Skelettanalyse gibt Auskunft über soziale Stellung der Kelten Keltische Männer bekamen mehr Fleisch als Frauen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Skelettanalyse gibt Auskunft über soziale Stellung der Kelten

Keltische Männer bekamen mehr Fleisch als Frauen

Grabbeigaben eines alten Mannes, darunter Schwert und Speerspitze, aus der keltischen Grabstätte Rain, Münsingen. © Sandstein / (CC BY 3.0)

Männer bevorzugt: Bei den Kelten war der Speiseplan alles andere als gleichberechtigt. Wie biochemische Analysen von Skeletten zeigen, erhielten männliche Krieger deutlich mehr fleischliche Nahrung als ihre Frauen. Die proteinreiche Kost schien hohen sozialen Stellungen vorbehalten zu sein, da die Produktion um ein Vielfaches aufwändiger war. Aufschluss hierfür gab der archäologische Fund einer großen keltischen Gräberstätte.

Für mehrere Jahrhunderte der Eisenzeit und Antike besiedelten die Kelten als eins der größten Völker Mitteleuropa und breiteten sich im 4. und 3. Jahrhundert vor Christus von Irland über Spanien bis nach Kleinasien aus. Lautet die Übersetzung des vom griechischen Begriff „keltoi“ abstammenden Begriffs „die Tapferen“ oder „die Kühnen“, so wurden sie von griechischen oder römischen Überlieferern oft als Barbaren dargestellt. Über die Stellung der Frau weiß man dabei noch relativ wenig. Obwohl man annimmt, dass das keltische Volk sehr patriarchisch organisiert war, soll es auch Frauen in Führungspositionen gegeben haben.

Archäologische Funde als Quelle der Überlieferung

Im Gegensatz zu anderen Völkergruppen können wir nur sehr wenig durch eigene schriftliche Aufzeichnungen der Kelten über ihre Kultur erfahren. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Kulturen dieser Zeit nutzten die Kelten keine Schrift und hinterließen keine schriftlichen Aufzeichnungen. Daher sind archäologische Funde wie keltische Gräberfelder von umso größerer Bedeutung.

Forscher der Universität Bern untersuchten für ihre Studie Skelette aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus, die in mehr als 200 Gräbern der frühen La-Tène-Zeit im Kanton Bern gefunden worden waren. „Ziel des Projektes war es, Informationen über Ernährung, Migrationsverhalten und soziale Stellung der Menschen damals zu erhalten“, so Studienleiterin Sandra Lösch. Die Skelette wurden bereits 1906 ausgegraben und archäologisch untersucht.

Durch biochemische Analysen mittels Massenspektrometer bestimmten die Forscher die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in den Knochen. Weil Fleisch und Pflanzen jeweils unterschiedliche Mengen dieser Isotopen enthalten und sich diese über die Nahrung in den Knochen einlagern, lässt sich darüber ermitteln, was ein Verstorbener vor seinem Tod vorwiegend gegessen hat.

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Männer aßen mehr Fleisch

Die Forscher fanden deutliche Unterschiede bezüglich des Ernährungsverhaltens. Grundsätzlich standen bei den Kelten mehr Pflanzen auf dem Speiseplan, wie die Isotopenwerte belegen. Getreide und Gemüse bildeten demnach die Grundlage der Alltagskost. Doch einige Skelette wichen von diesem Grundschema ab: Besonders hohe Werte an tierischen Proteinen wurden bei Skeletten gefunden, die mit einer Waffe begraben wurden.

Da es sich bei diesen Toten höchstwahrscheinlich um männliche Krieger handelte, lässt dies nach Ansicht der Forscher auf eine Ungleichheit zwischen Männern und Frauen schließen: „Die Produktion tierischer Nahrungsmittel verschlingt mehr Ressourcen als jene pflanzlicher Nahrung“, erklärt Lösch. „Fleisch wurde deshalb vor allem von Individuen in höheren sozialen Stellungen konsumiert.“

Die Männer hatten demnach in der keltischen Gesellschaft vermutlich eine höhere Position als die Frauen – zumindest wenn sie zur Kriegerelite gehörten. Sie bekamen daher die wertvollere und proteinreichere Nahrung, während die Frauen sich mit der pflanzlichen Alltagsnahrung begnügen mussten.

Die Forschergruppe um Sandra Lösch plant im Folgenden weitere keltische Gräberstätten der Schweiz zu untersuchen, um so regionale Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigen zu können. Auch ein Vergleich mit anderen Völkergruppen ist vorgesehen. Die Forschungseinheit wird durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.

(Universität Bern, 05.01.2015 – MAH)

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