Ausbreitung des Krankheitsüberträgers kaum noch aufzuhalten? Klimawandel: Gefährliche Tigermücke erobert Europa - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ausbreitung des Krankheitsüberträgers kaum noch aufzuhalten?

Klimawandel: Gefährliche Tigermücke erobert Europa

Der Klimawandel fördert die Ausbreitung von Arten, die als Krankheitsüberträger wirken. Bayreuther Forscher haben nun in einer neuen Studie belegt, dass die Asiatische Tigermücke, die Menschen mit tropischen Krankheiten wie Dengue- und Chikungunyafieber infizieren kann, vermutlich immer weiter nach Europa vordringen wird.

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Zunächst werden der Nordwesten der Iberischen Halbinsel, der Südwesten Frankreichs und größere Bereiche Norditaliens mit hoher Wahrscheinlichkeit von dieser Entwicklung betroffen sein. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Global and Planetary Change“ weiter berichten, können aber auch in küstenfernen Regionen West- und Mitteleuropas Lebensräume für die Tigermücke entstehen.

Tigermücke breitet sich aus

Ausgehend von ihrer Ursprungsregion Südostasien, hat sich die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus mit dem weltweiten Handel von Waren in nahezu alle Kontinente ausgebreitet. Mittlerweile ist sie auch in Europa zu finden. 2007 kam es beispielsweise in der Folge zu einem Chikungunya-Ausbruch in Norditalien, 2010 zu mehreren Fällen von Dengue-Fieber in Frankreich und Kroatien.

Werden sich die klimatischen Verhältnisse in Europa auch künftig zu Gunsten der Tigermücke und anderer krankheitsübertragender Insekten entwickeln? Falls ja, steigt das Risiko einer Ausbreitung tropischer Krankheiten in Europa. Daher ist es heute ein wesentliches Ziel der Gesundheitspolitik, dieser Gefahr durch frühzeitige Maßnahmen zu begegnen.

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Gefährdete Regionen identifizieren

Wissenschaftler der Universität Bayreuth wollen mit fundierten und belastbaren Prognosen zu zielführenden Maßnahmen beitragen. Dabei arbeiten sie mit Modellen, die die Klimaansprüche krankheitsübertragender Insekten und die geographischen Gegebenheiten Europas berücksichtigen.

Mithilfe dieser wissenschaftlichen Modelle lassen sich diejenigen Regionen identifizieren, in denen künftig ein besonders hohes Risiko für eine weitere Ausbreitung der Tigermücke entsteht.

Verlässliche Prognosen durch Methodenvielfalt

„In der wissenschaftlichen Forschung sind – jeweils mit guten Argumenten – durchaus unterschiedliche Methoden entwickelt worden, um zu analysieren, wie sich der Klimawandel auf die Verbreitung von krankheitsübertragenden Insekten auswirkt“, erklärt Dominik Fischer von der Universität Bayreuth. „Bei jeder neuen Prognose sollten deshalb unterschiedliche Modellierungs- und Prognoseverfahren in Betracht gezogen, gegeneinander abgewogen oder miteinander kombiniert werden. Dies liefert die beste Abschätzung möglicher Entwicklungen.“

Vergleich unterschiedlicher Datensätze und Modellierungen

Deshalb haben die Bayreuther Wissenschaftler unterschiedliche Datensätze und Modellierungen miteinander verglichen. Wenn nur Daten berücksichtigt werden, die sich auf die asiatischen Ursprungsgebiete der Tigermücke beziehen, führt dies zu anderen Ergebnissen, als wenn sämtliche verfügbare Daten über ihr heutiges weltweites Vorkommen in die Analysen einfließen.

Und für die Prognose hinsichtlich der künftigen klimatischen Eignung der Tigermücke in Europa macht es einen Unterschied, ob dafür rein statistische Verfahren eingesetzt werden oder ob auch Expertenwissen und biologische Informationen genutzt werden.

Für Projektionen des Klimawandels im 21. Jahrhundert wurden in der neuen Studie – im Hinblick auf den künftigen Anstieg der Emissionen klimawirksamer Treibhausgase – zwei unterschiedliche Szenarien zugrunde gelegt: Im einen Fall steht ein ökonomischer und technologischer Wandel bevor, der in relativ kurzer Zeit in eine ausgewogene Nutzung von fossilen und nicht-fossilen Energiequellen mündet. Im anderen Fall bildet sich schon bald eine auf Informationsdienstleistungen gegründete Volkswirtschaft heraus, der es gelingt, anhaltendes Wirtschaftswachstum mit ressourceneffizienten Technologien zu verbinden.

Grundlegende Trends für Europa

In Abhängigkeit von den jeweils verwendeten Methoden und Zukunftsszenarien weichen die Prognosen nach Angaben der Forscher im Detail voneinander ab. Allerdings kristallisiert sich in den Arbeiten der Bayreuther Biogeografen ein zunehmend verlässliches Bild heraus. Die Übereinstimmungen der Grundaussagen sind so groß, dass sich klar zu erwartende Trends ableiten lassen.

So werden zumindest in den nächsten Jahrzehnten um das Mittelmeer herum attraktive Klimabedingungen für die Asiatische Tigermücke bestehen bleiben. Zugleich werden sich die klimatischen Verhältnisse in Europa so ändern, dass vor allem der Nordwesten der Iberischen Halbinsel, der Südwesten Frankreichs und Norditalien der Tigermücke größere Lebensräume bieten werden.

Bis Mitte des Jahrhunderts entwickeln sich dann den Ergebnissen der Wissenschaftler zufolge auch größere Bereiche Deutschlands zu potenziellen Lebensräumen dieser Insektenart. Für das Ende des 21. Jahrhunderts erwarten die Forscher dann, dass die Tigermücke in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, bis zur Ukraine, günstige klimatische Lebensbedingungen vorfinden wird.

Wie gefährlich wird die Tigermücke?

Aus diesen Ergebnissen lässt sich allerdings nicht zwingend ableiten, dass die Asiatische Tigermücke künftig in allen klimatisch attraktiven Lebensräumen auch tatsächlich heimisch wird. Und selbst wenn sie in Europa weiter nach Norden und Osten hin vordringt, muss dies nicht bedeuten, dass sie überall als Krankheitsüberträger wirksam wird.

Entscheidend ist dann nach Ansicht der Wissenschaftler, ob die in den Mücken transportierten Viren mit den künftigen Klimabedingungen und insbesondere mit zunehmenden Klimaschwankungen zurechtkommen. Gleichwohl liefern die jetzt veröffentlichten Prognosen wichtige Anknüpfungspunkte für präventive Maßnahmen, angesichts der möglichen klimabedingten Ausbreitung exotischer Infektionskrankheiten in Europa. (Global and Planetary Change, 2011; doi:10.1016/j.gloplacha.2011.05.008)

(Universität Bayreuth, 16.06.2011 – DLO)

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