Schutzwirkung durch veränderte Niederschlagsmuster kann sich schon bald umkehren Antarktis-Meereis: Schneefall schützt vor Schmelze - noch - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schutzwirkung durch veränderte Niederschlagsmuster kann sich schon bald umkehren

Antarktis-Meereis: Schneefall schützt vor Schmelze – noch

Meereis am antarktischen Ross-Eisschelf © NOAA

Während das arktische Meereis dahinschmilzt, schützt ein verstärkter Schneefall die Eisflächen im Südpolarmeer vor dem Schwinden – noch. Denn dieser jetzt von amerikanischen Forschern aufgedeckte Schutzmechanismus ist nicht von Dauer: Noch in diesem Jahrhundert könnte das sensible Gleichgewicht umkippen und das antarktische Meereis dann umso schneller schmelzen, wie die Wissenschaftler anhand von Klimamodellrechnungen in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science“ demonstrieren.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten schrumpft das arktische Meereis in alarmierender Geschwindigkeit. Schuld daran ist der Klimawandel, der sich besonders in den Polargebieten der Arktis besonders stark durch steigende Temperaturen bemerkbar macht. Am anderen Ende der Erde jedoch, im Südpolarmeer, scheint der Klimawandel bisher kaum Wirkung zu zeigen. In einigen Gebieten hat sich die Fläche des antarktischen Meereises sogar leicht erhöht. Aber warum? Immerhin sind auch dort die Lufttemperaturen gestiegen. Diese Frage haben jetzt Wissenschaftler vom Georgia Institute of Technology untersucht.

„Wir wollten dieses scheinbare Paradox ergründen, damit wir besser verstehen können, was durch den Klimawandel im kommenden Jahrhundert mit dem antarktischen Meereis geschehen könnte“, erklärt Jiping Liu vom Georgia Tech. Liu und ihre Kollegen nutzten zwei gekoppelte Atmosphären-Ozeanmodelle, um die Entwicklung von Lufttemperatur, Niederschlägen, Meerestemperaturen und Eisentwicklung der letzten Jahrzehnte zu analysieren, Auch die Entwicklung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts modellierten die Forscher.

Niederschlagsveränderungen 1993-2005 gegenüber dem Durchschnitt der davorliegenden zwei Jahrzehnte. © Georgia Institute of Technology

Schneefall schützt Eis

Die Auswertungen ergaben, dass die antarktischen Meereismassen in den letzten Jahrzehnten von einer Art ausgleichendem Mechanismus profitierten: Zwar erwärmte sich auch dort die Luft und in geringerem Maße das Meerwasser, gleichzeitig aber veränderten sich die Niederschlagsmuster. Im Zeitraum von 1979 bis 1999 fiel in weiten Bereichen des Südpolarmeers deutlich mehr Schnee als in den 1950er und 1960er Jahren. Diese Schneeschicht trug dazu bei, die Eisschicht und die obersten Wasserschichten zu isolieren und vor einem Abschmelzen zu schützen. Gleichzeitig reflektiert frisch gefallener Schnee das Sonnenlicht stärker und schützt auch damit vor einer Erwärmung des Eises.

Schutzwirkung kippt um

Doch leider hält dieser Schutzmechanismus nicht an: Im nächsten Schritt simulierten die Wissenschaftler die voraussichtliche Entwicklung von Treibhausgasemissionen und Temperaturen für das 21. Jahrhundert. Mit fortschreitender Erwärmung, so zeigten die Modelle, verkehrt sich der Vorteil durch die stärkeren Niederschläge ins Gegenteil. Denn dann fallen diese nicht mehr als Schnee, sondern vermehrt als Regen. Als Folge taut das Meereis nun deutlich schneller von oben, und gleichzeitig von unten durch das sich erwärmende Meer.

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„Wir könnten, innerhalb von nur Jahrzehnten, ein Umkippen in der Antarktis erleben und damit dann auch dort ein Schwinden des Meereises“, erklärt Judith A. Curry, Professorin für Geo- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Tech. Der jetzige Status sei daher kein Grund zur Entwarnung.

(Georgia Institute of Technology, 18.08.2010 – NPO)

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