Rückstände in Gefäßscherben belegen Ölherstellung schon vor rund 4.000 Jahren Ältestes Olivenöl Italiens entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rückstände in Gefäßscherben belegen Ölherstellung schon vor rund 4.000 Jahren

Ältestes Olivenöl Italiens entdeckt

AUs 400 Fragmeten wieder zusammengesetzt: In diesem rund 4.000 Jahre alten Gefäß wurde einst Olivenöl aufbewahrt. © Regione Sicilia - Museo Paolo Orsi

Prähistorische Mittelmeerküche: Schon vor rund 4.000 Jahren wurde in Italien Olivenöl hergestellt und konsumiert – mindestens 700 Jahre früher als bisher angenommen. Das belegen Ölrückstände in mehreren Gefäßscherben, die Archäologen auf Sizilien entdeckt haben. Diese Gefäße stammen aus der frühen Bronzezeit und wurden damals offenbar zur Aufbewahrung und zum Servieren von Olivenöl genutzt.

Heute ist das Olivenöl aus der Mittelmeerküche kaum mehr wegzudenken. Das Pflanzenöl gilt wegen seiner ungesättigten Fettsäuren als besonders gesund. Gleichzeitig sorgen Aromastoffe im Öl dafür, dass wir uns nach einer Mahlzeit satter fühlen – und daher auch weniger essen, wie Forscher vor einigen Jahren herausfanden.

Unklar war jedoch, seit wann wird Olivenöl im Mittelmeerraum gezielt hergestellt und genutzt wird. Bisher galten Olivenölreste in Tonkrügen aus Süditalien als älteste Belege für die Olivenölproduktion. Sie stammen aus dem zwölften und elften Jahrhundert vor Christus.

Scherbenfunde auf Sizilien

Doch wie sich jetzt zeigt, begann die kulinarische Liebesgeschichte der Italiener mit ihrem Olivenöl schon deutlich früher. Den Beleg dafür haben nun Davide Tanasi von der University of Southern Florida und sein Team auf Sizilien entdeckt. Bei Ausgrabungen in Castelluccio waren Archäologen bereits in den 1990er Jahren auf mehr als 400 Keramikfragmente gestoßen. Diese wurden seither in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt.

Das Ergebnis ist ein gut einen Meter hohes, eiförmiges Tongefäß mit drei Henkeln auf jeder Seite – offenbar eine Art Vorratsbehälter. Am gleichen Fundort entdeckten die Forscher zwei zerbrochene Schalen, deren Inneres durch eine Trennwand in zwei Hälften geteilt war. Offenbar wurden diese Schalen genutzt, um verschiedene Flüssigkeiten oder Nahrungsmittel getrennt zu servieren.

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Geschirr aus der Bronzezeit

„Die Form dieses Vorratsbehälters und der Trenner-Schalen sind anders als alle anderen Fundstücke an diesem Ort“, berichtet Tanasi. „Sie tragen die Handschrift der sizilianischen Keramik, wie sie Ende des dritten und Anfang des zweiten Jahrtausends vor Christus üblich war.“ Damit sind diese Gefäße bereits gut 4.000 Jahre alt und stammen aus der frühen Bronzezeit.

Doch was wurde in ihnen gelagert oder serviert? Um das zu klären, untersuchten Tanasi und seine Kollegen, ob es organische Rückstände in den Gefäßfragmenten gab und welche. Dafür unterzogen sie Proben vom Scherbeninneren einer Analyse mittels Gaschromatografie, Massenspektrometrie und sogar einer Kernspin-Untersuchung.

Rückstände von Ölkomponenten

Das Ergebnis: In allen drei Gefäßproben fanden die Wissenschaftler Rückstände von Oleinsäure und Linolsäure – und beides sind typische Komponenten von Olivenöl. Nach Ansicht von Tanasi und seine Kollegen ist dies ein klarer Beleg dafür, dass die Menschen auf Sizilien schon in der frühen Bronzezeit Olivenöl herstellten und konsumierten.

„Dies ist damit ein chemischer Beleg für das älteste bekannte Olivenöl im prähistorischen Italien“, sagt Tanasi. „Diese Funde verschieben die bisherige Zeit für die erste Olivenölproduktion um mindestens 700 Jahre in die Vergangenheit.“ (Analytical Methods, 2018; doi: 10.1039/C8AY00420J)

(University of Southern Florida, 06.06.2018 – NPO)

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