Reichhaltigste Ansammlung von Dinosaurierspuren in Großbritannien entdeckt Dinosaurier-Abdrücke mit Schuppen und Haut - scinexx | Das Wissensmagazin
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Reichhaltigste Ansammlung von Dinosaurierspuren in Großbritannien entdeckt

Dinosaurier-Abdrücke mit Schuppen und Haut

Iguanodon-Spuren
Zwei Iguanodon-Fußspuren mit Klauen- und Hautabdrücken. Gut 80 weitere Dinosaurierspuren haben Forscher jetzt in Südengland entdeckt. © Neil Davies

Paläontologischer Schatz: An der Küste Südenglands haben Forscher die bisher reichhaltigste Ansammlung von kreidezeitlichen Dinosaurierspuren der britischen Inseln entdeckt. Es handelt sich um 85 Fußabdrücke, die von mindestens sieben verschiedenen Dinosaurierarten hinterlassen wurden. – sowohl Pflanzenfressern als auch Raubdinosauriern. Die Abdrücke sind so gut erhalten, dass sogar noch Details der Haut, Schuppen und Klauen erkennbar sind.

Dinosaurier dominierten die Lebenswelt des Jura und der Kreidezeit, auf nahezu allen Kontinenten wurden schon Fossilien solcher „Riesenechsen“ entdeckt. Doch auch ihre Spuren haben sich an manchen Stellen erhalten – sie finden sich in Deutschland, in Schottland, Frankreich und sogar im hohen Norden Alaskas. Diese Fußabdrücke verraten viel darüber, wie die Dinosaurier lebten und mit wem sie ihren Lebensraum teilten.

Klippenerosion legte Abdrücke frei

Einen besonders reichhaltigen Schatz an Dinosaurier-Spuren haben nun Anthony Shillito und Neil Davies von der University of Cambridge im Süden Englands entdeckt. Durch die starken Winterstürme der letzten Jahre haten Wind und Wellen an der Küste nahe Hastings große Teile der Sandsteinklippen abgetragen. Die Erosion legte dabei noch weitgehend unberührte Schichten aus der frühen Kreidezeit frei – und mit ihnen auch urzeitliche Abdrücke.

Schuppenabdrücke
Sogar die Strukturen der Haut und Schuppen sind bei den Abdrücken erhalten. © Neil Davies

Es handelt sich um 85 ungewöhnlich gut erhaltene Fußabdrücke aus der Zeit vor 145 bis 100 Millionen Jahren. Die zw2ischen zwei und 60 Zentimeter großen Abdrücke stammen dabei von mindestens sieben verschiedenen Dinosaurierarten, wie die Forscher berichten. Vertreten sind Pflanzenfresser wie Iguanodon, Ankylosaurier, ein Stegosaurier und vermutlich auch Brontosaurus und Diplodocus, aber auch fleischfressende Theropoden.

Haut- und Schuppenstrukturen klar erkennbar

Das Besondere an diesen Abdrücken ist neben ihrer Vielfalt ihr guter Erhaltungszustand: „Wir sehen hier unglaubliche Details: Man kann deutlich die Textur der Haut und Schuppen erkennen, auch die Klauenabdrücke“, berichtet Davies. „Das ist extrem selten.“ Die Abdrücke der Schuppen variieren je nach Dinosaurierart von rundlich über dreieckig bis länglich.

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Möglich wurde diese detailgetreue Konservierung durch einen geologischen Glücksfall: „Um Fußabdrücke so zu erhalten, benötigt man genau die richtigen Umweltbedingungen“, erklärt Davies. „Der Untergrund muss ‚klebrig‘ genug sein, damit die Füße einen Abdruck hinterlassen, aber nicht so nass, dass sie gleich wieder weggespült werden.“ Die Paläontologen vermuten, dass die Dinosaurier hier einst an einem schlammigen Flussufer oder Meeresstrand entlangliefen.

Informationen über Lebensweise der Dinos

„Eine Ansammlung von Fußabdrücken wie diese hilft dabei, mehr über die Lebensweise der Dinosaurier an diesem Ort zu erfahren“, so Shillito. So bestätigten die eng beieinander liegenden Pflanzenfresser-Abdrücke, dass diese Dinosaurier höchstwahrscheinlich in Gruppen am Ufer entlangwanderten. Die Fleischfresser jagten dagegen eher einzeln, wie ihre spärlicheren und weit auseinanderliegenden Spuren nahelegen.

Entlang der Küste nahe Hastings wurden schon häufiger einzelne Dinosaurier-Abdrücke entdeckt. Aber diese Entdeckung einer ganzen Ansammlung von Spuren ist der reichhaltigste Fund bisher, wie die Forscher berichten. Sie vermuten, dass in den Klippen noch weitere Abdrücke verborgen sind. Ob künftige Stürme sie freilegen werden oder ob der Küstenschutz dies verhindert, bleibt abzuwarten. (Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 2018; doi: 10.1016/j.palaeo.2018.11.018)

Quelle: University of Cambridge

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