90.000 Jahre altes Fossil ist frühester Homo sapiens-Fund außerhalb Afrikas und der Levante Ältester Homo sapiens aus Arabien entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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90.000 Jahre altes Fossil ist frühester Homo sapiens-Fund außerhalb Afrikas und der Levante

Ältester Homo sapiens aus Arabien entdeckt

Dieser Fingerknochen beweist es: Schon vor rund 90.000 Jahren lebten moderne Menschen in Saudi-Arabien. © Ian Cartwright

Überraschender Fund: In Saudi-Arabien haben Forscher das älteste Homo sapiens-Fossil außerhalb Afrikas und der Levante entdeckt. Der rund 90.000 Jahre alte Fingerknochen belegt: Unsere Vorfahren verließen Afrika früher und kamen dabei weiter als es die gängige Theorie besagt. Der Fund könnte zudem darauf hindeuten, dass die frühen Menschen Afrika über zwei unterschiedliche Routen verließen – eine nördliche über die Levante und eine südliche nach Arabien hinein.

Lange schien klar, dass die ersten anatomisch modernen Menschen vor rund 200.000 Jahren in Afrika entstanden und sich von dort anschließend über die ganze Erde verbreiteten. Den ersten Anlauf, den afrikanischen Kontinent zu verlassen, unternahmen die frühen Homo sapiens demnach vor rund 130.000 bis 90.000 Jahren – schafften es dabei jedoch nur bis in die benachbarte Levante. Erst bei einer zweiten Expansionswelle vor rund 60.000 Jahren drangen unsere Vorfahren dann in weite Teile Eurasiens und bis nach Australien vor.

Neue Fossilfunde haben diesen bisher gültigen „Zeitplan“ allerdings bereits in Frage gestellt: Zum einen offenbaren 300.000 Jahre alte Homo sapiens-Knochen, dass sich unsere Spezies früher entwickelte als bisher angenommen und sich außerdem deutlich schneller innerhalb Afrikas verbreitete. Zum anderen deuten mindestens 177.000 Jahre alte Fossilien aus Israel auf eine wesentlich frühere Ankunft des Homo sapiens in der Levante hin.

Die Fundstätte Al Wusta: Wo heute Wüste ist, gab es früher einen Süßwasser-See. © Klint Janulis

Überraschend alt

Für weitere Überraschung sorgt nun ein Fund aus der Wüste Nefud in Saudi-Arabien: Wissenschaftler um Huw Groucutt von der University of Oxford haben dort an der Fundstelle Al Wusta neben zahlreichen Überresten von Tieren und menschengemachten Steinwerkzeugen das Fossil eines drei Zentimeter langen Fingerknochens entdeckt. Vergleiche mit anderen Fossilien zeigten, dass dieser eindeutig zu einem Menschen unserer Spezies gehört.

Das Besondere daran: Eine Analyse mithilfe der Uran-Thorium-Datierung ergab ein erstaunlich hohes Alter für den Knochen. Demnach ist der Fund zwischen 85.000 und 90.000 Jahre alt – und damit das älteste bekannte Homo sapiens-Fossil außerhalb von Afrika und der Levante. Das wiederum bedeutet, dass unsere Vorfahren Afrika nicht nur früher verließen als gedacht. Sie kamen auf ihrem Weg auch schon früh überraschend weit.

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Ankunft im Grünen

„Diese Entdeckung belegt zum ersten Mal eindeutig, dass frühe Vertreter unserer Spezies über die Levante hinaus in Südwestasien ein ausgedehntes Gebiet besiedelten“, sagt Groucutt. Die Fähigkeit dieser Menschen, sich schon damals so weit zu verbreiten, stelle die gängige Annahme infrage, dass frühe Ausbreitungsversuche außerhalb Afrikas lokal begrenzt und wenig erfolgreich waren.

Als die ersten Menschen damals das Gebiet rund um Al Wusta erreichten, kamen sie offenbar in einem grünen Arabien an. Denn weitere Untersuchungen der Fundstelle zeigten: Statt Wüste gab es dort vor rund 90.000 Jahren einen Süßwasser-See. Das Klima war feucht und von sommerlichem Monsunregen geprägt. Auf günstige Klimaverhältnisse zu dieser Zeit hatten bereits vor einigen Jahren Bodenproben aus dem Süden Arabiens hingedeutet.

Migration über zwei Routen?

Womöglich waren es diese Bedingungen, die den frühen Homo sapiens die Besiedlung des arabischen Graslands erleichterten, wie die Forscher spekulieren. Neben den mediterranen und durch winterliche Regenfälle geprägten Waldgebieten der Levante fanden unsere Vorfahren demnach auch im heutigen Saudi-Arabien eine frühe, lebensfreundliche Heimat.

Der Fund scheint damit den Zeitplan der Verbreitung des Homo sapiens erneut durcheinander zu wirbeln. Gleichzeitig untermauert er jedoch auch Vermutungen über die Route, auf denen diese stattfand. So könnten sich die Menschen einer gängigen Theorie zufolge ausgehend von Afrika über zwei Wege in Eurasien ausgebreitet haben: zum einen über einen nördlichen Weg durch den sogenannten Levante-Korridor, zum anderen über eine südliche Route durch die Bab al-Mandab-Straße nach Arabien hinein.

Neue Schlüsselregion

Diese Annahme scheint der aktuelle Fund zu bestätigen, wie der nicht an der Studie beteiligte Anthropologe Donald Henry von der University of Tulsa kommentiert. Zwar könnte eine frühe Population von Homo sapiens theoretisch zunächst die Levante und von dort aus Saudi-Arabien besiedelt haben. Allerdings unterscheiden sich die zum Beispiel in Israel gefundenen Artefakte deutlich von denen aus Al Wusta. „Das unterstützt die These unterschiedlicher Gruppen, die Afrika über zwei verschiedene Routen verließen“, schreibt Henry.

„Die arabische Halbinsel galt lange Zeit eher als Nebenschauplatz für die Entwicklung des Menschen. Diese Entdeckung macht Arabien zu einer Schlüsselregion für das Verständnis unserer Ursprünge und unserer Expansion in den Rest der Welt „, schließt Mitautor Michael Petraglia vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. (Nature Ecology & Evolution, 2018; doi: 10.1038/s41559-018-0518-2)

(Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte/ Nature Press, 10.04.2018 – DAL)

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