Bundesbehörde hält angeblich Untersuchung zu Risiko-Gen-Pflanzen unter Verschluss Greenpeace warnt vor Einführung von Gen-Mais - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bundesbehörde hält angeblich Untersuchung zu Risiko-Gen-Pflanzen unter Verschluss

Greenpeace warnt vor Einführung von Gen-Mais

Am 20. September 2004 wird in Brüssel über die Marktzulassung des Gen-Mais MON 863 entschieden. Laut Greenpeace steht diese Sorte unter Verdacht, bei Ratten zu Blutveränderungen zu führen. Der Umweltverband verlangt deshalb Einsicht in einen Untersuchungsbericht zu MON 863 und warnt vor der Zulassung der Maissorte.

Fütterungsversuche an Ratten mit dem Gen-Mais der Firma Monsanto erregten bereits im April öffentliche Aufmerksamkeit, als die französische Tageszeitung Le Monde über Veränderungen im Blutbild der Tiere berichtete. Trotz der aufgetretenen Abnormalitäten wurde der Gen-Mais von der europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) für unbedenklich erklärt. Sollte sich das Expertengremium nicht über den Zulassungsantrag einig werden, fällt die Entscheidung im Ministerrat.

„Die Fütterungsversuche mit Gen-Mais führten dazu, dass sich vermehrt weiße Blutzellen bei den männlichen Ratten bildeten und es auffällige Veränderungen an den Nieren der Tiere gegeben hat“, erklärt Gentechnik-Experte Christoph Then von Greenpeace. „Zudem enthält der Mais ein Gen für eine Antibiotika-Resistenz, die theoretisch auch auf Krankheitserreger übertragen werden kann. Dieser Mais darf nicht zugelassen werden.“ Die Versuchsprotokolle veranlassten auch die französische Gentechnik-Kommission CGB, Commission du Génie Biomoléculaire, von einer Zulassung der Maissorte ohne weitere Untersuchungen abzuraten.

Kurz nach der Veröffentlichung in Le Monde verlangte Greenpeace vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Einsicht in die Akten zu MON 863. Nach EU-Recht dürfen Daten, die zur Bewertung des Risikos von Gen-Pflanzen nötig sind, von den zuständigen Behörden nicht unter Verschluss gehalten werden. Im August wurde Greenpeace jedoch mitgeteilt, dass die Akten vertraulich wären. Zur Verfügung gestellt wurde lediglich eine 19-seitige Zusammenfassung des über 1.000-seitigen Untersuchungsberichtes.

„Für eine präzise Analyse des Fütterungsversuches fordern wir die Herausgabe der vollständigen Versuchsergebnisse. Die vorliegenden Untersuchungsinterpretationen lassen keine abschließende Bewertung der Rattenversuche zu. Sie vermitteln das Bild eines insgesamt ungenügenden Versuchsaufbaues“, so Christoph Then. Monsanto bemühe zudem Ergebnisse, die in anderen Untersuchungen gewonnen wurden, um zu behaupten, dass die Abweichungen innerhalb normaler biologischer Streubreiten lägen, vermutet Then. Greenpeace weist die Darstellung von Monsanto als wissenschaftlich unzureichend zurück.

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Ausschlaggebend sei, dass im direkten Vergleich mit Kontrolltieren im Fütterungsversuch deutliche Unterschiede aufgetreten sind. Nach Ansicht von Greenpeace sei es erstaunlich, dass daraufhin offenbar keine weiteren Versuche durch Monsanto erfolgten. Die bisher festgestellten Auffälligkeiten, die der Gen-Mais bei Ratten ausgelöst hat, müssten dazu führen, dass die Marktzulassung verweigert wird, fordern die Umweltschützer.

(Greenpeace, 20.09.2004 – ESC)

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