Kaffeeherkunft meist entscheidender für die Ökobilanz als das Zubereitungssystem Kaffeekapseln: Kunststoff schlechter als Alu - scinexx | Das Wissensmagazin
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Kaffeekapseln: Kunststoff schlechter als Alu

Kaffeeherkunft meist entscheidender für die Ökobilanz als das Zubereitungssystem

Ökologische Gesamtbeurteilung verschiedener Kaffeekapselsysteme: Die leeren Kapseln inklusive ihrer Verpackung wurden auf ihre Umweltauswirkungen hin untersucht. (UBP = Umweltbelastungspunkte) © Empa / CC-by-sa 3.0

Wie umweltfreundlich sind die verschiedenen Kapselsysteme und andere Zubereitungsarten für Kaffee? Schweizer Forscher haben die Ökobilanzen der verschiedenen Systeme unter die Lupe genommen. Resultat: Auf den Inhalt kommt es an. Die Wahl des Kaffees beeinflusst die Ökobilanz viel stärker als die Wahl zwischen Kapsel, Vollautomat und Filterkaffee. Unter den Kapselsystemen liegt aber dennoch die Kunststoffkapsel ganz weit hinten.

Kapselsysteme für Kaffee sind praktisch und deshalb sehr beliebt. Punkto Umweltfreundlichkeit bestehen jedoch große Fragezeichen. Um diese auszulösen untersuchte der Ökobilanz-Experte Roland Hischier von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa verschiedene Kapselsysteme sowie Vollautomaten, Filter- und löslichen Kaffee und erstellte eine vereinfachte Ökobilanz.

Inhalt und Kapseln getrennt ausgewertet

Für die Ökobilanz wog Hischier die verschiedenen Kapseln und identifizierte zunächst die Hauptbestandteile. Anschließend verwendete er Literaturwerte für den durchschnittlichen Material- und Energieverbrauch bei der Produktion dieser Materialien. Für Filter- und löslichen Kaffee griff er ebenfalls auf Literaturwerte zurück. Als Grundlage für die ökologische Bewertung des Kaffees selbst diente eine Studie aus Brasilien, die 56 Kaffeeplantagen analysiert hatte. Da nicht genau bekannt ist, welche Art Kaffee die jeweiligen Kapseln enthalten, berücksichtigte Hischier sowohl den Durchschnittswert der brasilianischen Studie für Kaffeeanbau wie auch die Extremwerte. Dadurch konnte er den Einfluss des Kaffees beziehungsweise dessen Anbauart auf die gesamte Ökobilanz der Kaffeezubereitung aufzeigen.

Anbau am entscheidendsten für Ökobilanz

Die Auswertung ergab, dass vor allem der Inhalt für die Ökobilanz entscheidend ist. Größter Faktor ist die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft beim Kaffeeanbau. Je nach Aufwand auf der Kaffeeplantage und damit unterschiedlichem Einsatz von Maschinen (Diesel für Traktor), Dünger und Pestiziden, variieren die Umweltdaten für den Kaffee deutlich. Im schlechtesten Fall macht die Kaffeekultivierung rund 70 Prozent der Umweltbelastung einer Tasse Kaffee aus, im besten Fall gerade noch ein Prozent. „Eine bewusste Kaffeewahl ist auf jeden Fall das Beste für die Umwelt“, so Hischier. Wer umweltfreundlichen Kaffeegenuss will, solle auf Kaffee mit Nachhaltigkeitslabel setzen.

Kapseln: Kunststoff schlechter als Alu

Die separate Betrachtung der verschiedenen (leeren) Kapseln brachte – aufgrund der unterschiedlichen Materialmengen der Kapseln und deren Verpackung – ebenfalls große Unterschiede. Bei einem durchschnittlichen Kaffee macht die Kapsel rund einen Viertel der Umweltbelastung aus. Relativ schwere Kunststoffkapseln und solche, die zusätzlich noch einzeln verpackt sind, schneiden allerdings schlechter ab. Tassimo sammelte in der Bewertung daher die meisten negativen Umweltpunkte. Pads schnitten dagegen eher gut ab. Bei Systemen wie Nespresso kommt es auf die Entsorgung an: Werden Aluminiumkapseln rezykliert – und nur dann –, sind sie sogar die besten.

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Ökologische Gesamtbeurteilung für die Zubereitung einer Tasse Kaffee durch verschiedene Kapselsysteme und andere Zubereitungsarten. Der Vollautomat wurde einmal mit maximaler Kaffeefüllmenge berechnet (high), einmal mit deutlich geringerer Menge (low). © Empa

Kaffeemaschine oft schlechter als Kapseln

Zum Schluss verglich Hischier Kapseln mit weiteren Zubereitungsarten für Kaffee. Beim Vollautomaten hängt das Resultat erheblich davon ab, wie viel Kaffee pro Tasse verwendet wird – kein Wunder bei dem großen Einfluss des Kaffees auf die Gesamtbilanz. Bei Vollbeladung mit durchschnittlichem Kaffee liegt die Umweltbelastung eines Vollautomaten sogar höher als diejenige des besten Kapselsystems. Da die verschiedenen Kapselsysteme unterschiedlich viel Kaffee enthalten – zwischen sechs und neun Gramm, also immerhin eine 50-prozentige Varianz –, ergeben sich in der Rangliste im Vergleich zu den leeren Kapseln leichte Verschiebungen; Kapseln mit viel Kaffeepulver schneiden – wie erwartet – schlechter ab.

Filterkaffe und löslicher am besten für die Umwelt

Unabhängig vom Kaffee gibt es aber auch zwei klare Gewinner: Unter der jeweiligen Annahme, dass beim Filterkaffee die ganze aufgebrühte Kanne getrunken und beim löslichen Kaffee nur so viel Wasser erhitzt wird wie auch benötigt, schneiden diese beiden Zubereitungsarten pro Tasse Kaffee mit Abstand am besten ab. Für Kaffeefans tröstlicher dürfte Hischiers Auskunft sein, dass die gute, alte Espressokanne oder Caffettiera, die er im Vergleich allerdings nicht mitberücksichtigt hat, ähnlich gut abschneidet – vorausgesetzt, es wird pro Tasse gleich viel Pulver wie beim Filterkaffee genommen und die Caffettiera ganz ausgetrunken.

(Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, 11.05.2011 – NPO)

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