Schwerkraftmessungen entlarven Dinokiller GEOTECHNOLOGIEN im Alltag - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schwerkraftmessungen entlarven Dinokiller

GEOTECHNOLOGIEN im Alltag

Schwerkraftbild des Chicxulub-Kraters in Yucatan © NASA/LPI

Dinosaurier sind ausgestorben – soviel weiß heute jedes Kind. Und dass es höchstwahrscheinlich ein gewaltiger Meteoriteneinschlag war, der den Untergang der Riesenechsen besiegelt, gehört inzwischen auch fast schon zum Alltagswissen. Als wahrscheinlichster Kandidat für die Rolle des „Dinokillers“ gilt heute ein Meteorit, der vor der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatan einschlug – Chicxulub – der „Schwanz des Teufels“.

„Täter“ gesucht

Doch die Identifikation dieses „Schuldigen“ war alles andere als einfach und letztlich erst durch moderne geowissenschaftliche Erkundungstechnik möglich. Lange Zeit hatten sich Wissenschaftler aus aller Welt die Köpfe darüber zerbrochen, was das relativ plötzliche Massensterben der Riesenechsen vor rund 65 Millionen Jahren verursacht haben könnte, ihre Hypothesen reichten von dramatischen Vulkanausbrüchen bis hin zu einer Supernova in Erdnähe.

Dann entdeckte der Geologe Walter Alvarez im Jahr 1978 eine Iridium-haltige Tonschicht in den Kalkformationen nahe der italienischen Stadt Gubbio. Das Iridium ist auf der Erde so selten, dass die hohen Konzentrationen außerirdischen Ursprungs sein mussten. Vier Wissenschaftler der University of California zogen daraufhin den naheliegenden Schluss und wiesen einem Meteoriten von mindestens zehn Kilometern Größe die Rolle des „Übeltäters“ zu.

Hilfe aus der Umlaufbahn

Die fieberhafte Suche nach dem Einschlagskrater begann – und damit auch die Probleme. Denn im Gegensatz zum Mond, bei dem wegen der fehlenden Atmosphäre keine Erosion der Oberfläche auftritt, sind auf der Erde alte Meteoritenkrater nur selten erhalten. Meist sind sie entweder so stark abgetragen, dass an der Oberfläche keine Spuren bleiben, oder aber die Kraterumrisse sind durch nachträgliche Verformungen des Untergrunds „getarnt“. Insbesondere große Krater sind daher in der Landschaft kaum zu erkennen.

Tischartige Basaltbrocken, wie hier der Landeshäuser Stein, regten die Bewohner der Gegend zu verschiedenen Sagen an. © UuMUfQ/ CC-by-sa 3.0

Doch die moderne Technik hilft hier weiter: Zahlreiche Satelliten in der Erdumlaufbahn bilden nicht nur die Erdoberfläche ab oder beobachten das Wetter, sondern blicken auch weiter in die Tiefe. Sie messen winzige Änderungen in der Schwerkraft und dem Magnetfeld der Erde, wie sie beispielsweise durch besonders stark verdichtetes Gestein oder Metallvorkommen erzeugt werden. Auch der Einschlag eines Meteoriten von mehreren Kilometern Größe komprimiert und verändert den Untergrund so stark, dass bleibende Schwerkraftanomalien auftreten können.

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Und genau diese verräterische Anzeichen entdeckte man in den 1990er Jahren schließlich vor der Halbinsel Yucatan: Für menschliche Augen unsichtbar verbarg sich hier unter dem Gestein ein gewaltiger, aus drei Ringen zusammengesetzter Einschlagskrater. Datierungen zeigten schnell, dass das Alter des Kraters – 65 Millionen Jahre – mit dem des Massensterbens am Ende der Kreidezeit übereinstimmte – der „Dinokiller“ war gefunden.

Und was hat das mit GEOTECHNOLOGIEN zu tun?

Eine ganze Menge: Denn im Rahmen des Programms GEOTECHNOLOGIEN werden unter anderem Satellitenmissionen wie GRACE und CHAMP gefördert und sie sind wichtige Werkzeuge zur Messung des Erdschwerefelds und des Magnetfelds. Mit ihrer Hilfe können nicht nur Anomalien wie beispielsweise bei großen Meteoritenkratern entdeckt werden, sie tragen auch dazu bei, das Wissen über andere Schwerkraft-verändernde Prozesse wie beispielsweise die Dynamik der Weltozeane zu erweitern.

(NASA, GFZ Potsdam, GEOTECHNOLOGIEN, 23.08.2004 – NPO)

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