Extreme Hitzetage sind in Mitteleuropa seit 1950 um fünf Grad heißer geworden Europa: Klimaextreme überholen Prognosen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Europa: Klimaextreme überholen Prognosen

Extreme Hitzetage sind in Mitteleuropa seit 1950 um fünf Grad heißer geworden

Hitzewelle Juli 2019
Europa während der Hitzewelle Ende Juli 2019. Tage mit extremer Hitze sind vor allem in Mitteleuropa häufiger und heißer geworden. © European Space Agency

Klares Signal: In Europa hat sich die Zahl der sommerlichen Hitzetage seit 1950 verdreifacht. Gleichzeitig sind diese Hitzeextreme um mehr als zwei Grad heißer geworden, wie nun eine Studie belegt. Besonders deutlich ist dieser Trend in Mitteleuropa: Bei uns sind die Hitzetage stellenweise sogar um fünf Grad heißer geworden – das ist mehr als die meisten Klimamodelle vorhersagen, wie die Forscher berichten.

Weltweit steigen durch den Klimawandel nicht nur die mittleren Temperaturen, auch die Hitzeextreme verschärfen sich. So wurden im Sommer 2018, aber auch in diesem Jahr in Deutschland zahlreiche neue Temperaturrekorde erreicht. Prognosen zufolge könnten in Zukunft solche „Jahrhundertsommer“ in vielen Regionen zur Regel werden. Im Extremfall wären sogar drei Viertel der Weltbevölkerung regelmäßig potenziell lebensbedrohliche Hitzewellen ausgesetzt.

Fast 70 Jahre und 4.000 Wetterstationen

Doch wie sieht es mit den Hitzeextremem in Europa aus? Klar ist zwar, dass eine höhere Mitteltemperatur auch zu heißeren Sommertagen führt. Die große Frage ist jedoch, ob Tage mit „Ausreißer-Temperaturen“ möglicherweise mehr zugenommen haben, als es der natürlichen Schwankungsbreite der Temperaturen entspricht. Genau dies haben nun Ruth Lorenz und ihre Kollegen von der ETH Zürich untersucht.

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten von rund 4.000 Wetterstationen in Europa aus der Zeit von 1950 bis Ende 2018 aus. Auf dieser Basis analysierten sie, wie oft die zum heißesten ein Prozent gehörenden Tage vorkamen und die entsprechend kältesten Tage. Außerdem ermittelten sie die Maximaltemperaturen dieser Hitze- oder Kältetage und deren Veränderung in Relation zu den sommerlichen Mitteltemperaturen.

Dreimal so viele extreme Hitzetage

Das Ergebnis: Seit 1950 hat sich die Zahl der extremen Hitzetage in Europa verdreifacht. Gab es damals im Schnitt nur rund zwei solcher Extremtage im Jahr, sind es heute bereits sechs. Die stärkste Zunahme der sommerlichen Hitzeextreme hat sich dabei in der Zeitperiode seit 1996 ereignet, wie die Forscher berichten. Diesen Trend fanden sie nicht nur bei den Tagestemperaturen, sondern sogar noch ausgeprägter für außergewöhnlich heiße Nächte.

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Im Gegensatz dazu sind die Kälteextreme stark zurückgegangen. „Sie haben um das Zwei- bis Dreifache abgenommen“, berichten Lorenz und ihr Team. Gab es 1950 in den Wintern noch rund fünf extreme Kältetage, sind es heute im Schnitt nur noch zwei. „In den letzten drei Jahrzehnten hat es in ganz Europa keinen einzigen Winter mit anomal vielen kalten Nächten gegeben“, so die Forscher.

Hitzetage Europa
Veränderungen der Tagesmaximum-Temperaturen (TXx) und Minimumtemperaturen (TNm) in Mitteleuropa (CEU), Nordeuropa (NEU) und dem Mittelmeerraum (MED) © Lorenz et al., Geophysical Research Letters/ AGU

Fünf Grad mehr in Mitteleuropa

Doch die Hitzetage sind nicht nur mehr geworden – sie werden auch immer heißer: Im Schnitt hat die Maximaltemperatur solcher Extremtage in Europa um 0,33 Grad pro Dekade zugenommen. Seit 1950 addiert sich dies zu insgesamt 2,3 Grad mehr, wie die Wissenschaftler berichten. In vielen Regionen Europas sind damit die Spitzentemperaturen der heißesten Tage deutlich stärker angestiegen als die sommerlichen Mitteltemperaturen. „Diese Trends sind damit weit stärker als wir allein aufgrund der natürlichen Klimavariabilität erwarten würden“, sagt Lorenz. „Das ist wirklich ein Signal des Klimawandels.“

Am stärksten betroffen ist Mitteleuropa: Hier haben sich die extremen Hitzetage stellenweise sogar um 0,8 Grad pro Jahrzehnt erwärmt. „Das sind über die gesamte Zeitperiode hinweg mehr als fünf Grad“, so die Forscher. Auf ähnliche Weise haben sich auch längere Hitzeperioden von drei bis sieben Tagen Dauer intensiviert. Insgesamt haben sich die Hitzeextreme in Mitteleuropa damit um rund 50 Prozent stärker erwärmt als das sommerliche Mittel. In Nordeuropa und am Mittelmeer hat sich dagegen nur wenig verändert.

Von Klimamodellen unterschätzt

Dieser Effekt des Klimawandels auf die Hitzeextreme übertrifft die Voraussagen vieler regionaler Klimamodelle, wie die Forscher im Rahmen ihrer Studie feststellten. „Der beobachtete Trend übertrifft den simulierten bei fast 75 Prozent der Modelle“, berichten sie. „Die Mehrheit der Modelle neigt dazu, die Intensivierung der Hitzeextreme zu unterschätzen und die Erwärmung der Kälteextreme zu überschätzen.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist damit klar, dass sich der Klimawandel in Europa auch in einer Zunahme der Hitzeextreme manifestiert. Sommerliche Hitzeextreme sind daher nicht nur rein zufällig inzwischen heißer als früher – es ist eine Folge der globalen Erwärmung. (Geophysical Research Letters, 2019; doi: 10.1029/2019GL082062)

Quelle: American Geophysical Union

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