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Island: Vulkanausbruch nahe Reykjavik

Spalteneruption am Fagradalsfjall ist erster Ausbruch des Krysuvik-Systems seit gut 800 Jahren

Lava
Glühende Lava quilt aus einer Spalte im Geldingadalur-Tal südlich von Reykjavik. Urheber ist ein Ausläufer des Krysuvik-Vulkansystems. © Icelandic Met Office

Glühende Ströme: Am 19. März hat ein Vulkanausbruch rund 40 Kilometer südlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik begonnen. Eine zum Vulkansystem Krysuvik gehörende Spalte riss auf 700 Metern Länge auf und speit seither glühende Lava. Es ist der erste Ausbruch dieses Vulkansystems seit 900 Jahren. Vulkanologen stufen die Eruption bisher jedoch als eher klein ein und sehen zurzeit keine Gefahr für den Flugverkehr.

Vulkanausbrüche sind auf Island keine Seltenheit, denn die Insel liegt an einer Plattengrenze und zugleich über einem vulkanischen Hotspot. Im April 2010 legte eine Eruption des Eyjafjallajökull den Flugverkehr in halb Europa lahm, 2011 folgte der unter dem Gletscher Vatnajökull verborgene Vulkan Grimsvötn – er zeigt auch jetzt noch anhaltende Zeichen der Aktivität. 2014 ereignete sich dann unter demselben Gletscher eine heftige Spalteneruption: Der Ausbruch des Bárdarbunga war der stärkste seit mehr als 240 Jahren in Europa, auch wenn große Aschenwolken ausblieben.

Spalteneruption
Bisher stufen Vulkanologen die Eruption als klein und wenig gefährlich ein. © Icelandic Met Office

Spalteneruption am Fagradalsfjall

Jetzt ist erstmals auch wieder ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel aktiv geworden – der Halbinsel im Südwesten Islands, auf der die Hauptstadt Reykjavik und der internationale Flughafen Keflavik liegen. Nach mehreren Wochen anhaltender Erdbebenaktivität riss am 19. März 2021 in einem Tal rund 40 Kilometer südlich von Reykjavik der Untergrund auf einer Länge von 500 bis 700 Metern auf. Aus der Spalte tritt seither glühende Lava aus.

Bisher entwickelt diese Spalteneruption südlich des Berges Fagradalsfjall aber nur wenig Asche und mäßig hohe Lavafontänen. Trotz leichter Aschebelastung der Luft läuft der Flugverkehr am Kevlavik-Flughafen weitgehend normal. Die Lava strömt in nur mäßigem Tempo von rund 100 Kubikmetern pro Sekunde aus und fließt in das unbesiedelte Geldingadalur-Tal. Aktuell sind nach Angaben des isländischen Meteorologie-Amts weit weniger als ein Kubikkilometer Lava ausgetreten, sie bedeckt eine rund 500 Meter breite Fläche.

„Dies ist kein schnell ablaufendes Ereignis und ein guter Ort für eine Eruption“, erklärte der Vulkanologe Magnús Tumi Gudmundsson von der Universität Reykjavik gegenüber RUV. Wenn die Eruption so bleibe, werde die Lava nur das Geldingadalur-Tal füllen. Allerdings sei noch nicht absehbar, wie lange die Eruption anhalten werde: „Sie könnte heute Nacht enden oder nach einem Monat“, so Gudmundsson.

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Seit 800 Jahren der erste Ausbruch auf Reykjanes

Das Spannende jedoch: Diese Spalteneruption ist die erste, die sich seit rund 800 Jahren auf der Reykjanes-Halbinsel ereignet – und die erste des seit gut 800 Jahren inaktiven Krýsuvík-Trölladyngja-Vulkansystems. Dieses Vulkangebiet ist eines von fünf, die sich entlang der Reykjanes-Plattengrenze erstrecken. Es besteht aus zahlreichen Verwerfungen und unterirdischen Ausläufern, die unter anderem bis zum heutigen Ausbruchsgebiet am Fagradalsfjall reichen.

In den letzten 8.000 Jahren hat es am Krýsuvík-System nach Auskunft des isländischen Vulkanobservatoriums zehn vulkanische Ausbruchsperioden gegeben. Die meisten wurden durch tektonische Verschiebungen entlang der Plattengrenze ausgelöst und hielten teilweise mehrere Jahre an. Der letzte größere Ausbruch ereignete sich im 12. Jahrhundert und erzeugte vier Lavaströme, die zusammen rund 36 Quadratkilometer bedeckten. Typischerweise sind die Eruptionen dieses Vulkans eher effusiv – die Lava strömt ruhig und ohne größere explosive Auswürfe aus, so die Vulkanologen.

Ausbruch am Fagradalsfjall.© AFP

Beginn einer neuen Ausbruchs-Periode?

Der aktuelle Ausbruch am Fagradalsfjall könnte nach Ansicht von Gudmundsson ein Hinweis darauf sein, dass eine neue eruptive Periode am Krýsuvík-System anbahnt: „Dies ist ein sehr bemerkenswertes Ereignis“, sagte der Vulkanologe gegenüber RUV. Der Ausbruch markiere möglicherweise den Beginn einer Periode mit mehreren weiteren Eruptionen. Dazu würde passen, dass Hebungen des Untergrunds auf eine Ansammlung von Magma am Fagradalsfjall hindeuten.

Auch der Zeitpunkt des Ausbruchs passt ins Bild: Nach Angaben des Vulkanobservatoriums hat es vor dem Ausbruch im 12. Jahrhundert drei weitere bekannte Eruptionsepisoden am Krýsuvík-Vulkansystem gegeben – vor 1.200, vor 2.000 und vor 3.000 Jahren. „Das deutet darauf hin, dass die Ausbrüche in Intervallen von 400 bis 1.000 Jahre auftreten und mit einem Mittelwert von 750 Jahren“, schreiben die Experten.

Quellen: Icelandic Met Office, RUV, Icelandic Volcano Observatory

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