Millionen Menschen sind im Sommer vom Schmelzwasser abhängig Asiens Gletscher schützen gegen Dürre - scinexx | Das Wissensmagazin
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Millionen Menschen sind im Sommer vom Schmelzwasser abhängig

Asiens Gletscher schützen gegen Dürre

Gletscher wie diese in Bhutan spielen eine Schlüsselrolle bei der Wasserversorgung im Sommer. © NASA

Tiefgefrorene Reserve: Über 800 Millionen Asiaten sind zumindest teilweise vom Schmelzwasser der Gletscher abhängig. Eine Studie zur Versorgungslage mit Wasser hebt nun die Bedeutung dieser Eismassen hervor. Nicht nur Trinkwasser und die Bewässerung der Landwirtschaft sind demnach auf das zusätzliche Wasser aus den Bergen angewiesen. Auch die Energiegewinnung durch Wasserkraftwerke hängt davon ab. Das Problem: Durch die Erderwärmung könnte diese wichtige Wasserquelle in Zukunft versiegen.

Der Klimawandel sorgt mit Hitzewellen und Wasserknappheit weltweit für Probleme. Die steigende Durchschnittstemperatur lässt unter anderem Gletscher immer weiter zurückgehen. Nicht nur in den Anden schlagen Experten deswegen Alarm. Besonders in weiten Teilen Asiens könnte das dauerhafte Gletscherschrumpfen dramatische Folgen haben.

Karte des Schmelzwassers

Die enorme Bedeutung der asiatischen Gletscher für den Menschen unterstreicht nun eine Studie von Hamish Pritchard vom British Antarctic Survey. Dazu hat der Forscher Daten zum Jahreszeiten-abhängigen Wachsen und Schrumpfen der Gletscher entlang der Himalaya-Gebirgskette gesammelt und ausgewertet.

Dass die Gletscher eine zentrale Rolle bei der Wasserversorgung der umliegenden Gebiete spielen, war zwar schon vor dieser Untersuchung hinlänglich bekannt. Doch Pritchard stellte erstmals eine detaillierte Karte zusammen, in der die Wasserzuströme aus den Gletschern mit konkreten Zahlen unterfüttert werden.

Alle zwei Jahre ein Bodensee

Das Ergebnis der Auswertung: Die gigantischen Wassermassen, die jeden Sommer aus den Gletschern freigesetzt werden, reichen theoretisch zur Grundversorgung von 136 Millionen Menschen während der vier heißesten Monate von Juni bis September. Oder anders ausgedrückt: Allein mit dem Schmelzwasser ließe sich ein Großteil des städtischen und industriellen Wasserbedarfs in Pakistan, Tajikistan, Turkmenistan, Uzbekistan und Kyrgyzstan zehn Monate lang sichern, so der Autor.

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Insgesamt errechnet Pritchard den Beitrag der asiatischen Hochgebirgsgletscher auf 23 Kubikkilometer Wasser – damit ergießt sich jeden Sommer etwa das Volumen des halben Bodensees ins Umland. So wirken die Gletscher wie ein natürlicher, erneuerbarer Wasserspeicher, der die trockenen Sommermonate überbrückt.

Wenn der Gletscher fehlt…

Das Problem: Der Klimawandel bedroht die flexiblen Wasserspeicher zusehends. So mahnt auch Tobias Bolch von der Universität Zürich in einem begleitenden Kommentar zur Studie: „Aktuelle Schätzungen gehen mit hoher Sicherheit davon aus, dass sich die meisten asiatischen Gletscher bis Ende des Jahrhunderts massiv zurückbilden werden.“

Der Rückgang der Gletscher hätte dramatische Folgen für die umliegende Bevölkerung: Pritchards Ergebnissen zufolge würde allein der monatliche Wasserzulauf am oberen Teil des Indus-Flusses in Pakistan bei Wegfallen der Gletscher um 38 Prozent sinken – und das in einem durchschnittlichen Sommer. Bei Dürre würde der Wassereintrag des Flusses sogar um 58 Prozent fallen. Und in der Aral-Region würde oft überhaupt kein Wasser mehr nachkommen.

Strom-Engpässe?

Neben kritischen Engpässen bei der Trinkwasserversorgung und der Landwirtschaft, wäre auch die Industrie vom weiteren Rückgang der Gletscher betroffen, wie die Studie verdeutlicht. Dies trifft besonders auf die Stromerzeugung durch Wasserkraftwerke zu.

„Selbst in Jahren mit durchschnittlichen Niederschlagsmengen macht das Schmelzwasser aus den Gletschern mehr als zwei Drittel des Fassungsvermögens der Tarbela-Talsperre aus – dem größten Wasserkraftwerk Pakistans“, erläutert Bolch. Ohne die Wassermassen aus dem Gletscher würde die Erzeugung von Strom im Jahresumsatz von 250 Millionen US Dollar vermutlich bald einbrechen. (Nature, 2017; doi: 10.1038/nature22062)

(British Antarctic Survey, Cambridge, United Kingdom, 11.05.2017 – CLU)

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