Extremwetter könnte das Ende der Dickhäuter in ihrem letzten Refugium eingeläutet haben Ende der Mammuts erst vor 4.000 Jahren - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ende der Mammuts erst vor 4.000 Jahren

Extremwetter könnte das Ende der Dickhäuter in ihrem letzten Refugium eingeläutet haben

Mammut
Noch vor 4.000 Jahren gab es eine letzte Mammut-Population auf einer Insel in der Arktis. © Dantheman9758/ CC-by-sa 3.0, Wikipedia en

Die letzten Überlebenden: Noch vor 4.000 Jahren lebten auf unserem Planeten Mammuts – auf einer abgeschiedenen Insel in der Arktis. Die Wrangelinsel bot den eiszeitlichen Dickhäutern eine Heimat, als ihre Artgenossen andernorts schon längst ausgestorben waren, wie Forscher berichten. Was schließlich zum Ende dieser letzten Population beitrug, ist rätselhaft. Womöglich spielten aber Probleme mit der Trinkwasserqualität und ein Extremwetterereignis eine Rolle.

Sie gelten als die Symboltiere der letzten Eiszeit: Vor 100.000 bis 15.000 Jahren waren Mammuts die am weitesten verbreiteten Großsäuger auf unserem Planeten. Die Dickhäuter besiedelten nicht nur das heutige Sibirien. Funde von Zähnen und Knochen belegen, dass sie auch in den USA und sogar auf Kreta und in Südspanien heimisch waren.

Doch mit der zunehmenden Klimaerwärmung wurde es für die eiszeitlichen „Weltbürger“ immer ungemütlicher – die meisten von ihnen starben vor circa 10.000 Jahren aus. Kleine Gruppen von Wollmammuts aber überlebten deutlich länger: Nicht nur auf der abgeschiedenen Sankt-Paul-Insel im Beringmeer harrten noch bis vor 5.600 Jahren einige Tiere aus. Auch auf der Wrangelinsel fanden manche von ihnen ein letztes Refugium.

Mammut-Zahn
Auf der Wrangelinsel entdeckter Mammutzahn © Juha Karhu

Rätselhaftes Ende

Die Mammut-Population auf diesem arktischen Eiland überlebte sogar noch länger als auf der Sankt-Paul-Insel: Noch vor 4.000 Jahren hätte man dort auf eines der wolligen Dickhäuter treffen können, wie Laura Arppe von der Universität Helsinki und ihre Kollegen erklären. Damals hatte in Europa gerade die Bronzezeit begonnen und der Gletschermann Ötzi war schon seit rund tausend Jahren tot.

Bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Mammuts von diesem Fleckchen Erde schließlich ziemlich abrupt verschwanden. Doch was brachte dieser letzten Population das Ende? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler nun auf der Wrangelinsel gefundene Mammutknochen und -zähne mit sterblichen Überresten von Tieren aus anderen Gebieten wie Nordsibirien oder dem Festland Alaskas verglichen.

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Stabile Lebensbedingungen

Mithilfe von Isotopenanalysen der zwischen 40.000 und 4.000 Jahre alten Funde suchten Arppe und ihr Team nach Hinweisen auf mögliche Ursachen des Aussterbens: Hatte es Umweltveränderungen gegeben, die die Mammuts zum Beispiel zu einer für sie ungünstigen Ernährungsumstellung zwangen?

Überraschenderweise ergab die Auswertung nichts dergleichen: Bis zuletzt war die Zusammensetzung der Kohlenstoff- und Stickstoffisotope im Knochenkollagen der Wrangelinsel-Mammuts stabil. Die Ergebnisse deuteten auf unverändert gute Lebensbedingungen hin, wie die Forscher berichten. „Die Isotopenwerte der Mammuts sprechen nicht für einen allmählichen Rückgang der Futterquantität oder -qualität“, schreiben sie.

Anders als bei anderen Mammuts

Damit steht der aktuelle Befund im Kontrast zu Erkenntnissen aus früheren Studien: Analysen von Mammutfunden aus der Ukraine und der Sankt-Paul-Insel zeigen, dass sich die Isotopenzusammensetzung im Knochenkollagen bei diesen Tieren in der Phase vor ihrem Aussterben wandelte. Demnach muss es zu Veränderungen im Lebensraum gekommen sein, die den Mammuts mittelfristig den Garaus machten.

Bei den Mammuts auf der Wrangelinsel war dies offenbar nicht der Fall – was aber verursachte dann ihr Aussterben? Die Wissenschaftler haben zumindest Ideen, was zu diesem Prozess beigetragen haben könnte. So fanden sie Indizien dafür, dass die Inselbewohner einen anderen Fettstoffwechsel hatten als ihre Artgenossen aus Sibirien. Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass sich im Erbgut der Wrangelinsel-Mammuts offenbar eine Reihe von Mutationen angesammelt hatten.

Extremwetter als Erklärung?

Daneben erschwerte womöglich eine zunehmende Wasserknappheit das Überleben auf der Insel, wie die Ergebnisse nahelegen. Demnach könnten Trockenheit und Erosionsprozesse dazu geführt haben, dass die Mammuts immer weniger Trinkwasser in guter Qualität vorfanden. Den endgültigen Todesstoß könnte den Tieren dann ein kurzfristiges Extremwetterereignis versetzt haben – vielleicht bedeckten Eis und Schnee den Boden und die Mammuts fanden kein Futter mehr.

„Es scheint durchaus denkbar, dass eine von genetischem Verfall und Trinkwasserproblemen bereits geschwächte Population so etwas wie einem einzelnen Extremwetterereignis erlag“, sagt Mitautor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment in Tübingen. Auch einen Einfluss des Menschen wollen die Wissenschaftler allerdings nicht ausschließen – obwohl es bisher keine Belege dafür gibt, dass unsere Vorfahren auf der Insel Mammuts jagten.

Die eine Ursache gab es nicht

Alles in allem untermauern die Isotopenbefunde bei Wollmammuts aus unterschiedlichen Regionen nun: „Das Aussterben dieser symbolträchtigen Eiszeit-Spezies kann nicht einer einzelnen Ursache zugeschrieben werden. Als Folge ihrer zunehmend fragmentierten Verbreitung hatte stattdessen jede der verbliebenen Populationen ihre eigene schicksalhafte Entwicklung – und es waren unterschiedliche Faktoren, die zur finalen Ausrottung dieser Populationen führten“, so das Fazit der Wissenschaftler. (Quaternary Science Reviews, 2019; doi: 10.1016/j.quascirev.2019.105884)

Quelle: Universität Helsinki

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