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Der fossile Fußabdruck des Anthropozäns

Woran Paläontologen der Zukunft das menschengemachte Zeitalter erkennen könnten

Anthropozän
Der Mensch prägt die Erde nachhaltig - und hat auch Einfluss auf die Fossilien, die die Zeiten überdauern. © jacquesvandinteren/ istock

Menschengemachtes Zeitalter: Das sogenannte Anthropozän könnte sich eindeutig anhand der im Boden erhaltenen Säugetierfossilien erkennen lassen. Denn durch den Einfluss des Menschen werden Paläontologen der Zukunft wohl deutlich mehr domestizierte als wilde Tiere aus dieser Ära finden. Auch der Zustand der Fossilien und die potenziellen Fundorte werden stark durch unser Wirken geprägt sein. Dadurch ergibt sich ein eindeutiger Fußabdruck in den Erdschichten, wie Forscher berichten.

Längst haben wir Menschen unseren Planeten nachhaltig und messbar geprägt. Wir verändern chemische und biologische Kreisläufe, manipulieren das Klima und bauen ganze Landschaften um. Forscher sprechen daher inzwischen von einem menschengemachten Zeitalter: Im Anthropozän gestaltet nicht mehr vorwiegend die Natur die Erde, sondern der Homo sapiens.

Obwohl der prägende Einfluss des Menschen unbestritten ist, streiten Experten jedoch über diesen Begriff: Soll wirklich eine geochronologische Epoche so benannt werden und wenn ja, wann hat das Anthropozän begonnen? Entscheidend für diese Debatte ist auch die Frage, ob sich unser Wirken tatsächlich auf charakteristische Weise in den Erdschichten zeigt. Wird ein Paläontologe der Zukunft das Anthropozän zum Beispiel anhand von Fossilien erkennen können?

Verwesendes Schwein: Domestizierte Tiere und menschliche Skelette werden die Fossilien der Zukunft dominieren. © Karen Koy, Missouri Western State University

Fossilien der Zukunft

Einige Forscher haben zuletzt etwa vorgeschlagen, das Anthropozän anhand von „Technofossilien“ zu charakterisieren und zu datieren – technischen Objekten und Strukturen, die eingebettet in geologische Schichten erhalten bleiben und von der Dominanz der Menschheit zeugen. Doch auch fossile Funde landlebender Säugetiere könnten genügen, um das Anthropozän eindeutig zu erkennen.

Zu diesem Schluss kommen nun Roy Plotnick von der University of Illinois in Chicago und Karen Koy von der Missouri Western State University in St. Joseph. Die beiden Wissenschaftler haben anhand von Studien unter anderem am Beispiel des US-Bundesstaats Michigan untersucht: Wie beeinflusst der Mensch, welche Säugetierfossilien sich in der Erde ablagern – sowohl in Bezug auf die Artzusammensetzung als auch auf den Fundort und den Erhaltungszustand der sterblichen Überreste?

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Mehr domestizierte als wilde Tiere

Die Auswertungen zeigen, dass die Fossilien der Zukunft wahrscheinlich hauptsächlich aus Menschen und den von ihnen domestizierten Tieren bestehen werden. So übersteigt die Zahl der Menschen und Nutztiere inzwischen stark die wilder Tiere. Allein in Michigan machen sie rund 96 Prozent der gesamten Tiermasse aus, wie das Forscherteam berichtet.

„Die Chance, dass ein wildes Tier Teil der fossilen Überlieferung wird, ist sehr gering geworden“, erklärt Plotnick. „Stattdessen werden die künftigen Säugetierfossilien hauptsächlich Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen und natürlich Menschen sein.“

Begräbnis in Massen

Unsere Aktivitäten beeinflussen den Wissenschaftlern zufolge auch, wo und wie Tiere begraben und konserviert werden. Zum einen wirken sich Faktoren wie die Landnutzung und der menschengemachte Klimawandel demnach auf die Verteilung und die Eigenschaften von Stellen aus, an denen tierische Überreste durch natürliche Prozesse abgelagert werden und erhalten bleiben.

Zum anderen produziert der Mensch selbst charakteristische Begräbnisstätten: Er entsorgt verstorbene Nutztiere oder deren Überreste massenweise in Deponien und Verwertungsanlagen. An den Knochenfragmenten der Tiere werden Paläontologen der Zukunft zudem Hinweise finden, die von Jagd, aber auch Massenschlachtung zeugen.

„Einzigartig in der Erdgeschichte“

Auch Friedhöfe für menschliche Tote sind nach Ansicht der Forscher ein charakteristisches Merkmal unseres Zeitalters. „In der fernen Zukunft wird man in der Fossilschicht von heute eine enorme Anzahl kompletter Menschenskelette finden – alle in Reihen niedergelegt“, sagt Plotnick.

Alles in allem sind die Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Art der Säugetierfossilien als klares Signal für das Anthropozän taugt: „Diese Fossilien aus unserer modernen Ära dürften einzigartig in der Erdgeschichte sein und könnten dabei helfen, die Grenzen des vorgeschlagenen Anthropozän-Zeitalters zu erkennen“, erklären sie.

„Der Wirbeltier-Paläontologe der Zukunft wird auf eine weit verbreitete und unverwechselbare biostratigrafische Einheit stoßen. Auf einer geologischen Skala wird sich eine ebenso eindeutige und synchrone Schicht bilden wie bei jeder anderen terrestrischen Schichtfolge auch“, so das Fazit der Forscher. (Anthropocene, 2019; doi: 10.1016/j.ancene.2019.100233)

Quelle: University of Illinois

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