Deutschland ist das am stärksten von Wetterkatastrophen betroffene Industrieland Klima-Risiko-Index zeigt Verlierer des Klimawandels - scinexx | Das Wissensmagazin
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Deutschland ist das am stärksten von Wetterkatastrophen betroffene Industrieland

Klima-Risiko-Index zeigt Verlierer des Klimawandels

Überschwemmungen in Kroatien im Mai 2014 © Dalibor Platenik – Dali/ CC-by-sa 3.0

Passend zum Welt-Klimagipfel in Paris hat die Umweltorganisation Germanwatch den diesjährigen Klima-Risiko-Index veröffentlicht. Er zeigt auf, welche Länder 2014 am stärksten von Wetterextremen betroffen waren. Überraschend liegen dabei drei Balkanstaaten vorne, die besonders schwere Überschwemmungen erlebten. Interessant auch: Im Langfrist-Index der letzten 20 Jahre ist Deutschland mit Rang 18 das am stärksten betroffene Industrieland.

Dass Wetterextreme dank des Klimawandels zunehmen, ist nichts Neues. So sind inzwischen drei Viertel aller Hitzewellen „hausgemacht“ und auch bei den Starkregen lässt sich jeder Vierte auf den Klimawandel zurückführen. Dabei sind jedoch nicht alle Regionen und Länder gleich schwer von solchen Extremereignissen betroffen. Wen es 2014 am härtesten getroffen hat, berichtet Germanwatch im diesjährigen Klima-Risiko-Index.

Untersucht wurden für den Klimarisiko-Index sowohl die Todesopfer durch extreme Wettereignisse wie Überschwemmungen, Hitze oder Stürme als auch die direkten ökonomischen Verluste. Als Datenbasis dienten die weltweit anerkannte Datenbank NatCatSERVICE der Münchener Rück sowie Wirtschaftsdaten des Internationalen Währungsfonds.

Hochwasser in der bosnischen Stadt Doboj im Mai 2014. © Zesto1977/ CC-by-sa 3.0

Balkanstaaten besonders betroffen

Das Ergebnis: Nicht etwa Pakistan oder Bangladesch führen die Liste der 2014 am stärksten betroffenen Länder an, sondern zwei europäische Staaten: „Im vergangenen Jahr wurden mit Serbien und Bosnien-Herzegowina zwei arme Länder Europas am härtesten getroffen“, berichtet Hauptautor Sönke Kreft von Germanwatch. Die beiden Balkanstaaten erlebten im Mai 2014 die stärksten Überflutungen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor über 120 Jahren.

Ebenfalls ganz vorne rangiert Afghanistan. Ebenfalls im Mai 2014 forderte dort ein schwerer Erdrutsch in der Provinz Badakhschan mindestens 350 Todesopfer, nachdem schon im Vorfeld durch Starkregen verursachte Überflutungen große Schäden anrichteten. Auf Rang vier folgen die schwer gebeutelten Philippinen mit gleich mehreren Wirbelstürmen, Erdrutschen und Überschwemmungen. In Pakistan, Indien und Nepal sorgten extreme Monsun-Regenfälle im Herbst 2014 für Überschwemmungen und Erdrutsche.

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Überschwemmungen dominieren

„Starkregen, Überflutungen und Erdrutsche sind die dominierenden Schadensursachen im neuen Klima-Risiko-Index“, sagt Sönke Kreft, Hauptautor der Studie und Teamleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Schäden durch zunehmenden Niederschlag sind ein Risiko, auf das sich die Menschen und Staaten in einer wärmeren Atmosphäre besser einstellen müssen.“

Auch im langfristigen Klima-Risiko-Index dominieren Überschwemmungen, meist jedoch wurden sie durch schwere Stürme ausgelöst. Beispiele sind Myanmar, wo der Wirbelsturm Nargis 2008 mehr als 7.000 Todesopfer forderte und 95 Prozent aller wirtschaftlichen Schäden der gesamten letzten 20 Jahre hinterließ. Ähnlich ist es bei Honduras mit dem Wirbelsturm Mitch von 1998 und Thailand mit den Überschwemmungen des Jahres 2011.

Taifun Hagupit über den Philippinen im Dezember 2014 - er war nur einer von vielen. © NOAA/ NCDC

Von der Ausnahme zur Regel

Doch inzwischen zeichnet sich hier ein Wandel ab – leider nicht zum Positiven, wie die Forscher berichten. Denn noch liegen im langfristigen Risiko-Index zwar Länder vorne, die eine einzelne schlimme Katastrophe erlebt haben, aber es häufen sich dort auch zunehmend Länder, die fast schon regelmäßig unter Wetterextremen zu leiden haben. So erleben die Philippinen inzwischen acht bis neun Taifune pro Jahr und Pakistan ist fast jährlich von schweren Überschwemmungen betroffen.

„Das deutet darauf hin, dass eine neue und einzigartige Kategorie von Ländern auftaucht, die sowohl einmalige schlimme Katastrophen erleben als auch regelmäßige Extremereignisse“, heißt es im aktuellen Bericht. Und wieder trifft es die ärmsten Länder am heftigsten: „Neun von den zehn im Index durch Wetterextreme meistbetroffenen Ländern der Jahre 1995 bis 2014 kommen aus der Gruppe der Staaten mit niedrigem oder unterem mittleren Einkommen“, berichtet Kreft.

Deutschland ist am stärksten betroffenes Industrieland

Europäische Länder haben jedoch ebenfalls unter den klimabedingten Wetterextremen zu leiden: Mit Rang 18 im Langfrist-Index ist Deutschland sogar die am stärksten betroffene Industrienation. Vor allem die Hitzewelle im Jahr 2003 verursachte mehr als tausend Todesfälle, und auch die Folgen der wiederholten „Jahrhundert-Hochwässer“ an Elbe, Donau, Rhein und Oder schlagen sich in der Bilanz nieder. Auf Rand 19 im langfristigen Klima-Risiko-Index liegen Portugal und der Klimagipfel-Gastgeber Frankreich.

Allerdings: „Obwohl einige dieser Länder durchaus häufig von Extremereignisse betroffen werden, sind die relativen wirtschaftlichen Schäden und die Zahl der Todesopfer dort gemessen an der Gesamtwirtschaft und der Bevölkerungszahl eher gering“, heißt es im Bericht. Dank guter Katastrophenschutz-Maßnahmen und guter Infrastruktur können reiche Industrieländer wie wir solche Wetterkatastrophen besser bewältigen.

Die armen Staaten weltweit können den Folgen von Sturm, Überschwemmungen oder Erdrutschen dagegen kaum etwas entgegensetzen. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht fair“, so Kreft. „Es trifft vor allem diejenigen, die am wenigsten dazu beigetragen haben und die sich am schlechtesten schützen können.“ Er sieht in den Ergebnissen des Index daher auch einen Appell an die Verhandlungen beim Klimagipfel in Paris. Das Pariser Abkommen müsse ambitioniert und solidarisch ausfallen. „Es muss ausreichend Schutz für die besonders verletzlichen Länder weltweit bieten“, so Kreft.

Den vollständigen Klima-Risiko-Index gibt es bei Germanwatch zum Download.

(Germanwatch, 04.12.2015 – NPO)

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