Forscher finden Primatenfossilien mit den ältesten bekannten Fingernägeln Fingernägel gibt es schon seit 55 Millionen Jahren - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher finden Primatenfossilien mit den ältesten bekannten Fingernägeln

Fingernägel gibt es schon seit 55 Millionen Jahren

Typisch für heutige Primaten: Fingernägel © gemeinfrei

Schon vor 55 Millionen Jahren entwickelten unsere Vorfahren ein bis heute typisches Merkmal aller Primaten: die Fingernägel. Den bisher ältesten Beleg dafür haben Forscher im Bighorn Basin im US-Bundesstaat Wyoming entdeckt. Sie stießen dort auf 25 neue Fossilien des frühen Primaten Teilhardina brandti. Bisher nur über Funde einzelner Zähne bekannt, seien nun erstmals auch Fußknochen und Füße dieses Tieres gefunden worden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“.

Die im Bighorn Basin gefundenen Fossilien sind rund 55,8 Millionen Jahre alt. Nach Angaben des internationalen Forscherteams ist die Art Teilhardina brandti damit der älteste Vertreter der Euprimaten – der Primaten im engeren Sinne – in Nordamerika. Die reichhaltigen Funde ermöglichen den Forschern nun erstmals, die Merkmale und Herkunft dieser ersten „Amerikaner“ unter den Primaten genauer zu bestimmen.

Fingernägel halfen beim Leben auf den Bäumen

Die Form der Knöchel zeigt, dass der weniger als 15 Zentimeter große Urprimat vorwiegend auf Bäumen lebte. Die gut erhaltenen Zehen belegen aber auch, dass der Primat keine Krallen oder Klauen mehr besaß wie noch seine Vorfahren, sondern bereits winzige Fingernägel. „Sie sind die kleinsten bekannten echten Nägel sowohl unter fossilen als auch unter den lebenden Tieren“, sagt Ken Rose, Erstautor der Studie von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore. Das widerlege Theorien, nach denen die Primaten erst dann Fingernägel entwickelten, als ihre Körpergröße zunahm.

Gängiger Annahme nach bildeten sich gemeinsam mit den Nägeln auch die Fingerkuppen und mit ihnen die feinen Sinnesorgane an den Spitzen der Finger und Zehen. Sie könnten den Urprimaten dabei geholfen haben, Äste sicherer zu greifen und sich so geschickter und schneller durch die Baumwipfel zu bewegen, sagen die Forscher.

Primatenschub in der Warmzeit

Die neuen Fossilfunde geben auch einen wichtigen Einblick in eine entscheidende Zeit der Erdgeschichte. Vor 55,8 Millionen Jahren begann eine Phase extremer Klimaerwärmung. Innerhalb von nur 20.000 Jahren stiegen die globalen Temperaturen damals um 6 Grad Celsius. Dieser abrupte Klimawandel bedeutete für viele Tierarten das Aus. Die Säugetiere aber profitierten davon und entwickelten innerhalb kurzer Zeit zahlreiche neue Arten und Formen.

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So tauchten auch die ersten Primaten in Nordamerika in dieser Zeit auf. Bisher nahm man an, dass diese Tiergruppe aus Asien über die Beringstraße nach Nordamerika einwanderte. Doch die Analyse der fossilen Knochen aus dem Bighorn Basin zeige etwas anderes, sagen die Forscher. Es gebe deutlich mehr Ähnlichkeiten zu einer in Europa gefundenen Primatenart. Ihrer Ansicht nach muss diese Tiergruppe daher von Europa aus über den hohen Norden nach Nordamerika eingewandert sein.

Das warme Klima habe vermutlich dazu geführt, dass die Primaten, aber auch viele andere Säuger dieser Zeit so klein blieben. Die ersten Pferde waren damals kaum katzengroß: Bis zur Schulter maßen sie gerade einmal 20 Zentimeter. (American Journal of Physical Anthropology, 2011; DOI: 10.1002/ajpa.21579)

(University of Florida, 17.08.2011 – NPO)

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