Klima

Bergklima verändert sich schneller als gedacht

Erderwärmung gefährdet Milliarden Menschen in Gebirgsregionen

Foto von Bergen in den Schweizer Alpen
Der Ort Ftan liegt im Unterengadin in den Schweizer Alpen. © Sven Kotlarski

Prognosen überholt: Das Klima in den Bergen hat sich in den vergangenen 40 Jahren stärker gewandelt als bisher angenommen, wie eine globale Übersichtsstudie zeigt. Demnach schreitet die Erderwärmung in den Gebirgen nicht nur schneller voran als im Flachland, sondern auch schneller als in Klimaprognosen vorhergesagt. Die damit einhergehenden Schneeschmelzen, Wetterumbrüche und Naturkatastrophen bedrohen das Leben von Milliarden Menschen weltweit.

Durch den Klimawandel verändern sich Wetter und Lebensbedingungen für Mensch und Natur weltweit. Besonders drastisch ist das in den Bergen zu spüren. Denn in größeren Höhen beschleunigen sich die klimabedingten Umweltveränderungen und die Erwärmung schreitet um schätzungsweise 50 Prozent schneller voran als im Flachland – mit regionalen Unterschieden. Dieses Phänomen wird „höhenabhängiger Klimawandel“ (EDCC) genannt. „Je höher man in die Berge steigt, desto intensiver kann der Klimawandel werden“, erklärt Nick Pepin von der University of Portsmouth. 

Foto von Bergen im Himalaya
Menschen in China und Indien sind auf Trinkwasser aus dem Himalaya angewiesen. © LeoPatrizi/GettyImages

Langzeitdaten zum Klimawandel in den Bergen

Wie groß der Unterschied zwischen Berg und Tal wirklich ist und wie stark der Klimawandel in den Gebirgen vorangeschritten ist, hat nun ein Team um Pepin in einer Übersichtsstudie untersucht. Dafür werteten die Forschenden Klimadaten aus verschiedenen Quellen aus, darunter globale Datensätze ebenso wie lokale Fallstudien aus bestimmten Gebirgsregionen der Rocky Mountains, der Alpen, der Anden und des Tibetischen Hochplateaus.

Das Team verglich dabei die Temperaturen sowie Regen- und Schneemenge zwischen den einzelnen Bergregionen und niedrig gelegeneren Landschaften sowie im Verlauf der letzten 40 Jahre.

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„Höhenabhängiger Klimawandel“ schneller als gedacht

Die Auswertung ergab: Zwischen 1980 und 2020 sind die Temperaturen in Gebirgsregionen schneller gestiegen als im umliegenden Flachland – durchschnittlich um 0,21 Grad Celsius pro Jahrhundert mehr. Das ist ein höherer Anstieg als bislang angenommen. Schnee und Eis im Gebirge schmolzen ebenfalls schneller als bislang gedacht. Im globalen Durchschnitt regnete es in den Höhenlagen rund 11,5 Millimeter pro Jahrhundert weniger als im Flachland und schneite rund 25,6 Millimeter pro Jahrhundert weniger.

Zudem ist in den Bergen im Laufe der untersuchten 40 Jahre zunehmend Regen statt Schnee gefallen. Wo und wann die Niederschläge genau auftreten, ist in den Gebirgen dabei heute deutlich schwerer vorhersagbar als früher und auch schwieriger als im Flachland. Das bedeutet, dass das Wetter in den Bergen weltweit seit Jahrzehnten wärmer, trockener und unberechenbarer wird und das deutlich stärker als im Tal, wie die Forschenden ermittelten.

Folgen für Menschen und Natur

Das hat Auswirkungen für die dort lebenden Menschen und weit über die Bergregionen hinaus. Zum einen sind weltweit über eine Milliarde Menschen auf Trinkwasser aus Flüssen und Quellen angewiesen, das aus Schnee und Gletschern in den Bergen stammt. Beispielsweise beziehen die Menschen in China und Indien – den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt – ihr Wasser zu einem großen Teil aus dem Himalaya. Wenn das gefrorene Wasser in den Bergen knapp wird, fehlt es jedoch in flüssiger Form im Flachland. 

Zum anderen bringt der Klimawandel in den Bergen mehr Wetterextreme mit sich: „Wenn der Schneefall aufgrund steigender Temperaturen in Regen übergeht, steigt die Wahrscheinlichkeit verheerender Überschwemmungen“, erklärt Pepin. Das wirkt sich ebenfalls auf das Umland aus. Als Beispiel nennt das Team den extremen Monsun in Pakistan, der im Sommer 2025 zu ungewöhnlich heftigem Starkregen in den Bergen geführt und über 1.000 Menschenleben gefordert hat. Auch andere klimabedingte Naturkatastrophen fallen in Gebirgsregionen extremer aus, so das Team mit Blick auf Lawinen, Erdrutsche, Felsstürze, Waldbrände und Co. 

Für Tiere und Pflanzen hat der „höhenabhängige Klimawandel“ ebenfalls schwere Folgen: „Mit steigenden Temperaturen wandern Bäume und Tiere in höhere Lagen der Berge, auf der Suche nach kühleren Gebieten. Doch irgendwann stoßen sie an die Grenzen des Bergraums und werden vom Gipfel verdrängt. Da sie keinen Ausweg mehr finden, können Arten aussterben und Ökosysteme sich grundlegend verändern”, erklärt Pepin. 

Herausforderung Wettermonitoring

All diese Befunde zeigen nach Ansicht des Teams, dass dringend Maßnahmen zum Schutz des Klimas und damit der Berge nötig sind. Zudem plädieren die Forschenden dafür, mehr Wetterdaten aus hohen Lagen zu sammeln und so die Wettervorhersagen und Klimamodelle für Gebirgsregionen zu verbessern.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan: „Gebirge sind raue, abgelegene und schwer zugängliche Umgebungen. Daher bleibt der Betrieb von Wetter- und Klimastationen in diesen Gebieten eine Herausforderung“, sagt Koautorin Nadine Salzmann vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. (Nature Reviews Earth & Environment, 2025; doi: 10.1038/s43017-025-00740-4

Quelle: University of Portsmouth

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