Globalisierung von heute führt zu biologischen Invasionen von morgen Eingeschleppte Arten mit Langzeitwirkung - scinexx | Das Wissensmagazin
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Globalisierung von heute führt zu biologischen Invasionen von morgen

Eingeschleppte Arten mit Langzeitwirkung

Erfolgreicher Einwanderer in Deutschland: Der Waschbär © Tobias Mercer / GFDL

Wirtschaftswachstum und Globalisierung haben auch die Tier- und Pflanzenwelt auf der Erde in Bewegung gebracht. Die oft unbeabsichtigte Einwanderung von gebietsfremden Arten zeigt jedoch ökologische und ökonomische Langzeitwirkungen, die weitreichender sind als bisher angenommen. Zu diesem Schluss ist jetzt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) gekommen.

Die Ökologen um Franz Essl und Stefan Dullinger von der Universität Wien und vom österreichischen Umweltbundesamt sehen einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung eingeschleppter Spezies und der sozioökonomischen Entwicklung in Europa. Die heutige Verbreitung gebietsfremder Arten ist danach immer noch stark durch die sozioökonomischen Bedingungen von 1900 beeinflusst.

Einwanderungen Kollateraleffekte der ökonomischen Entwicklung

Biologische Einwanderungen sind daher offenbar Kollateraleffekte der ökonomischen Entwicklung, deren Ausmaß erst mit jahrzehntelanger Verspätung in vollem Umfang erkennbar wird. „Eine effiziente EU-Strategie zur Bekämpfung biologischer Invasionen muss daher nicht nur jene Arten umfassen, die in Europa bereits zum Problem geworden sind, sondern auch diejenigen, die sich auf anderen Kontinenten invasionsartig ausbreiten, sich in Europa aber noch unauffällig verhalten oder fehlen“, so Essl.

Hoher ökonomischer Entwicklungsgrad bedeutet hohes biologisches Invasionsrisiko

Bereits vor einem halben Jahr hatten die Forscher im selben Fachblatt gezeigt, dass Bevölkerungswachstum und steigender Wohlstand die wichtigsten Ursachen für die Ausbreitung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten in Europa sind. Der ökonomische Entwicklungsgrad eines Landes beeinflusst nicht nur Intensität und Frequenz der Einschleppung von invasiven Arten, sondern auch Chancen und Tempo ihrer Einbürgerung und Ausbreitung.

Für die jüngste Studie hatte das Forscherteam sozioökonomische Daten aus den Jahren 1900 und 2000 sowie Daten zum aktuellen Stand der Verbreitung gebietsfremder Arten in 28 europäischen Ländern analysiert. „Wir haben für die Studie den Beginn und das Ende des 20. Jahrhunderts ausgewählt, weil dieses Jahrhundert in Europa eine Periode markiert, die von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und wirtschaftlicher Globalisierung geprägt ist“, erklärt Ökologe Dullinger.

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FloraHolland © Montserrat Vilà

Langzeitrisiko von biologischen Invasionen größer als gedacht

Das verblüffende Ergebnis: Die Anzahl gebietsfremder Arten in diesen 28 Ländern lässt sich besser mit sozioökonomischen Daten von 1900 als mit heutigen erklären. „Offenbar reagiert die Natur mit deutlicher Verzögerung, und unser Handeln heute hat Auswirkungen auf biologische Invasionen auch in 50 bis 100 Jahren“, interpretiert Essl die Ergebnisse.

„Damit würden wir selbst bei sofortigem effizientem Einfuhr-Stopp gebietsfremder Arten noch für Jahrzehnte eine Zunahme der Invasionen zu erwarten haben. Wir sollten deshalb möglichst schnell anfangen, dieses Problem anzugehen.“ Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Langzeitrisiko von biologischen Invasionen bisher unterschätzt wurde.

Zwölf Milliarden Euro Kosten

Gebietsfremde Arten können nach Angaben der Ökologen Struktur und Funktion von Ökosystemen beeinträchtigen und ökonomische Schäden unterschiedlicher Art verursachen. Beispielsweise verlängert die aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie, eine Pflanze mit hochallergenen Pollen, die Pollensaison – zum Nachteil von Allergikern.

Amerikanische Signalkrebse haben hingegen die heimischen Flusskrebse durch Übertragung der Krebspest an den Rand der Ausrottung gebracht. Die durch solche und ähnliche Effekte gebietsfremder Arten entstehenden Kosten sind beträchtlich, allein in Europa werden sie auf jährlich mindestens zwölf Milliarden Euro geschätzt.

(Universität Wien, 21.12.2010 – DLO)

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