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Biodiversitäts-Forscher warnen vor globaler Krise

IPCC-ähnliches Gremium soll mehr Aufklärung bringen

Mit der Warnung, dass die Erde sich am „Rande einer großen Biodiversitäts-Krise“ befindet, haben erstmals 19 der renommiertesten Forscher dieses Gebiets zu einer global koordinierten Aktion gegen das Artensterben aufgerufen. Die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Deklaration ruft insbesondere dazu auf, die Kluft zwischen der biologischen Forschung und dem politischen Handeln so schnell wie möglich durch ein internationales Gremium zu schließen.

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Führende Vertreter der Biodiversitätsforschung aus 13 Ländern, darunter auch Deutschland, konstatierten: „Nahezu alle Aspekte der Artenvielfalt sind in steilem Niedergang und eine große Anzahl von Populationen und Arten wird noch in diesem Jahrhundert aussterben. Doch trotz dieser Tatsachen wird die Biodiversität noch immer konsistent unterschätzt und sowohl in privaten wie auch in politischen Entscheidungen kaum berücksichtigt. Diese Diskrepanz zwischen Forschung und Maßnahmen muss verschwinden.“

IPCC als Vorbild

Als Beispiel für eine erfolgreiche Überbrückung dieses Grabens führen die Forscher den Klimawandel und das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) an. Dem internationalen Wissenschaftlergremium sei es gelungen, zu diesem Thema mit einer einheitlichen und starken Stimme zu sprechen und öffentliche Aufmerksamkeit für das gravierende Problem zu wecken. Beim Artenschutz hätten dagegen existierende Organisationen wie die Konvention zur biologischen Diversität „nicht die strukturellen Mitteln um die Expertise einer großen wissenschaftlichen Gemeinschaft mobilisieren zu können und eine weite Spannbreite von Fachdisziplinen mit einbindet.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist allerdings die “Biodiversität erheblich komplexer als Themen wie das stratosphärische Ozonloch oder selbst der globale Klimawandel….es umfasst mehrere Ebenen der biologischen Organisation (Gene, Arten, Ökosysteme), kann nicht durch einfache, universelle Indikatoren gemessen werden wie Temperatur oder atmosphärische O2-Konzentration, und seine Verteilung und auch entsprechende Maßnahmen sind von Natur aus eher lokal angelegt.“

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“Mit klarer Stimme sprechen“

“Zum Wohle des Planeten muss die Wissenschaftlergemeinschaft einen Weg finden sich zu organisieren, um ihre Arbeit fachübergreifend zu koordinieren. Gemeinsam mit einer klaren Stimme müsse sie Regierungen beraten zu schritten, um den potenziell katastrophalen Verlust von Arten, der bereits im Gange ist, noch zu stoppen“, so Robert Watson, Leitender Wissenschaftler bei der Weltbank und bereits im Vorsitz mehrerer internationaler Gremien, darunter auch dem IPCC.

“Die Biodiversität bringt uns ‚Dienstleistungen der Ökosysteme’ wie die Regulierung von Krankheiten und Klima, den Schutz vor Stürmen und einen Lebensraum für nützliche Arten“, erklärt Charles Perrings, Mitunterzeichner des Aufrufs von der Arizona State Universität. „Der Verlust der Biodiversität bringt der Gesellschaft dagegen reale wirtschaftliche Verluste und wir müssen daher klare wissenschaftliche Leitlinien für die Politik schaffen.“

Zwischenstaatlich, unabhängig, klar

Innerhalb der nächsten 18 Monate wollen die Wissenschaftler gemeinsam Vorschläge ausarbeiten, wie ein solches internationales Gremium aussehen könnte. Es soll unter anderem geklärt werden, welche Art von Informationen über Biodiversität die Entscheider in den verschiedenen, für die Artenvielfalt ausschlaggebenden Bereichen benötigen – darunter Industrie, Fischerei, Transport und Naturschutzbehörden und was das Gremium dafür leisten muss. Die Klarheit und Reichweite der Informationen sei eines der wichtigsten Ziele, so die Experten.

Gleichzeitig schlagen die Forscher vor, dass eine solche Institution wie andere zwischenstaatliche Gremien eine formale Verbindung – auch über die Finanzierung – zu den Regierungen haben sollte um sicherzustellen, dass die Informationen auch national und global zu Handlungen führt. Dabei soll das Gremium aber objektiv und unabhängig arbeiten und sowohl Wissenschaftler als auch Politiker, Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der Privatwirtschaft umfassen.

(Diversitas, 20.07.2006 – NPO)

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