Akustische Signale helfen bei der Suche nach geeignetem Lebensraum Geräusche leiten Krebslarven zum schützenden Riff - scinexx | Das Wissensmagazin
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Akustische Signale helfen bei der Suche nach geeignetem Lebensraum

Geräusche leiten Krebslarven zum schützenden Riff

Auf der Suche nach einem optimalen Lebensraum orientieren sich Krebslarven auch akustisch: Unterwassergeräusche verraten ihnen, wo sie ein Riff oder einen felsigen Hang mit vielen schützenden Korallen, Algen oder Steinen finden – und auch, wo möglichst wenig Raubfische vorkommen. Das hat ein neuseeländisches Forscherteam bei Experimenten im Labor und vor der Küste Australiens und Neuseelands festgestellt. Die Ergebnisse seien der ersten Beleg dafür, dass Krebslarven anhand der Geräuschkulisse auswählen, wo sie sich niederlassen. Der Unterwasserschall helfe den Krebslarven nicht nur bei der Orientierung, er transportiere auch wertvolle Informationen über die Qualität und den Typ des vor ihnen liegenden Habitats, berichten die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“.

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Die Geräuschkulisse eines Korallenriffs klinge ganz anders als die eines eher eintönigen Sandbodens: Im artenreichen Riff höre man unter anderem das Schnappen von Krabben, Seeanemonen oder Fischen, erklären Jenni Stanley von der University of Auckland und ihre Kollegen. Auch der kleinteilige Untergrund mit vielen Nischen und Vorsprüngen erzeuge eine ganz eigene Lautsignatur. Der Schall könne auch verraten, ob sich viele Fische – und damit potenzielle Fressfeinde – in einem Gebiet aufhalten. Denn wie man wisse, lägen die Fischlaute in einem eher niedrigen Frequenzbereich. Sie seien damit von den eher hochfrequenten Geräuschen des restlichen Riffs gut zu unterscheiden.

„Die Larven vieler riffbewohnender Tierarten nutzen ein ganzes Arsenal von Sinnesreizen um ein geeignetes Habitat zu finden“, sagen die Forscher. Vor allem visuelle und chemische Signale – wie beispielsweise der Geruch von bereits angesiedelten Artgenossen – spielten dabei eine große Rolle. Diese Reize seien aber nur in nächster Nähe gut wahrnehmbar. Schall dagegen werde im Wasser über große Entfernungen transportiert. In ihren Experimenten belegen die Forscher nun, dass Krebslarven diese akustischen Signale tatsächlich als Orientierung nutzen. Auch andere Riffbewohner, so vermuten sie, könnten auf diese Weise zu ihrem Lebensraum finden.

Unterwasseraufnahmen simulieren natürliche Geräuschkulisse

In ihren Experimenten setzten die Forscher Schwimmlarven von sechs verschiedenen Krebsarten – drei aus dem tropischen Pazifik, drei aus dem kühleren Meer vor Nord-Neuseeland – einzeln in Behälter mit gefiltertem Meerwasser. Alle waren den gleichen chemischen und optischen Bedingungen ausgesetzt. Von außen wurden die Behälter mit jeweils unterschiedlichen Unterwasseraufnahmen beschallt. Diese waren zuvor an einem Korallenriff, einem nur vereinzelt mit Steinen oder Muscheln bedeckten Bodenstück und einem sandigen Meeresboden aufgenommen worden.

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Die Forscher beobachteten, unter welcher Beschallung sich die Schwimmlarven zuerst am Boden ihrer Behälter niederließen und mit der Häutung zum bodenlebenden Jungkrebs begannen. Bei allen Arten sei dies zuerst bei den Krebslarven erfolgt, die mit den Riffgeräuschen beschallt worden waren, berichten die Wissenschaftler. Entscheidendes Erkennungsmerkmal sei dabei die Frequenz und die zeitliche Abfolge der Geräusche. Die Lautstärke der Aufnahmen habe dagegen keine große Rolle gespielt.

Larve fällt Entscheidung fürs Leben

Als Erwachsene leben Krebse meist auf dem Meeresboden, sie bewegen sich vorwiegend krabbelnd fort. Ihre Larven jedoch sind gute Langstreckenschwimmer: Sie sind daran angepasst, sich über große Strecken hinweg zu verbreiten und neue Lebensräume zu erreichen. „Die Periode am Ende dieser Larvenphase, wenn die Krebslarve ein Habitat am Meeresboden auswählt und sich darin niederlässt, ist für ihr gesamtes weiteres Leben entscheidend“, betonen die Forscher. Denn sie müsse einen Lebensraum finden, in dem sie als Erwachsene ausreichend Nahrung, aber auch möglichst guten Schutz vor Fressfeinden finde. (doi:10.1098/rspb.2012.0697)

(Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 06.06.2012 – NPO)

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