Überdüngung: Das umstrittene Herbizid Glyphosat hat eine bisher unterschätzte Umweltwirkung – es setzt bei seinem Abbau Phosphor in Wasser und Boden frei. Dies kann zur Überdüngung von Gewässern führen. Eine aktuelle Studie enthüllt: Durch den rapiden Anstieg der Glyphosateinsatzes gelangen inzwischen jährlich 151,3 Millionen Kilogramm Phosphor aus dem Herbizid in die Umwelt – ähnlich viel wie durch Tenside. Dieser bisher unterschätzte Aspekt müsse dringend in die Diskussionen mit einbezogen werden, warnen die Forscher.
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel: 8,6 Milliarden Kilogramm des Wirkstoffs wurden seit 1974 auf Felder gesprüht – meist kombiniert mit dem Anbau von Raps, Soja oder Mais, die gentechnisch gegen das Mittel resistent gemacht wurden. Gleichzeitig ist Glyphosat stark umstritten, weil einige Institutionen wie die WHO das Mittel für krebserregend halten, andere, wie die EU-Behörden ECHA und EFSA dagegen nicht.

Glyphosat als Phosphorquelle
Doch unabhängig davon könnte es noch einen anderen Grund zur Besorgnis geben, wie nun Marie-Pier Hébert und ihre Kollegen von der kanadischen McGill University feststellen. Denn das zunehmend in Böden und Gewässern vorkommende Herbizid trägt auch zur Überdüngung bei. „Glyphosat enthält 18,3 Massenprozent Phosphor“, erklären die Forscher. „Damit repräsentiert seine Ausbringung einen Einstrom anthropogenen Phosphors in die Umwelt.“
Das Problem: Phosphor ist zwar ein unverzichtbarer Pflanzennährstoff, aber zu viel davon führen zur Eutrophierung von Gewässern und Ozeanen. Schon vor einigen Jahren warnten Forscher deshalb, dass die planetare Belastungsgrenze des Phosphorkreislaufs überschritten sein könnte – unter anderem durch zu viel Düngereintrag in der Landwirtschaft. „Trotzdem wurde der Phosphoreintrag durch Pestizide bislang weitgehend ignoriert“, sagen die Forscher.









