Hoher Salzgehalt und/oder steter Nachschub hält subglaziale Gewässer flüssig Erste Seen unter Grönlands Eis entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hoher Salzgehalt und/oder steter Nachschub hält subglaziale Gewässer flüssig

Erste Seen unter Grönlands Eis entdeckt

Lange haben Forscher vergeblich nach Seen unter dem Eispanzer Grönlands gesucht, jetzt haben sie endlich welche entdeckt: Britische Wissenschaftler haben mittels Radar zwei kleine Gewässer unter dem Eis aufgespürt. Sie unterscheiden sich deutlich von ihren Pendants am entgegengesetzten Ende der Erde. So könnten sie sehr viel salziger sein als das Meer, wie die Forscher im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“ berichten.

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Unter dem dicken Eis der Polargebiete verbergen sich noch immer Überraschungen: Erst im August dieses Jahres verkündeten Forscher die Entdeckung eines gigantischen Canyons unter Grönlands Gletschern. Im Oktober zeigten Forscher, dass das antarktische Schelfeis mit hunderte Meter hohen Rinnen untertunnelt ist. Im November schließlich publizierten Forscher eine Studie zu bisher unbekannten Vulkanen unter dem Eispanzer der Antarktis.

In der Antarktis wurde auch bereits 1970 der erste See unter dem Eis entdeckt und inzwischen sind fast 400 solcher subglazialer Gewässer bekannt Der größte von ihnen, der Vostok-See, bringt es auf eine Fläche von 12.500 Quadratkilometern. Doch am entgegengesetzten Ende der Welt, in Grönland, fahndeten die Forscher bisher vergeblich danach. Ein Erklärungsversuch dafür lautete, dass das Wasser im Norden schneller in Richtung des Eisrandes abfließe.

Andere Voraussetzungen

Angesichts dieser spektakulären Funde scheint die Entdeckung zweier kleiner subglazialer Seen keine große Sache zu sein. Doch tatsächlich sind die Wasserreservoire, die ein Team um Steven Palmer von der University of Cambridge 800 Meter tief unter einem grönländischen Gletscher aufspürte, die ersten ihrer Art.

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Die zwei Seen, die die britischen Forscher durch Radarmessungen vom Flugzeug aus aufspürten, sind mit einer Fläche von acht respektive zehn Quadratkilometern vergleichsweise klein – auch wenn die Messergebnisse nahelegen, dass zumindest einer der beiden einst dreifach so groß war. Der Eispanzer, unter dem sie liegen, ist rund 800 Meter dick. Auch hier liefern die antarktischen Seen beeindruckendere Zahlen. Der Vostok-See etwa liegt in 3,7 Kilometern Tiefe.

Tatsächlich sind die Voraussetzungen für die Entstehung von Seen in Grönland anders als in der Antarktis. Im Norden steigen die Temperaturen im Sommer gelegentlich über null Grad, während das Thermometer im Süden nicht über den Gefrierpunkt klettert. Daher sammelt sich auf Grönlands Gletschern mehr Schmelzwasser. Im Gegenzug ist die Antarktis von einer dickeren Eisschicht überzogen. Sie fungiert als Dämmung und sorgt dafür, dass die Temperaturen an der Sohle des Gletschers nur knapp unter null liegen. Die Temperatur am Grunde der grönländischen Seen hingegen schätzen Palmer und Kollegen auf -8 Grad Celsius.

Hoher Salzgehalt oder steter Nachschub?

Warum gefriert das Wasser im See bei solch niedrigen Temperaturen nicht einfach? Dafür gebe es zwei mögliche Erklärungen, schreiben die Forscher. Erstens: Bei den Seen handelt es sich um geschlossene Systeme, in denen sich einst Sole sammelte. Damit sie trotz der Kälte flüssig bleibt, müsste ihr Salzgehalt etwa drei Mal so hoch sein wie der des Meerwassers. Die zweite – und wahrscheinlichere – Erklärung: Die Seen sind Teil eines offenen Systems und werden regelmäßig mit Schmelzwasser von der Oberfläche aufgefüllt, das durch Risse im Eis sickert.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in Grönland subglaziale Seen gibt, und dass sie ein wichtiger Bestandteil des Abwassersystems der Eisdecke sind“, sagt Palmer, der inzwischen an der University of Exeter arbeitet. „Die Bewegung des Wassers unter den Gletschern hat großen Einfluss darauf, wie schnell das Eis fließt. Verstehen wir diese Seen besser, können wir genauer vorhersagen, wie die Eisdecke auf die erwartete globale Erwärmung reagieren wird.“ (Geophysical Research Letters, 2013; doi: 10.1002/2013GL058383)

(University of Cambridge, 02.12.2013 – NSC)

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