Neues Forschungsprojekt betreibt marine Erdsystemforschung im subpolaren Nordpazifik Kamtschatkas Vulkane im Visier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neues Forschungsprojekt betreibt marine Erdsystemforschung im subpolaren Nordpazifik

Kamtschatkas Vulkane im Visier

Die Eruption des Klyuchevskoy (Kamchatka) im Jahr 1994. © NASA

Die russische Halbinsel Kamtschatka und der Kurilen-Inselbogen bilden zusammen ein komplexes, etwa 2.500 Kilometer langes Subduktionssystem. Hier befinden sich zahlreiche aktive Vulkane, deren teilweise katastrophale Eruptionen nicht nur umliegende Gebiete bedrohen, sondern auch Auswirkungen auf die globale Umwelt und das Klima haben. Die vielschichtigen Wechselwirkungen werden nun durch ein deutsch-russisches Gemeinschaftsprojekt erforscht.

„Die Eruption des Klyuchevskoy (Kamchatka) im Jahr 1994 reichte bis in 20 Kilometer Höhe und hat den Flugverkehr über dem NW Pazifik stark beeinträchtigt. Große Eruptionen, wie sie es in der Vergangenheit mehrmals auf Kamchatka gegeben hat, können aber auch globale Auswirkungen auf das Klima und die Ozonschicht haben.“, erläutert Professor Kaj Hoernle vom IFM-GEOMAR. Doch Gefahr droht jedoch nicht nur von Vulkanausbrüchen, sondern auch von Tsunamis, die in dieser geologisch hochaktiven Region ihren Ursprung nehmen können. „Die hier zu Grunde liegenden Prozesse sind allerdings kaum verstanden“, so Hoernle weiter.

Dies soll sich nun durch das neue Forschungsprojekt KALMAR unter Koordination des IFM-GEOMAR ändern. Zahlreiche Geologen, Vulkanologen, Geophysiker, Paläoozeanographen, Ozeanographen, Geochemiker, Biogeochemiker und Biologen sollen im Verbundvorhaben „Kurile-Kamchatka and ALeutean MARginal sea-island arc systems: geodynamic and climate interaction in space and time“ zusammenarbeiten und werden dabei finanziell vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. Für die nächsten drei Jahre sind mehrere Land- und Schiffsexpeditionen in die abgelegenen Weiten des subpolaren Nordwestpazifiks und Ostsibiriens geplant.

Veränderungen der Ozeanzirkulation

Arbeitsgebiet des Kalmar-Projektes im NW-Pazifik. © IFM-GEOMAR

Neben dem aktiven Kontinentalrand an der russischen Ostküste nehmen die Forscher aber auch die nahe gelegene Aleuten-Inselkette unter die Lupe. Denn diese hat eine herausragende Bedeutung für den Wassermassenaustausch und damit für das Klima: Die ozeanischen Randströme, die entlang des Kontinentalrandes geführt werden, steuern die Klimaentwicklung im nordwestpazifischen Raum auf langen sowie auch auf sehr kurzen Zeitskalen. Diese zeitlichen und räumlichen Schwankungen in der Ozeanzirkulation beeinflussen jedoch nicht nur den Wärmeaustausch und Materialfluss zwischen Kontinent und Ozean. Vielmehr verändern sie auch die Hydrographie des Ochotskischen Meeres, einem äußerst wichtigen Fischfanggebiet Russlands, das im Westen an den Kamtschatka-Kurilenbogen angrenzt.

Kamtschatka-Vulkane. © NASA

„Die lokale Expertise und fachliche Kompetenz unserer russischen Kollegen ist von unschätzbarem Wert für ein solches Vorhaben“, erläutert Projektkoordinator Wolff-Christian Dullo. „Auf der anderen Seite können wir unter Einsatz moderner Meerestechnik und Analyseverfahren hochpräzise Messergebnisse erzielen. Insofern ist dies eine „Win-Win“ Situation für alle Projektpartner“, fügt Dullo hinzu. Die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre, zum Beispiel im Rahmen von System Laptev See oder das Kurilen Ochotskisches Meer Experiment – KOMEX, bildet nun die Grundlage der erneuten deutsch-russischen Kooperation.

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(IFM-GEOMAR, 21.11.2006 – AHE)

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