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Doomsday Clock: Es ist 90 Sekunden vor Zwölf

Weltuntergangsuhr steht so nah an Mitternacht wie noch nie zuvor

Doomsday Clock
Die Weltuntergangsuhr steht jetzt auf 90 Sekunden vor Zwölf – so nah an Mitternacht wie noch nie zuvor. © Jamie Christiani/ Bulletin of the Atomic Scientists

Dringliche Warnung: Seit gestern steht die „Doomsday Clock“ auf 90 Sekunden vor Mitternacht – und zeigt damit eine nie zuvor erreichte Bedrohungslage für die Menschheit an. Der Zeiger der „Weltuntergangsuhr“ wurde damit noch einmal um zehn Sekunden vorgerückt. Als Grund für ihre Entscheidung gibt das „Bulletin of the Atomic Scientists“ den Ukrainekrieg und die Zuspitzung des Konflikts mit Russland, die Klimakrise und biologische Gefahren an.

Seit 1947 ist die Weltuntergangs-Uhr ein Symbol für die Bedrohungslage der Welt. Sie soll zeigen, wie nah die Menschheit daran ist, sich durch Konflikte, Waffen und andere menschengemachte Technologien zu zerstören. Die Entscheidung über den jeweiligen Zeigerstand trifft das von Albert Einstein, J. Robert Oppenheimer und anderen Physikern gegründete Komitee des „Bulletin of the Atomic Scientists“ (BAS). In den letzten beiden Jahren stand die Weltuntergangsuhr auf 100 Sekunden vor Zwölf.

„Eine Zeit der beispiellosen Bedrohung“

Doch jetzt steht die Doomsday Clock auf einen historisch nie dagewesenen Stand: Es ist nur noch 90 Sekunden vor Mitternacht. Nicht einmal auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges schätzte das Gremium, dem unter anderem zehn Nobelpreisträger angehören, die Gefahr für die Menschheit so hoch ein. „Wir leben in einer Zeit der beispiellosen Bedrohung und die Doomsday Clock spiegelt dies wider“, sagt Rachel Bronson, Präsidentin des Bulletin of the Atomic Scientists.

Ähnlich sieht es Gremiumsmitglied Ban Ki-moon, ehemaliger Generalsekträr der UNO: „Vor drei Jahren war ich bei der letzten Zeigerbewegung der Doomsday Clock dabei. Jetzt steht ihr Zeiger sogar noch näher an Mitternacht. Dies zeigt, wie viel bedrohlicher die Weltlage im Zuge von Corona-Pandemie, Wetterextremen und Russlands Krieg mit der Ukraine geworden ist.“

Ukrainekrieg und atomare Gefahren

Das Gremium begründet seine Entscheidung mit einer Verschärfung der Weltlage auf mehreren Gebieten. An vorderster Stelle steht dabei der Ukrainekrieg: „Russlands Krieg mit der Ukraine hat grundlegende Fragen darüber aufgeworfen, wie Staaten interagieren und er hat die Normen des internationalen Umgangs erodiert, die die Grundlage für erfolgreiche Reaktionen auf globale Risiken bilden“, heißt es in der Erklärung. „Russlands kaum verhohlene Drohung nukleare Waffen einzusetzen erinnert die Welt daran, dass eine Eskalation des Konflikts, sei es versehentlich, absichtlich oder irrtümlich, eine furchtbare Gefahr darstellt.“

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Hinzu kommt, dass der Ukrainekrieg auch das Risiko für einen katastrophalen Atomunfall drastisch erhöht hat. Atomkraftwerke im Kriegsgebiet wie Saporischschja oder der Reaktor von Tschernobyl sind in akuter Gefahr, beschädigt zu werden oder nicht ausreichend und sicher überwacht zu werden. Bisher sind auch die Versuche der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, die Reaktoren auf ukrainischen Gebiet unter besonderen Schutz zu stellen, weitgehend gescheitert.

Aber die Gefahr nuklearer Eskalation bestehe nicht nur in der Ukraine, so das Komitee. China, Indien, Pakistan und die USA rüsten nuklear weiter auf und modernisieren ihre Kernwaffen, statt sie abzubauen. Seit dem Ende des Atomabkommens mit dem Westen reichert der Iran weiter verstärkt Uran an und Nordkorea hat seine Atomaffentests und sein Raketenprogramm noch einmal intensiviert. 2022 schoss es eine Testrakete über japanisches Gebiet hinweg.

Klimakrise, Desinformation und Pandemien

Als zweite große Bedrohung sieht das Bulletin of Atomic Scientists die Klimakrise. Stagnierende Klimaschutzmaßnahmen, die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Energiekrise und verhärtete Fronten bei Verhandlungen haben dazu geführt, dass die globalen Treibhausgasemissionen 2021 und 2022 erneut Rekordwerte erreichten. Fast überall sind die Folgen des Klimawandels zudem schon spürbar: Wetterextreme und klimabedingte Naturkatastrophen häufen sich.

„Den Klimawandel zu bekämpfen erfordert Vertrauen in multilaterale Institutionen und Kooperationen“, sagt IPCC-Leitautor Sivan Kartha, einer der Gremiumsmitglieder. „Die geopolitische Kluft, die sich durch die russische Invasion der Ukraine aufgetan hat, hat das Vertrauen zwischen den Staaten beschädigt und den Willen, global zu kooperieren geschwächt.“

Ebenfalls als potenzielle Gefahren sehen die Wissenschaftler biologische Bedrohungen beispielsweise durch neu auftauchende Erreger sowie die zunehmende Desinformation in den digitale Medien. Autokratische Regierungen, antidemokratische Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker nutzen das Internet als Plattform, um gezielt Falschinformationen zu streuen und das Vertrauen in seriöse Informationen und die Wissenschaft zu unterminieren.

„Alarmsignal für die gesamte Menschheit“

„Die Doomsday Clock ist ein Alarmsignal für die gesamte Menschheit: Wir stehen am Rand eines Abgrunds“, sagt Komitee-Mitglied Mary Robinson, ehemalige Vorsitzende des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte. „Wir wissen, was getan werden muss, die Wissenschaft ist klar, aber der politische Wille fehlt. Wenn wir eine Katastrophe abwenden wollen, muss sich dies im Jahr 2023 endlich ändern.“

Quelle: Bulletin of the Atomic Scientists

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