„Höhenabhängiger Klimawandel“ schneller als gedacht
Die Auswertung ergab: Zwischen 1980 und 2020 sind die Temperaturen in Gebirgsregionen schneller gestiegen als im umliegenden Flachland – durchschnittlich um 0,21 Grad Celsius pro Jahrhundert mehr. Das ist ein höherer Anstieg als bislang angenommen. Schnee und Eis im Gebirge schmolzen ebenfalls schneller als bislang gedacht. Im globalen Durchschnitt regnete es in den Höhenlagen rund 11,5 Millimeter pro Jahrhundert weniger als im Flachland und schneite rund 25,6 Millimeter pro Jahrhundert weniger.
Zudem ist in den Bergen im Laufe der untersuchten 40 Jahre zunehmend Regen statt Schnee gefallen. Wo und wann die Niederschläge genau auftreten, ist in den Gebirgen dabei heute deutlich schwerer vorhersagbar als früher und auch schwieriger als im Flachland. Das bedeutet, dass das Wetter in den Bergen weltweit seit Jahrzehnten wärmer, trockener und unberechenbarer wird und das deutlich stärker als im Tal, wie die Forschenden ermittelten.
Folgen für Menschen und Natur
Das hat Auswirkungen für die dort lebenden Menschen und weit über die Bergregionen hinaus. Zum einen sind weltweit über eine Milliarde Menschen auf Trinkwasser aus Flüssen und Quellen angewiesen, das aus Schnee und Gletschern in den Bergen stammt. Beispielsweise beziehen die Menschen in China und Indien – den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt – ihr Wasser zu einem großen Teil aus dem Himalaya. Wenn das gefrorene Wasser in den Bergen knapp wird, fehlt es jedoch in flüssiger Form im Flachland.
Zum anderen bringt der Klimawandel in den Bergen mehr Wetterextreme mit sich: „Wenn der Schneefall aufgrund steigender Temperaturen in Regen übergeht, steigt die Wahrscheinlichkeit verheerender Überschwemmungen“, erklärt Pepin. Das wirkt sich ebenfalls auf das Umland aus. Als Beispiel nennt das Team den extremen Monsun in Pakistan, der im Sommer 2025 zu ungewöhnlich heftigem Starkregen in den Bergen geführt und über 1.000 Menschenleben gefordert hat. Auch andere klimabedingte Naturkatastrophen fallen in Gebirgsregionen extremer aus, so das Team mit Blick auf Lawinen, Erdrutsche, Felsstürze, Waldbrände und Co.
Für Tiere und Pflanzen hat der „höhenabhängige Klimawandel“ ebenfalls schwere Folgen: „Mit steigenden Temperaturen wandern Bäume und Tiere in höhere Lagen der Berge, auf der Suche nach kühleren Gebieten. Doch irgendwann stoßen sie an die Grenzen des Bergraums und werden vom Gipfel verdrängt. Da sie keinen Ausweg mehr finden, können Arten aussterben und Ökosysteme sich grundlegend verändern”, erklärt Pepin.
Herausforderung Wettermonitoring
All diese Befunde zeigen nach Ansicht des Teams, dass dringend Maßnahmen zum Schutz des Klimas und damit der Berge nötig sind. Zudem plädieren die Forschenden dafür, mehr Wetterdaten aus hohen Lagen zu sammeln und so die Wettervorhersagen und Klimamodelle für Gebirgsregionen zu verbessern.
Das ist jedoch leichter gesagt als getan: „Gebirge sind raue, abgelegene und schwer zugängliche Umgebungen. Daher bleibt der Betrieb von Wetter- und Klimastationen in diesen Gebieten eine Herausforderung“, sagt Koautorin Nadine Salzmann vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. (Nature Reviews Earth & Environment, 2025; doi: 10.1038/s43017-025-00740-4)
Quelle: University of Portsmouth
26. November 2025
- Claudia Krapp