese Unterschiede sind zumindest teilweise genetisch bedingt.

Mehr Neugier, weniger Hormon

Forscher in Holland haben nun über mehrere Kohlmeisengenerationen zwei Linien gezüchtet, die sich in der Bereitschaft Risikos einzugehen unterschieden. Wissenschaftler um Mareike Stöwe von der Veterinärmedizinischen Universität Wien analysierten anschließend die Abbauprodukte von Glukokortikoiden in den Ausscheidungen der Nestlinge der Kohlmeisenlinien. Sie fanden dabei heraus, dass die Jungen der zurückhaltenden Meisen mehr Glukokortikoide ausschieden als die der risikobereiteren.

Stöwe untersuchte auch die Reaktion der Nestlinge auf Stress. Dabei reagierten die risikobereiteren Nestlinge mit einer dramatischen Erhöhung der Hormonproduktion, diese Reaktion war bei den vorsichtigeren Tieren weitaus weniger stark ausgeprägt. Damit konnte sie zeigen, dass risikobereitere Meisen hormonell stärker auf Stress reagieren als ihre zurückhaltenden Artgenossen.

Mutig zu sein ist nicht immer besser

Die neue Studie zeigt erstmals, dass Vögel, die gezielt auf Unterschiede in der Risikobereitschaft hin gezüchtet wurden, sowohl deutliche Unterschiede in der Grundkonzentration von Stresshormonen als auch in ihrer Reaktion auf Stress zeigen. Man weiß heute, dass diese Faktoren für das Überleben der Jungtiere wichtig sind.

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Stöwes neue Forschungsergebnisse könnten vermuten lassen, dass forsche Vögel Vorteile gegenüber vorsichtigen Tieren haben. Da aber Umweltfaktoren für das Überleben der Tiere entscheidend sind, hängt es den Wissenschaftlern zufolge von konkreten Situationen ab, ob risikobereite oder zurückhaltende Meisen im Vorteil sind. Eine hohe Dichte an Räubern zum Beispiel könnte dafür sorgen, dass Mut nicht länger belohnt wird. Die große Bandbreite im Verhalten ist möglicherweise wichtig, damit die Vögel mit stark unterschiedlichen Umweltbedingungen zurechtkommen, so die Forscher.

Stress macht zurückhaltend

Da eine hohe Konzentration an Glukokortikoiden bei Jungvögeln auch mit intensiverem Betteln in Verbindung gebracht wird, untersuchte Stöwe darüber hinaus dieses Verhalten der „forschen“ und „vorsichtigen“ Nestlinge. Zwar fand sie keine Unterschiede zwischen den beiden Linien, doch bettelten männliche Nestlinge deutlich häufiger als weibliche. Unter der Einwirkung von Stress verschwand dieser Unterschied jedoch.

„Männliche Nestlinge werden schwerer und betteln mehr, um sicher zu gehen, genug Futter zu bekommen. Wenn sie aber verängstigt sind, verhalten sie sich genauso wie weibliche Nestlinge“, so Stöwe.

(Veterinärmedizinische Universität Wien, 30.11.2010 – DLO)

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