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Frauenfigur aus der Eiszeit entdeckt

15.000 Jahre altes Kunstwerk aus Waldstetten ist Frauenkörper und Phallus zugleich

Eiszeit-Kunst
Die circa 15.000 Jahre alte Frauenfigur wurde in Waldstetten gefunden und kann auch als Phallus interpretiert werden. © Simon Fröhle

Eiszeitliches Kunstwerk: Archäologen haben in Baden-Württemberg eine 15.000 Jahre alte Frauenfigur entdeckt. Die Plastik aus Quarzit ähnelt anderen aus der Eiszeit bekannten Kunstwerken und weist mehrere umlaufende Gravierungen auf. Die Darstellung ist dabei zweideutig: Neben einem stark vereinfachten Frauenkörper ohne Kopf lässt sich auch ein männliches Geschlechtsteil darin erkennen.

Schon unsere steinzeitlichen Vorfahren drückten sich mithilfe der Kunst aus. Davon zeugen Höhlen- und Felsmalereien, aber auch in dieser Zeit entstandene Plastiken. So stellten Künstler vor Zehntausenden von Jahren bereits Figuren von Tieren und sogar Menschen her. Als eines der ältesten Beispiele eines solchen Werks gilt die sogenannte Venus vom Hohle Fels – eine 35.000 Jahre alte Elfenbeinplastik, die Archäologen auf der Schwäbischen Alb entdeckt haben.

Stark stilisierte Darstellung

Deutlich jünger, aber nicht weniger spannend ist der Fund, von dem nun Harald Floss von der Universität Tübingen und seine Kollegen berichten: eine Frauenfigur aus Quarzitgeröll. Das knapp sechs Zentimeter große Fundstück stammt aus der Gemeinde Waldstetten im Ostalbkreis und ist rund 15.000 Jahre alt.

Der Form nach entspricht die Plastik den Frauenfiguren vom sogenannten Typ Gönnersdorf, die nach einer Fundstelle am Mittelrhein benannt sind. Typisch für Plastiken dieser Art ist die starke Stilisierung: Von der natürlichen Form des Ausgangsmaterials inspiriert, machen hier nur wenige eingravierte Linien aus einem typisch geformten Stein ein Kunstwerk. Die Darstellung reicht dabei von anatomisch annähernd vollständigen Darstellungen bis hin zu Figuren, die nur aus Rumpf und Gesäß bestehen.

Oberkörper oder Phallus?

Im Fall der nun gefundenen Figur handelt es sich um einen Oberkörper ohne Kopf, wie die Archäologen erklären. Die Plastik stellt demnach einen dominanten Mittelteil mit Gesäß und einen verkürzten Unterkörper im Profil dar. Doch das ist nicht die einzige Interpretationsmöglichkeit: Die Figur kann gleichzeitig als männliches Geschlechtsteil gesehen werden – es handelt sich um eine zweigeschlechtliche Darstellung.

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„Diese Art der Abstrahierung zeichnet die Kunst am Ende der Eiszeit aus. Unser Typ Frauenfigur hat wenig mit den üppigen sogenannten Venusfiguren aus der früheren Epoche des Gravettien gemein“, betont Floss. Vereinfachte Darstellungen von Frauenkörpern aus der Eiszeit fänden sich von den Pyrenäen bis nach Osteuropa und seien auch aus Süddeutschland bekannt.

„Die Figur von Waldstetten ist als ein solches Kunstwerk einzuordnen. Dafür sprechen die absolut typische Form, die Lage des Fundes und mehrere umlaufende Gravierungen, die von Menschen angebracht wurden“, sagt der Forscher.

Zweites Eiszeit-Kunstwerk der Region

Um mehr über dieses von unseren Vorfahren kreierte Kunstwerk zu erfahren, soll der Fund nun genauer untersucht werden. Außerdem planen die Archäologen, ihre Forschungen in der Region zu intensivieren. Bisher ist die 15.000 Jahre alte Frauenfigur erst der zweite Fund eines Eiszeitkunstwerks aus dem Ostalbkreis – nach der Skulptur einer Dasselfliegenlarve aus Gagat.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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