Brief aus dem Jahr 230 gibt Einblicke in das Leben der Frühchristen im römischen Ägypten Frühester Brief eines Christen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Frühester Brief eines Christen

Brief aus dem Jahr 230 gibt Einblicke in das Leben der Frühchristen im römischen Ägypten

Papyrus-Brief
Die letzte Zeile dieses Papyrus aus der Zeit um 230 nach Christus enthält eine christliche Grußformel. Dies macht diesen Text zum ältesten christlichen Brief weltweit. © Universität Basel

Einzigartige Rarität: Forscher haben den bisher ältesten bekannten Brief eines Christen aufgespürt – er stammt aus der Zeit um 230 nach Christus, wie Datierungen belegen. Der auf Papyrus geschriebene Brief enthält Schilderungen von Alltagsereignissen und Familienangelegenheiten, die spannende Einblicke in das Leben der frühen Christen im römischen Ägypten bieten. Schreiber und Adressat des Briefs sind zwei Brüder, die aus einem christlichen Elternhaus stammten.

Die frühen Christen lebten in einer Welt des Umbruchs. Denn im römischen Reich und seinen Provinzen waren sie als Minderheit mit völlig neuen Ansichten und religiösen Praktiken zunächst exotische Außenseiter. Später wurden sie sogar systematisch verfolgt, unter anderem vom römischen Kaiser Nero. Doch über das Alltagsleben der frühen römischen Christen ist bislang nur wenig bekannt – vor allem nicht von den Christen, die damals abseits der großen Städte lebten.

Fischsoße und eine verräterische Schlussformel

Neue Einblicke in den Alltag dieser Menschen liefert nun der bisher älteste bekannte Brief eines frühen Christen. Die auf Papyrus geschriebene Handschrift wurde ursprünglich im Dorf Theodelphia in Mittelägypten entdeckt – damals Teil der römischen Provinz. In ihr informiert ein Mann namens Arrianus seinen Bruder Paulus über neueste Familienangelegenheiten und Alltagsereignisse. Datierungen belegen, dass dieser Brief aus der Zeit um 230 nach Christus stammt.

Das Entscheidende aber: Nachdem der Briefschreiber über alltägliche Familienbegebenheiten berichtet und um die beste Fischsoße als Mitbringsel bittet, wünscht er seinem Bruder in der letzten Zeile, dass es ihm wohlergehen werde „im Herrn“. Dabei verwendet der Autor die abgekürzte Schreibweise der christlichen Formel „Ich bete, dass es Dir gut geht ‚im Herrn'“.

Beide Brüder waren Christen

„Die Verwendung dieser Abkürzung – wir sprechen hier von einem sogenannten nomen sacrum – lässt keinen Zweifel an der christlichen Gesinnung des Briefschreibers“, sagt die Historikerin Sabine Huebner von der Universität Basel. „Es handelt sich dabei um eine exklusiv christliche Formel, die uns aus neutestamentarischen Abschriften überliefert ist.“ Dies belegt, dass der im römischen Ägypten lebende Mann Arrianus bereits ein Christ gewesen sein muss.

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Damit stellt dieser Papyrus das bisher älteste bekannte christliche Dokument aus dem römischen Ägypten und weltweit dar. Er ist mindestens 40 bis 50 Jahre älter als alle weltweit bisher bekannten christlich-dokumentarischen Briefe. Auch der Name des Bruders sei aufschlussreich, erklärt Huebner: „Paulus ist ein zu dieser Zeit äußerst seltener Name“, so die Historikerin. „Wir dürfen daraus ableiten, dass die im Brief genannten Eltern bereits Christen waren und ihren Sohn schon um 200 nach Christus nach dem Apostel benannt hatten.“

Elite trotz neuer Religion

Das Spannende daran: Der Brief beschreibt ganz alltägliche Familienangelegenheiten und ist doch einzigartig in seiner Art. Denn er bietet wertvolle Einblicke in die Welt der ersten Christen im römischen Reich, die so aus keiner anderen historischen Quelle bekannt sind. So belegt der Text, dass es im frühen dritten Jahrhundert auch im ägyptischen Hinterland abseits der Städte schon Christen gab, wie Huebner erklärt.

Der Papyrus liefert auch interessante Details zur sozialen Herkunft dieser frühen christlichen Familie: Demnach waren Arrianus und sein Bruder Paulus junge gebildete Söhne der Lokalelite, Landbesitzer und Träger öffentlicher Ämter. Die frühen Christen im römischen Ägypten nahmen demzufolge durchaus politische Leitungsfunktionen ein und unterschieden sich auch ansonsten in ihrem alltäglichen Leben nicht von ihrer heidnischen Umwelt.

Der Brief und weitere Papyri aus der Basler Sammlung sind auf der Plattform Papyri.info digital veröffentlicht.

Quelle: Universität Basel

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