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Gestein des Jahres 2023: Grauwacke

Sandstein mit dynamischer Bildungsgeschichte ist vor allem als Baumaterial beliebt

Grauwacke
Grauwacke wird oft als Mauerstein verwendet, aber auch als Pflasterstein begegnet uns dieses Gestein im Alltag. © Wolfgang Reimer/ BDG Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V.

Ob als Greywacke, grauvaca oder Grauvakka: Das diesjährige Gestein des Jahres ist weltweit unter seinem vor mehr als 200 Jahren im Harz geprägten Namen bekannt. Grauwacken sind harte, gräulich gefärbte Sandsteine, die uns im Alltag oft als Mauersteine, Pflastersteine oder Schotter begegnen. In Deutschland kommt die Grauwacke vor allem in alten Gesteinsformationen der Mittelgebirge vor, denn die Entstehungszeit dieses Gesteins liegt mehr als 300 Millionen Jahre zurück.

Gesteine gehören zu den wichtigsten Rohstoffen der menschlichen Zivilisation – sie sind in unserm Alltag nahezu allgegenwärtig. Dennoch beachten wir sie meist kaum. Um dies zu ändern und mehr Bewusstsein für die Geologie und wirtschaftliche Bedeutung der Gesteine zu schaffen, kürt ein Expertengremium unter Leitung des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler jedes Jahr ein Gestein des Jahres. Im Jahr 2022 wurde der Gips gewählt, 2020/2021 war es der Andesit.

Grauwacke-Formation
Die Ziegenrücker Falte – eine Grauwacke-Formation im Thüringer Schiefergebirge. © Christof Ellger/ GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung

„Wackersteine“ mit vielseitigem Nutzen

Im Jahr 2023 ist die Grauwacke das Gestein des Jahres. Obwohl sein Name heute nur noch den wenigsten ein Begriff ist, war er früher allgemein bekannt und ging als „Wackerstein“ sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Geprägt wurde die Bezeichnung für dieses harte, gräulich-dunkel gefärbte Gestein im 18. Jahrhundert von Bergleuten im Harz, wo die Grauwacke schon damals abgebaut wurde. Auch Johann Wolfgang von Goethe erwähnte damals schon die „Graue Wacke“.

Typisch für die Grauwacke ist eine sehr feste, feinkörnige Matrix, in die kantige und unsortierte größere Gesteinskörner eingebettet sind. Geologisch gesprochen ist diese Sandsteinvariante damit ein klastisches Sediment: ein Gemisch, das aus unterschiedlichen, mechanisch zerkleinerten Gesteinen besteht. Je nach Herkunft kann die mineralische Zusammensetzung der Grauwacke daher variieren.

Wegen ihrer Festigkeit wird Grauwacke heute vor allem als Baustoff verwendet. Wir begegnen ihr im Alltag als Mauerstein, in Terrassenplatten und im klassischen Pflasterstein. Schotter und Splitt bestehen ebenfalls oft zu großen Teilen aus Grauwacke und der stabile Stein wurde auch in Staumauern wie in der Edertalsperre verbaut, dem drittgrößten Stausee Deutschlands.

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Bei Untersee-Rutschungen gebildet

Entstanden sind die Grauwacken größtenteils vor mehr als 300 Millionen Jahren durch einen äußerst dynamischen Prozess: Über Flüsse oder tektonische Stauchprozesse wurde dabei zunächst Sediment in die flachen Schelfgebiete der urzeitlichen Küsten geschwemmt und sammelte sich dort an. Durch ein Erdbeben oder eine andere Erschütterung des Untergrunds kam diese Masse dann ins Rutschen und raste als turbulente unterseeische Schlammlawine den Kontinentalhang hinab.

Bei solchen Rutschungen bewegen sich gröbere und feine Anteile oft unterschiedlich schnell und weit. Das feinere tonartige Sediment kann zudem schon durch geringe Erschütterungen oder die Meeresströmung den Hang hinabgleiten, während gröbere Gerölle mehr Kraft benötigen und daher nur sporadisch abrutschen. Im Laufe der Zeit entstand dadurch am Fuß der submarinen Hänge eine Formation, in der gröbere und feinere Schichten vorkommen. Auch urzeitliche Strömungsmarken lassen sich im Gestein oft noch erkennen.

Vorkommen in Mittelgebirgen und am Alpenrand

Die Grauwacke findet sich deswegen vor allem dort, wo einst Gebirge in Meeresnähe aufgefaltet wurden. Dies schob Sedimente auf die Schelfgebiete, wo sie dann als turbulente Trübeströme (Turbitite) die Unterseehänge hinabstürzten. Bei uns in Mitteleuropa ist dies entlang der Mittelgebirge der Fall, die während der variszischen Faltung vor rund 400 bis 280 Millionen Jahren gebildet wurden. Grauwacke findet man daher unter anderem im Harz, im Sauerland, im Rheinischen und Thüringischen Schiefergebirge oder dem Frankenwald.

Auch in den Alpen gibt es Grauwacke, die aber deutlich später bei der alpidischen Gebirgsbildung vor rund 130 bis 65 Millionen Jahren entstand. Damals lösten sich vor allem am steilen Nordrand der Ostalpen viele Trübströme, an deren Fuß sich die Grauwacke bildete.

Quelle: GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung

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