Vermeintliche Erwähnung des "Haus Davids" könnte eine Fehlinterpretation sein Doch kein Beleg für König David? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Doch kein Beleg für König David?

Vermeintliche Erwähnung des "Haus Davids" könnte eine Fehlinterpretation sein

Mesha-Stele
Auf der moabitischen Mesha-Stele (links) soll in Zeile 31 der Begriff "Haus Davids" erwähnt sein, doch dort sind die Buchstaben beschädigt. © historisch

Balak statt David? Einer der wenigen Hinweise auf die reale Existenz des biblischen Königs David könnte sich nun als falsch erweisen. Denn auf der sogenannten Mesha-Stele aus dem jordanischen Dibon steht offenbar doch nicht „Haus Davids“ wie bisher angenommen. Stattdessen lautet der stark beschädigte Name wahrscheinlich „Balak“ – und dieser war vor rund 3.000 Jahren ein König der Moabiter, wie Wissenschaftler nun berichten.

War der biblische König David eine historische Gestalt oder doch nur eine Legende, eine Symbolfigur? Bis heute gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort, denn es fehlt an klaren Beweisen für seine Existenz. Bisher kennen Archäologen nur drei Inschriften, in denen der Name David in Zusammenhang mit einem Stamm oder Königshaus erwähnt wird – und selbst diese sind wegen des schlechten Erhaltungszustands der Stelen strittig.

Was steht wirklich auf der Mesha-Stele?

Jetzt liefert eine neue Analyse Indizien dafür, dass eine der drei Erwähnungen des Hauses David auf einer Fehlinterpretation beruht. Es handelt sich um einen Passus auf der sogenannten Mesha-Stele, die bei Dibon nahe dem Toten Meer entdeckt wurde. Dieser aus Basalt gemeißelte Gedenkstein stammt aus dem neunten Jahrhundert vor Christus und berichtet in moabitischer Schrift von der Befreiung der Moabiter von Israel.

In der 31. Zeile dieser Inschrift findet sich ein Passus, der bisher als „Haus von David“ interpretiert wurde. Das Problem jedoch: Die Stele wurde kurz nach ihrer Entdeckung zerbrochen, so dass Teile der Inschrift verloren gingen – auch der erste Buchstabe des Namens wurde beschädigt. Glücklicherweise jedoch existiert ein Abdruck der Stele, der kurz vor der Zerstörung angefertigt wurde. Diese Kopie und auch hochaufgelöste Fotografien der Stele selbst haben nun Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv und sein Team noch einmal näher analysiert.

„B“ statt „D“

Das Ergebnis: Der Passus, der bisher als „Haus Davids“ gelesen wurde, nennt höchstwahrscheinlich einen ganz anderen Namen. Denn in der Inschriftkopie entzifferten die Forscher als ersten Buchstaben des Namens das hebräische Schriftzeichen „Beth“ für den Buchstaben „B“. Stünde dort jedoch „David“ müsste dieser Buchstabe ein „Daled“ sein, wie Finkelstein und sein Team erklären.

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„Die neuen Fotografien der Mesha-Stele und der Abdruck deuten darauf hin, dass die Lesart ‚Haus Davids‘, die zwei Jahrzehnte lang gängig war, keine Option mehr ist“, sagen die Forscher. Hinzu kommt, dass sich der genannte Stamm oder Herrscher laut Inschrift damals in Horonen aufgehalten haben soll. Der Ort Horonen jedoch lag mitten in moabitischem Gebiet – für einen König Israels kein sehr wahrscheinlicher Aufenthaltsort.

Moabiterkönig statt König Israels

Nach Ansicht der Archäologen benennt die Mesha-Stele an dieser Stelle demnach nicht den israelischen König David, sondern möglicherweise einen moabitischen Herrscher – König Balak. „Mit aller gebotenen Vorsicht interpretieren wir diesen Passus als den Namen des moabitischen Königs Balak, der nach der biblischen Geschichte von Balaam einen göttlichen Fluch über die Bewohner Israels bringen wollte“, sagen Finkelstein und seine Kollegen.

Ähnlich wie bei David war bisher unklar, ob der biblische Moabiterkönig Balak eine historische Entsprechung hat. Sollte sich die neue Interpretation der Textpassage auf der Mesha-Stele als korrekt erweisen, könnte dies der erste Beleg für seine Existenz sein. „Balak könnte demnach eine historische Persönlichkeit gewesen sein“, konstatieren Finkelstein und seine Kollegen. Bei König David dagegen sind ihrer Ansicht nach Zweifel angebracht. (The Journal of the Institute of Archaeology of Tel Aviv University, 2019: doi: 10.1080/03344355.2019.1586378)

Quelle: Taylor & Francis Group

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