Analysen widerlegen Vermutungen über verfrühte Erzverarbeitung Bronzezeit-Objekte aus "Himmelsmetall" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Analysen widerlegen Vermutungen über verfrühte Erzverarbeitung

Bronzezeit-Objekte aus „Himmelsmetall“

Diese im ägyptischen Gerzeh gefundene Eisenperle ist mindestens 5.300 Jahre alt. Sie stammt damit aus einer Zeit lange bevor in Ägypten die Eisenzeit begann. © University of Manchester

Rätselhafte Artefakte: Wie konnten Menschen schon Jahrtausende vor Erfindung der Eisenverarbeitung Dolche, Perlen und andere Objekte aus diesem Metall fertigen? Eine Antwort könnte nun eine Analyse dieser Fundstücke liefern. Sie enthüllt, dass ihr Eisen nicht aus irdischem Erz stammt, sondern aus dem Weltall – aus Meteoriten. Das widerlegt Spekulationen über eine Erzverarbeitung schon in der Bronzezeit und belegt, dass der berühmte Meteoritendolch von Tutanchamun keine Ausnahme war.

In den meisten europäischen und nahöstlichen Kulturen bahnte sich um 1200 vor Christus eine entscheidende Technologiewende an: Die Menschen lernten, wie man aus Eisenerz Eisen gewinnt und verarbeitet. Das gegenüber der Bronze härtere und stabilere Eisen ermöglichte es ihnen, bessere Werkzeuge und Waffen zu produzieren und ermöglichte damit wichtige technische Fortschritte.

Tausende Jahre vor Erfindung der Verhüttung

Für Rätsel sorgen jedoch einige archäologische Funde, die nicht in diese Zeitrechnung zu passen scheinen. Denn diese Eisenobjekte sind teilweise tausende Jahre vor der Erfindung der Eisenverhüttung entstanden. Zu diesen Artefakten gehört eine in Ägypten entdeckte Eisenperle aus der Zeit um 3.300 vor Christus, ein 4.500 Jahre alter Dolch aus Anatolien und mehrere 2.400 bis 3.300 Jahre alte Schmuckstücke und Waffen aus Syrien.

Doch woher hatten die Menschen damals dieses Eisen? Wussten einige von ihnen doch schon, wie man Eisen aus Erz gewinnt? Oder stammt dieses Eisen gar nicht von der Erde, sondern aus Meteoriten – wie beim Dolch des Tutanchamun der Fall? Das metallische Eisen der Meteoriten lässt sich schon durch Hämmern bearbeiten – und könnte daher auch ohne Kenntnis der Eisenverhüttung in Form gebracht worden sein.

Der prachtvolle Dolch aus Tutanchamuns Grab: Die Klinge ist aus Eisen, Griff und Scheide aus Gold. © Comelli et al. / Meteoritics & Planetary Science

Zerstörungsfreie Analyse

„Über diese Frage wird bisher gestritten“, erklärt Albert Jambon von der Sorbonne-Universität in Paris. „Es ist strittig, ob nur einige, alle oder keine dieser frühen Artefakte aus geschmolzenem Eisen gemacht wurden.“ Um dies zu klären, haben er und seine Kollegen mehrere bronzezeitliche Eisenobjekte mittels Röntgenfluoreszenz-Spektrometrie analysiert.

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Das Besondere dabei: Diese Methode ist nicht-invasiv: Mit ihr kann man den Gehalt von Metallen wie Nickel, Kobalt oder Eisen in einer Probe bestimmen, ohne zuvor eine Probe davon nehmen zu müssen. Einzigartige archäologische Fundstücke können damit ohne Beschädigung und sogar vor Ort in den Museen untersucht werden, wie die Forscher erklären.

Nicht aus irdischem Erz

Das Ergebnis: Alle untersuchten Eisenartefakte aus der Bronzezeit wurden nicht aus irdischem Eisenerz hergestellt. „Sie wurden definitiv aus Meteoriteneisen gefertigt“, berichtet Jambon. Das Verhältnis von Nickel zu Eisen und Nickel zu Kobalt in diesen Fundstücken unterscheide sich deutlich von dem für irdisches Eisen typischen Verhältnissen. Dafür stimmt die Elementverteilung gut mit der von Meteoritenproben überein.

„Das spricht dafür, dass die Spekulationen über ein vorzeitiges Eisenschmelzen während der Bronzezeit falsch sind“, konstatiert der Forscher. Viel wahrscheinlicher ist es seiner Ansicht nach, dass die Menschen damals einfach das Eisen für diese Artefakte nutzen, das sie in Form von Meteoriten-Bruchstücken fanden.

Die Tatsache, dass solche Eisenmeteoriten extrem rar sind, bestätigt den großen Wert, den die Eisenobjekte für ihre Besitzer hatten: Nur Herrscher, Priester und andere herausragende Persönlichkeiten hatten das Privileg., ein solches aus „Himmelsmetall“ gefertigtes Objekt zu besitzen. (Journal of Archaeological Science, 2017; doi: 10.1016/j.jas.2017.09.008)

(CNRS (Délégation Paris Michel-Ange), 04.12.2017 – NPO)

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