Zahnfund belegt Präsenz von vormenschlichen Primaten vor sieben Millionen Jahren Jüngster Menschenaffe Europas entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zahnfund belegt Präsenz von vormenschlichen Primaten vor sieben Millionen Jahren

Jüngster Menschenaffe Europas entdeckt

Die Paläontologin Madelaine Böhme (rechts) und Geologe Philipe Havlik bei Grabungsarbeiten nahe der bulgarischen Stadt Chirpan, wo sie den Backenzahn eines vor sieben Millionen Jahren lebenden Menschenaffen fanden. © Madelaine Böhme

Auch in Europa lebten noch vor sieben Millionen Jahren Menschenaffen – und damit deutlich länger als bisher angenommen. Das belegt der Zahn eines Affen, den Wissenschaftler nahe der bulgarischen Stadt Chirpan gefunden haben. Mit seinem dicken Zahnschmelz sei der Zahn typisch für einen Hominiden, einen Vertreter der Primatengruppe, zu der Menschenaffen und Menschen gehören. Seine Datierung auf sieben Millionen Jahre alt mache ihn zum jüngsten bekannten Relikt eines vormenschlichen Hominiden auf den europäischen Kontinent, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of Human Evolution“.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Vorfahren von Menschenaffen und Vormenschen in Europa bereits vor rund neun Millionen Jahren ausstarben. Damals veränderten sich in Europa die Ökosysteme, savannenartige Landschaften mit jahreszeitlich stark wechselndem Klima entstanden. Menschenaffen als typische Fruchtfresser konnten dort nicht überleben, so glaubte man, weil es über Monate hinweg an Früchten gefehlt hätte.

Doch der Fund des Backenzahns zeige nun, dass die Menschenaffen Europas sehr wohl in der Lage gewesen seien, sich an das wechselnde Klima einer Savanne anzupassen, sagen Nikolai Spassov vom Nationalmuseum für Naturgeschichte im bulgarischen Sofia und seine Kollegen. Denn der Zahn sei inmitten von Fossilien einer typischen Savannen-Fauna entdeckt worden, darunter mehrere Elefantenarten, Giraffen, Antilopen, Nashörner und Säbelzahn-Katzen.

Anpassung an harte Savannen-Nahrung

Auch die Merkmale des Zahns deuten auf eine gute Anpassung des Menschenaffen an die Savanne hin, wie die Forscher berichten. Die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung der Kauflächenzeigte, dass der bulgarische Menschenaffe nicht nur Früchte, sondern härtere Nahrung wie Gräser, Samen und Nüsse zu sich nahm.

Darin ähnele seine Ernährungsweise jener der afrikanischen Vormenschen vor rund vier Millionen Jahren, meinen die Wissenschaftler. Der Zahn sei stark abgenutzt und gehörte daher vermutlich zu einem älteren Individuum.

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Neue Hinweise auch für die Evolution des Menschen

„Auch was die Evolution des Menschen betrifft, muss man nun völlig neu darüber nachdenken, wo sie sich abgespielt hat“, sagt Mitautorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology an der Universität Tübingen.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Evolution des Menschen ausschließlich in Afrika stattfand und die Menschen von dort in andere Kontinente auswanderten. „Es mehren sich aber die Hinweise, dass sich ein gewisser Teil der menschlichen Evolution auch außerhalb Afrikas, in Europa und Westasien, ereignete“, meint die Forscherin. (Journal of Human Evolution, 2012; doi: 10.1016/j.jhevol.2011.10.008)

(Journal of Human Evolution / dapd, 12.01.2012 – NPO)

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