Experiment liefert neue Indizien für mögliches Leben auf dem Roten Planeten Irdische Flechten könnten auf dem Mars überleben - scinexx | Das Wissensmagazin
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Irdische Flechten könnten auf dem Mars überleben

Experiment liefert neue Indizien für mögliches Leben auf dem Roten Planeten

Ein Forscher legt ein Stück originalgetreu nachgebauten Marsboden in die Marssimulationskammer; in ihr herrscht eine dem Mars entsprechende Atmosphäre, die verschiedenfarbigen Lämpchen simulieren genau die Lichtverhältnisse auf der Planetenoberfläche. © DLR / CC-BY 3.0

Flechten von der Erde könnten auch auf dem Mars überleben – ohne Gewächshaus und anderen Schutz. Das zeigt ein 34-tägiges Experiment von Planetenforschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Sie haben Flechten aus dem Hochgebirge und dem Polargebiet in einer Simulationskammer gehalten und Boden und Atmosphäre exakt den Marsbedingungen nachempfunden. Vor allem in Felsnischen, Spalten und Ritzen des simulierten Marsbodens erwiesen sich die Flechten als Überlebenskünstler: Sie passten sich an die künstliche Marsumgebung an und waren genauso aktiv wie in ihrer natürlichen Umgebung, beispielsweise der Antarktis. Das berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

„Falls vor vier Milliarden Jahren auf dem Mars Leben entstand, könnte es also bis heute in Nischen im Marsboden überlebt haben“, sagt Jean-Pierre de Vera vom DLR, der Projektleiter für die Marssimulation. Die Existenz von Leben auf dem Mars werde damit plausibler. Für zukünftige Missionen zum Mars sei das Ergebnis daher eine deutliche Warnung: „Man muss extrem vorsichtig sein und keine irdische Lebensformen auf den Mars bringen“, meint de Vera. „Sonst könnte man damit den Planeten kontaminieren.“

Marsboden und -atmosphäre nachgebaut

Die DLR-Wissenschaftler Jean-Pierre de Vera (r.) und Andreas Lorek setzen irdische Flechten in die Marssimulationskammer ein, dort wurden sie 34 Tage lang den lebensfeindlichen Bedingungen des Mars ausgesetzt. © DLR / CC-BY 3.0

Für ihren Versuch sammelten die Forscher Flechten aus den unwirtlichen Regionen der Erde: Sie stammten aus bis zu 3.500 Metern Höhe in den Schweizer Bergen sowie aus der Antarktis. „In unserer Marssimulationskammer haben wir diese Proben dann mehr als einen Monat lang in einem Mars-Klima beobachtet“, erläutert de Vera. Dafür stellten die Forscher aus verschiedenen mineralischen Bestandteilen zunächst einen Marsboden her – Erkenntnisse über seine Zusammensetzung sammelten unter anderem die Marsrover Opportunity und Spirit.

In der Kammer herrschte eine Atmosphäre wie auf dem Mars: Sie besteht zu 95 Prozent aus Kohlendioxid sowie aus vier Prozent Stickstoff und Spurengasen wie Argon oder Sauerstoff. Zudem sorgte ein Vakuumpumpsystem dafür, dass auf dem künstlichen Mars ein Luftdruck von lediglich sechs Millibar herrschte. So simulierten die Planetenforscher die geringe Atmosphärendichte auf dem Roten Planeten. Spezielle Strahlenquellen vom UV- bis Infrarotbereich ahmten die solare Oberflächenstrahlung auf dem Mars nach. Zudem mussten die Organismen Temperaturschwankungen von minus 50 Grad Celsius bis plus 23 Grad Celsius überstehen.

Photosynthese auf dem Mars

Zu den Mikroorganismen, die 34 Tage lang in der Marssimulationskammer des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) lebten, gehören auch diese polare Flechten. © DLR / CC-BY 3.0

Das Ergebnis: „Die irdischen Mikroorganismen betreiben selbst unter diesen schwierigen Bedingungen Photosynthese“, sagt Astrobiologe de Vera. Das für die aus Algen und Pilzen bestehenden Organismen notwendige Wasser gewinnen diese aus der Luft: Jeweils am Morgen und am Abend eines Marstages sich dicht über der Bodenoberfläche Feuchtigkeit nieder, die die Flechten aufnehmen.

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Für die Forscher bleibt allerdings eine Frage offen: „Wir wissen: 34 Tagen könnten Flechten und Bakterien auf dem Mars überleben und aktiv sein“, sagt de Vera. Aber es sei unklar, ob die Organismen auch bis zu Jahre oder Jahrhunderte unter Marsbedingungen leben könnten. Diese Frage müsse zukünftig weiter untersucht werden.

(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Berlin, 27.04.2012 – NPO)

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