Klimawandel ist auch in Höhenlagen stärker, aber bislang nicht ausreichend erforscht Berggipfel erwärmen sich schneller - scinexx | Das Wissensmagazin
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Klimawandel ist auch in Höhenlagen stärker, aber bislang nicht ausreichend erforscht

Berggipfel erwärmen sich schneller

Gletscher auf dem Kibo, dem höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs in Afrika © Douglas Hardy, UMass Amherst

Schwitzende Gipfel: Nicht nur die Pole, auch die Bergregionen sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Die kalten Höhenlagen erwärmen sich immer schneller, wie ein Forscheretema nun belegt. Dies bedroht nicht nur dortige Tiere und Pflanzen, sondern könnte auch weitreichende Folgen für den Menschen haben. Um das Ausmaß dieser Erwärmung in den Bergen zuverlässig abschätzen zu können, seien dringend mehr Informationen nötig, schreiben die Forscher im Journal „Nature Climate Change“.

Der Klimawandel macht sich besonders drastisch in den kalten Regionen der Erde bemerkbar: In der Arktis und der Antarktis schmilzt beispielsweise das Meereis immer schneller. Die Pole sind aber nicht die einzigen kalten Punkte auf unserem Planeten. Wer einmal auf einen Berg gewandert oder geklettert ist, weiß: Auch mit zunehmender Höhe sinkt die Temperatur. Wie sich der Klimawandel auf die hochgelegenen Bergregionen der Erde auswirkt, ist bislang jedoch kaum untersucht.

Keine Daten oberhalb von 5.000 Metern

Das liegt unter anderem am bislang herrschenden Datenmangel, sagen Wissenschaftler um Nick Pepin von der britischen University of Portsmouth: Es gibt weltweit kaum Wetterstationen, die höher als 4.500 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Von oberhalb von 5.000 Metern gibt es praktisch keine Langzeit-Daten über das Klima. Allein eine Station auf dem knapp 5.900 Meter hohen Kilimandscharo sammelt seit etwas mehr als zehn Jahren Informationen.

Für ihre Studie haben Pepin und Kollegen die spärlichen weltweit verfügbaren Daten gründlich ausgewertet. Sie untersuchten Mechanismen wie das Abschmelzen von Eis und Schnee und den Wärmeverlust mit zunehmender Höhe, aber auch Effekte durch unterschiedlich starke Luftverschmutzung in Tiefen- und Höhenlagen. Hinzu kamen Unterschiede verschiedener Regionen und Jahreszeiten.

Blick auf das Hochland von Tibet. © NASA

Temperaturanstieg seit 50 Jahren

Das deutliche Ergebnis: „Die Beweise häufen sich, dass hohe Bergregionen sich schneller erwärmen als tiefere Lagen“, fasst Pepin zusammen. Die größten Veränderungen stellten die Forscher im Hochland von Tibet fest, das auch oft als „dritter Pol“ bezeichnet wird. Dort steigen die Temperaturen seit 50 Jahren ständig an, in den letzten Jahren schneller und schneller.

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Gletscherschmelze und sich verändernde Vegetation könnten weitere Umweltveränderungen beschleunigen, warnt Pepin. „Wenn wir Recht haben und sich die Berge schneller erwärmen als andere Umweltregionen, könnten sich schwere soziale und wirtschaftliche Folgen ergeben.“ Denn aus den betroffenen Bergregionen stammt ein großer Teil des Wassers, von dem Menschen in tiefergelegenen Gebieten leben. „Dies allein erfordert große Aufmerksamkeit für dieses Thema“, so die Wissenschaftler.

Folgen: Wassermangel und Artensterben

Darüber hinaus sind die entlegenen Berggipfel aber auch ein Rückzugsgebiet vieler seltener und bedrohter Tiere und Pflanzen. Ändert sich das Bergklima zu schnell und drastisch, könnten diese Arten aussterben. Um diese Effekte zu bestätigen und besser vorhersagen zu können, seien jedoch umfangreichere Daten nötig. Besonders die Vielzahl der beteiligten Faktoren mache eine zuverlässige Bewertung ohne weitere Informationen schwierig, schreiben die Forscher.

Neue Wetterstationen für ausgedehnte Beobachtungen sowie Satellitendaten und Computermodelle könnten diese Informationen über den Klimawandel in den Bergen liefern. „Wir rufen zu besonderen Maßnahmen auf, um wissenschaftliche Beobachtungen auch auf die höchsten Gipfel auszudehnen, um zu erfassen, was mit den Bergen der Welt geschieht“, sagt Koautor Raymond Bradley von der University of Massachusetts in Amherst. „Das erfordert internationale Zusammenarbeit.“ (Nature Climate Change, 2015; doi: 10.1038/nclimate2563)

(University of Massachusetts at Amherst, 23.04.2015 – AKR)

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