Fortpflanzungs- und erbgutschädigendes Dibutylphthalat nachgewiesen Gefährliche Weichmacher in Medikamenten? - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Fortpflanzungs- und erbgutschädigendes Dibutylphthalat nachgewiesen

Gefährliche Weichmacher in Medikamenten?

Viele Medikamente, die in Deutschland auf dem Markt sind, enthalten fortpflanzungsschädigende Chemikalien. Dies hat gestern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit Verweis auf Untersuchungen von Ökotest und des ARD-Magazins Plusminus mitgeteilt.

{1l}

Ökotest fand in 52 von 67 rezeptpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten den Weichmacher Dibutylphthalat (DBP). Diese Chemikalie wurde von der EU als fortpflanzungs- und erbgutschädigend eingestuft und bereits in Spielzeug- und Babyartikeln sowie in Kosmetika verboten. In den Hüllen von Medikamenten darf DBP weiter verwendet werden. Studien belegen aber eine hormonelle Wirksamkeit von DBP. Das Fernsehmagazin Plusminus stellte eine bis zu 63-fache Überschreitung der EU-Grenzwerte für DBP bei der Einnahme von pflanzlichen Erkältungsmitteln fest.

„Besonders schockierend ist, dass Medikamente die DBP enthalten auch für Schwangere empfohlen werden, neben Erkältungsmitteln zum Beispiel Eisenpräparate. Gerade für die Föten kann dies schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben“, so BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm. „Doch diese Ergebnisse sind nur die Spitze des Eisberges unserer täglichen Belastung durch gefährliche Chemikalien, die in Produkten vom Computer bis zum Regenmantel enthalten sind. Der Gesetzgeber muss hier endlich tätig werden und dafür sorgen, dass diese Chemikalien endlich vom Markt verschwinden.“, so Timm weiter.

Bund fordert strengere EU-Chemikaliengesetzgebung

Erforderlich sei eine strenge europäische Chemikaliengesetzgebung. Da ab Juli die zweite Lesung der neuen Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) anstehe, versuche die Chemieindustrie derzeit vehement, den vorliegenden Gesetzesentwurf zu verwässern. Unter anderem wolle sie erreichen, dass hormonell wirksame Chemikalien weiter vermarktet werden dürften.

Anzeige

Die Bundesregierung müsse sich von ihrem bisherigen industriefreundlichen Kurs verabschieden und sich für eine striktere, die Gesundheit schützende Chemikaliengesetzgebung einsetzen. Diese müsse den verbindlichen Ersatz von gefährlichen Chemikalien durch vorhandene ungefährliche Alternativen festschreiben. Auch für DBP – das in Kapselhüllen von Medikamenten eingesetzt wird, damit sich die Inhaltsstoffe des Medikaments nicht im Magen sondern erst im Dünndarm auflösen – gäbe es bereits Alternativen.

(BUND, 07.03.2006 – DLO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

Dossiers zum Thema

DNA - Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern

Die Macht der Hormone - Alleskönner, Jungbrunnen und Liebestrank?

Arzneimittelforschung - Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen

Umweltgifte - Neue Gefahr für die Gesundheit des Menschen?

News des Tages

Marswind

So klingt Wind auf dem Mars

Wie die Chemotherapie dem Gehirn schadet

Weltweit erstes "Einmal"-Programm

Bioplastik: Von wegen klimafreundlich

Spanien: Einige Flüsse sind salziger als das Meer

Bücher zum Thema

Was hab ich bloß? - Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens

Mensch, Körper, Krankheit - von Renate Huch und Christian Bauer

Bittere Pillen - Nutzen und Risiken der Arzneimittel

Die neue Welt der Gene - Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige