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Entsteht im Indischen Ozean ein neuer Kontinent?

Forscher entdecken kontinentales Plutonit-Gestein unter dem Kerguelen Plateau

Kerguelen-Plateau
Im Kerguelen-Plateau im südlichen indischen Ozean könnten Geologen eine Art Kontinent-Embryo entdeckt haben. © National Geophysical Data Center

Im Indischen Ozean könnte sich die Geburt eines neuen Kontinents anbahnen. Denn unter dem Kerguelen Plateau im südlichen Indischen Ozean, mitten in der ozeanischen Kruste, haben Geologen eine Intrusion des granitischen Gesteins Syenit entdeckt – eines Gesteinstyps, der für kontinentale Kruste typisch ist. Dies könnte eine Theorie stützen, nach der neue Kontinentkruste auch inmitten vulkanischer Plateaus entsteht, wie die Forscher berichten.

Die feste Kruste der Erde gliedert sich in Platten von zwei sehr unterschiedlichen Gesteinstypen: Gebirge und Kontinente werden von der silikatreichen, aus granitischen Gesteinen bestehenden kontinentalen Kruste gebildet. Die dünneren ozeanischen Platten dagegen bestehen aus schwereren Basaltgesteinen. Sie gelten als die Urkruste unseres Planeten.

Wie entsteht Kontinentkruste?

Doch wie entstanden aus dieser Urkruste die ersten Kontinentalplatten? Gängiger Theorie nach geschah dies mit dem Beginn der Plattentektonik, als ozeanische Kruste an Subduktionszonen bis in den unteren Erdmantel gedrückt wurde. Dort schmolzen die Gesteine auf und stiegen in veränderter Form als sich langsam abkühlende Plutonite wieder an die Oberfläche. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Wurzeln der Gebirge eine Art „Kinderstube“ für die kontinentale Kruste sein könnten.

SRBIC
Diese Gesteinsformation auf der Rallier du Baty Halbinsel der Kerguelen enthält Syenit – ein eigentlich eher für Kontinente typisches felsisches Gestein. © Michel de Saint Blanquat

Doch es gibt noch ein zweites Szenario. Nach diesem können sich embryonische Kontinente auch inmitten bestimmter ozeanischer Krustenteile bilden. Als Kandidaten dafür gelten ozeanische Plateaus – Stellen in der ozeanischen Kruste, die durch den Aufstrom großer Magmamengen ungewöhnlich dick sind. Gleichzeitig sind sie auch in ihrer Mineralzusammensetzung der felsischen Kontinentkruste ähnlicher als normale Ozeankruste. Das lässt viele Geologen vermuten, dass diese Plateaus ebenfalls Kinderstuben für neue Kontinente sein können.

Fund auf dem Kerguelen-Plateau

Eine solche Geburtsstätte neuer Kontinentkruste könnten nun Léandre Ponthus von der Universität Toulouse und seine Kollegen aufgespürt haben – unter dem Kerguelen-Plateau im südlichen Indischen Ozean. Dieses Plateau liegt über einem vulkanischen Hotspot, der im Laufe der Erdgeschichte große Magmamengen förderte. Bei Analysen von Gesteinen im Südwesten des Kerguelen-Archipels stießen die Forscher auf den sogenannten South Rallier du Baty Intrusive Complex (SRBIC).

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Das Ungewöhnliche daran: Es handelt sich um eine von unten in die Platte eingedrungene aufgewölbte Intrusion, einen sogenannten Lakkolithen, der aus dem Gestein Syenit besteht. Das Besondere daran: Syenit ist ein felsisches Tiefengestein, das typischerweise zusammen mit Granit und anderen Gesteinen der Kontinentkruste auftritt.

Ist es ein Kontinent-Embryo?

Nach Ansicht von Ponthus und seinem Team könnte diese Syenit-Formation mitten in der Ozeankruste des Kerguelen-Plateaus eine Art Kontinent-„Embryo“ sein. „Unsere Ergebnisse etablieren starke Ähnlichkeiten zwischen dem SRBIC, dem bisher einzigen bekannten Beispiel für einen felsischen Lakkolithen in einer ozeanischen Platte, und vielen kontinentalen Plutonen“, konstatieren die Forscher. Als Pluton bezeichnet man größere Intrusionen von Tiefengestein in die Erdkruste.

„Der SRBIC hat die Merkmale eines kontinentalen plutonischen Komplexes, der in die ozeanische Kruste eingebettet ist“, sagen Ponthus und seine Kollegen. Mit anderen Worten: Im Kerguelen-Plateau könnte der „Keim“ eines neuen Kontinents liegen. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies eine Bestätigung für die Theorie nach der neue Kontinente auch mitten in ozeanischen Platten gebildet werden können. (Terra Nova, 2020; doi: 10.1111/ter.12471)

Quelle: CNRS

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