Anzahl extrem regenreicher Sturmtiefs könnte sich künftig verdreifachen Europa: Starke Stürme werden häufiger - scinexx | Das Wissensmagazin
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Anzahl extrem regenreicher Sturmtiefs könnte sich künftig verdreifachen

Europa: Starke Stürme werden häufiger

Das Orkantief Friederike richtete i Januar 2018 schwere Schäden in Europa an. Solche Extrem-Stürme könnten deutlich häufiger werden. © NASA

Europa steht eine stürmische Zukunft bevor: Bis Ende des Jahrhunderts werden regenreiche, starke Winterstürme mehr als dreimal häufiger vorkommen als heute, so die Prognose von Klimaforschern. Demnach werden Stürme insgesamt zwar etwas seltener, aber ausgerechnet die extremsten Sturmtiefs nehmen zu. Für Deutschland und Mitteleuropa steigt damit auch das Risiko für winterliche Hochwasser-Katastrophen.

Der Klimawandel heizt nicht nur die Erdatmosphäre auf, er bringt auch Veränderungen der großen Windströmungen und damit der Stürme mit sich. Studien belegen, dass schon jetzt die Zahl der starken Hurrikans im Atlantik zunimmt, auch „Super-Taifune“ im Pazifik werden häufiger. Ursache dafür ist die Fähigkeit warmer Luft, mehr Feuchtigkeit zu speichern – und diese ist eine der Triebkräfte regenreicher Stürme.

Sturmtiefs im Visier

Doch wie sieht es mit der Sturmprognose für Europa aus? Die Sturmtiefs, die über unseren Kontinent hinwegziehen, haben ihren Ursprung typischerweise über dem Atlantik. Regionale Bedingungen und die sich verändernden Windströmungen bestimmen dann, wie viel Regen diese Stürme dort „tanken“ und welche Zugbahn sie von Westen kommend über Europa nehmen. Ihr zukünftiges Verhalten vorherzusagen ist daher nicht einfach.

Dieser Herausforderung haben sich nun Matt Hawcroft von der University of Exeter und sein Team gestellt. Mithilfe eines speziellen Algorithmus suchten sie in mehreren Klimamodellen nach den Gesetzmäßigkeiten und Faktoren, die die Intensität und Zugbahn der europäischen Stürme bestimmen. Auf dieser Basis entwickelten sie dann ein Prognosemodell, mit dem sie zunächst die gegenwärtige, dann auch die zukünftige Sturmsituation simulierten.

Umgestürzte Bäume auf dem Berlinder Kurfürstendamm nach Sturm Xavier im Oktober 2017 © Spielvogel/ CC-by-sa 3.0

Dreifache Anzahl von Extrem-Stürmen

Das Ergebnis: Geht der Klimawandel so weiter, werden zukünftig weniger Zyklone über Europa hinwegziehen – soweit die gute Nachricht. Die schlechte aber ist, dass die verbleibenden Stürme besonders stark und regenreicher ausfallen werden als jetzt. „Die Häufigkeit der besonders zerstörerischen extremen Sturmtiefs steigt deutlich an“, berichten Hawcroft und seine Kollegen. Sowohl im Sommer als auch im Winter wird Europa demnach mehr regenreiche, starke Stürme erleben.

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Konkret ermittelten die Forscher, dass wir bis Ende des Jahrhunderts mit einer dreifachen Anzahl der extremsten Stürme rechnen müssen. Im Winter wird die Häufigkeit solcher Starkstürme demnach auf 320 Prozent steigen, im Sommer sogar auf 390 Prozent des heutigen Werts. „Das große Ausmaß dieser Veränderungen ist bemerkenswert und für alle Regionen konsistent“, berichten die Wissenschaftler.

Warme Luft bringt mehr Feuchtigkeit

Ursache dieser Intensivierung der Stürme ist die Erwärmung der Luft in der Umgebung der Sturmtiefs, wie Hawcroft und sein Team erklären. Weil sich die bodennahen Luftschichten rund um die Zyklone erwärmen, nehmen sie mehr Feuchtigkeit auf. Als Folge werden die Sturmtiefs – ähnlich wie die tropischen Wirbelstürme – stärker und regenreicher.

Zunahme von Starkregen durch Stürme in Europa bis 2100 © Hawcroft et al. / Env. Res. Letters, CC-by-sa 3.0

„In Nordamerika und Westeuropa wird dadurch die Niederschlagsmenge solcher extremen Zyklone im Dezember, Januar und Februar um bis zu 200 Prozent zunehmen“, berichten die Forscher. Für die Sommerstürme seien die Prognosen etwas weniger eindeutig. In jedem Fall aber bedeutet dies, dass sich Europa auf mehr regenreiche Winterstürme einstellen muss – und damit auch auf drohende Überschwemmungen. Diese Ergebnisse bestätigen damit den schon jetzt messbaren Trend zu immer häufigeren „Jahrhundert-Hochwassern“ und nasseren Wintern bei uns in Mitteleuropa.

Risiko für Überschwemmungen steigt

„Angesichts der Tatsache, dass regenreiche extratropische Zyklone für viele schwere Hochwasser-Ereignisse verantwortlich sind und große wirtschaftliche Schäden verursachen, könnten die Veränderungen im Verhalten dieser Sturmtiefs bedeutende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben“, konstatieren Hawcroft und seine Kollegen. Ob wir eine solche stürmische Zukunft für Europa noch abwenden können und wollen, wird sich unter anderem bei der nächste Woche beginnenden Weltklimakonferenz in Polen zeigen. (Environmental Research Letters, 2018; doi: 10.1088/1748-9326/aaed59)

(University of Exeter, 28.11.2018 – NPO)

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