Ozeane speichern höhere Temperaturen länger als gedacht Erderwärmung: Schon 1,5 Grad haben Folgen für Jahrhunderte - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ozeane speichern höhere Temperaturen länger als gedacht

Erderwärmung: Schon 1,5 Grad haben Folgen für Jahrhunderte

Auf dem Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún geht es um die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad. Doch schon ein globaler Temperaturanstieg von nur 1,5 Grad Celsius hätte schwerwiegende Folgen für Jahrhunderte. Denn die Ozeane speichern die höheren Temperaturen länger als bislang gedacht, weil der normale Wärmeaustausch gestört wird, fanden jetzt deutsche Wissenschaftler heraus.

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Wärme in tieferen Wasserschichten wird hierbei durch eine Abkühlung der obersten Wasserschichten gleichsam gefangen gehalten, heißt es in der Studie, die demnächst in der Fachzeitschrift „Earth System Dynamics“ erscheint. Selbst wenn es gelingen sollte, den Planeten wieder abzukühlen, indem man Kohlendioxid aus der Atmosphäre extrahiert, würde diese Abkühlung daher rund zehnmal länger dauern als zuvor das Aufheizen durch Treibhausgase, so die Berechnungen.

Folge wäre, dass der globale Meeresspiegel trotz der Abkühlung der Erdoberfläche den Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zufolge noch für weitere 200 Jahre ansteigt.

Supercomputer berechnen Szenarien

Beim UN-Klimagipfel wird darüber gestritten, ob und wie ein Klimawandel von mehr als zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter verhindert werden soll. Die bisher freiwillig abgegebenen Versprechen vieler Staaten, ihren Ausstoß von CO2 zu verringern, würden jedoch zu einem Temperaturanstieg von etwa drei bis vier Grad führen.

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Ein Jahr zuvor in Kopenhagen war auf Drängen vor allem kleiner Inselstaaten beschlossen worden, auch ein ambitioniertes Szenario der Emissionsreduktion mit einem Ziel von 1,5 Grad Erderwärmung prüfen zu lassen. Hierzu gibt es erst wenig Forschung. Die PIK-Wissenschaftler haben nun eine ganze Reihe von Szenarien mit Hochleistungsrechnern simuliert.

Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad möglich

„Die gute Nachricht ist, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf rund 1,5 Grad tatsächlich erreichbar ist, wenn die Emissionen ab dem Jahr 2015 sinken und ab 2070 sogar CO2 wieder aus der Atmosphäre herausgeholt wird“, erklärt Jacob Schewe.

Hierfür sei allerdings vermutlich ein massiver Ersatz fossiler Brennstoffe durch Biomasse in Verbindung mit dem Verpressen des CO2 im Boden nötig (CCS). Beides birgt Risiken. Die schlechte Nachricht aber ist laut Schewe: „Schon ein Temperaturanstieg von weniger als zwei Grad hätte weitreichende Folgen – wenn auch weniger tiefgreifende als bei einer noch stärkeren Erderwärmung.“

Meeresspiegel: 30 Zentimeter mehr bis 2250

So würde im 1,5-Grad-Szenario der allein durch die thermische Ausdehnung der Wassermassen verursachte Meeresspiegelanstieg im Jahr 2250 durchschnittlich rund 30 Zentimeter betragen. „Dies hätte bereits ernstzunehmende Folgen für viele Küstenregionen weltweit“, sagt Anders Levermann, Koautor und Professor für die Dynamik des Klimasystems.

„Stoßen wir einfach weiter wie bisher Treibhausgase aus, würde der Meeresspiegel selbst im Jahr 2500 nicht aufhören zu steigen, und nur allein durch die Ausdehnung des Meerwassers bekämen wir 200 Zentimeter globalen Anstieg.“

Hinzu kämen noch die Beiträge aus dem Schmelzen der Eiskappen. Auch bei den Monsunregen etwa in Asien rechnen die Forscher bereits bei 1,5 Grad globaler Erwärmung mit deutlichen Veränderungen. Dies alles ist bedeutsam für Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel, die auch in Cancún Thema sind.

Massive Temperatur-Veränderungen im Meer

Am weitesten gehen jedoch die Veränderungen der Temperaturen im Meer, wie die Simulation der PIK-Forscher zeigte. Beispielsweise im Nordatlantik könnte auch die Tiefsee aufgrund des nun entdeckten und über die üblichen Trägheiten hinausweisenden Mechanismus’ – Abkühlung an der Wasseroberfläche und hierdurch beeinträchtigter Wärmeaustausch der Ozeane – lange Zeit anormal erwärmt bleiben.

Dies würde möglicherweise die Ökosysteme des Meeres stören und die Eisschelfe der Antarktis könnten schmelzen. Lösen sich dann noch gefrorene Methanhydrate vom Meeresboden, brächte dies zusätzliche Treibhausgase in die Atmosphäre.

(Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 10.12.2010 – DLO)

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