Risiko für Abbruch der Atlantischen Ozeanzirkulation noch in diesem Jahrhundert Ausfall der „Fernheizung Europas“ droht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Risiko für Abbruch der Atlantischen Ozeanzirkulation noch in diesem Jahrhundert

Ausfall der „Fernheizung Europas“ droht

Oberflächennahe Zirkulation in einem hochauflösenden Modell des IFM-GEOMAR. Die Farben symbolisieren die Stärke der Strömung. © IFM-GEOMAR

Die „Fernheizung Europas“ könnte noch in diesem Jahrhundert unwiderruflich auf „Aus“ programmiert werden. Führende Klimaforscher halten es für möglich, dass Teile der für das Klima nicht nur Europas so wichtigen Atlantischen Ozeanzirkulation schon bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad ausfallen könnten.

Die so genannte Thermohaline Zirkulation (THC) transportiert große Wärmemengen in den Nordatlantik und trägt damit maßgeblich zum relativ milden europäischen Klima bei. Ein Abbruch der Strömung hätte eine ganze Reihe dramatischer Auswirkungen: Der Meeresspiegel würde rasant um bis zu einem Meter im Nordatlantik steigen, das marine Ökosystem würde massiv gestört und die weltweite Niederschlagsverteilung verändert. „Eine derart dramatische globale Strömungsänderung würde unser gesamtes Klimasystem durcheinander bringen“, erklärt Anders Levermann, Physiker am PIK und Koautor der Studie.

Die jetzt in der Fachzeitschrift „Climatic Change“ erschienene Studie basiert auf ausführlichen Interviewgesprächen mit führenden Klimawissenschaftlern im Bereich Atlantischer Ozeandynamik, die von Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zusammen mit der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, USA, durchgeführt wurden.

Ausfall schon ab zwei Grad Erwärmung möglich

Schon bei einer weiteren globalen Erwärmung von 2°C bis zum Jahr 2100 hält es die Mehrheit der befragten Experten für möglich, dass ein Abbruch der THC bis zum Ende des Jahrhunderts unumkehrbar ausgelöst wird. Für eine Erwärmung von 4°C – laut des letzten UN-Klimaberichts ein wahrscheinliches Ergebnis von ungebremstem Ausstoß an Treibhausgasen -, gehen zwei Drittel der Wissenschaftler von Wahrscheinlichkeiten zwischen 10 Prozent und 60 Prozent aus. „Vor dem Hintergrund der möglichen Folgen ist dieses Risiko zu hoch um ignoriert zu werden“, sagt Kirsten Zickfeld, Leiterin der Studie.

Die in der Befragung angegebenen Wahrscheinlichkeiten sind wesentlich größer als Werte, die sich aus neuesten Modellsimulationen ergeben. „Der Vorteil der Technik der Expertenbefragung gegenüber herkömmlichen Modellstudien liegt darin, dass die Einschätzungen auf dem gesammelten Wissen der Forscher basieren. Das beinhaltet Beobachtungsdaten, das Verständnis über die Klimageschichte unserer Erde ebenso wie die individuelle Einschätzung über die Fähigkeiten und Schwächen der Modelle“, sagt Zickfeld.

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Der Zusammenbruch der atlantischen Ozeanzirkulation ist nur einer von vielen möglichen so genannten Kipp-Prozessen im Klimasystem. Dies sind Phänomene, die abrupt oder irreversibel als Folge schleichender globaler Erwärmung eintreten können und weitreichende Auswirkungen mit sich bringen. Weitere Kipp-Prozesse sind das Schmelzen des arktischen Meereises sowie das Grönlandschmelzen oder rapide Änderungen des indischen Monsuns.

(Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 02.07.2007 – NPO)

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