Abdrücke deuten auf komplexere Lebensformen schon vor dem Kambrium hin Älteste Tier-Fußstapfen der Welt entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Abdrücke deuten auf komplexere Lebensformen schon vor dem Kambrium hin

Älteste Tier-Fußstapfen der Welt entdeckt

Nur zwei Millimeter groß sind die runden Fußabdrücke im Gestein, die sich als parallele Spur im Sediment entlang ziehen. © Kevin Fitzsimons, Ohio State University

In Nevada haben Forscher die ältesten jemals entdeckten Fußspuren eines Tieres entdeckt. Mit einem Alter von 570 Millionen Jahren sind die nur zwei Millimeter kleinen Abdrücke eines Meeresbewohners deutlich älter als alle bisher gefundenen Hinweise auf mehrzellige Lebewesen mit Beinen.

Ein Geologenteam der Ohio State Universität stieß im Jahr 200 auf die Tierspuren, als sie eine Gesteinsformation in den Bergen nahe Goldfield in Nevada untersuchten. Im Gestein fand sich eine Reihe von parallelen, nur zwei Millimeter kleinen Abdrücken. „Das war wirklich ein Zufallsfund“, erklärt Loren Babcock, Professor für Geowissenschaften an der Ohio State Universität. „Wir kamen an einen Aufschluss, der aussah als wenn er die Grenze zwischen Kambrium und Präkambrium bilden könnte und daher schauten wir uns das näher an. Wir setzten uns nur hin und drehten Steine um. Und nach weniger als einer Stunde hatten wir sie gefunden.“

Komplexes Leben noch vor dem Kambrium?

Datierungen ergaben, dass das Gestein, in dem die Tierspuren konserviert sind, rund 570 Millionen Jahre alt sind und damit aus einer Ära stammen, die noch vor dem Kambrium, der Hauptentwicklungszeit der meisten Tiergruppen, liegt. Bisher waren Forscher der Ansicht, dass in diesem erst kürzlich als Ediacaran benannten Zeitalter nur Mikroorganismen und einfache Mehrzeller existierten. Doch offensichtlich gab es damals auch schon Mehrzeller, die sich auf Beinen fortbewegten.

„Wir sprechen zwar immer über die Möglichkeit, dass es auch im Ediacaran bereits komplexere Tiere gegeben hat – Weichkorallen, einige Arthropoden, Plattwürmer, aber die Beweise waren bisher nicht sehr überzeugend“, so Babcock. „Aber wenn man Beweise findet wie wir es getan haben – ein Tier, das umhergelaufen ist – dann macht dies diese Möglichkeit weitaus wahrscheinlicher.“

Fußspuren von Arthropoden-ähnlichem Lebewesen?

Der Wissenschaftler ist nach eigenen Aussagen „ziemlich sicher, wenn auch nicht 100 Prozent“, dass die fossilen Abdrücke von einem Hundertfüßer-ähnlichen Gliedertier oder einem beintragenden Wurm. Ein eindeutigerer Beleg wäre natürlich der Fund eines fossilen Tieres selbst, daher wollen die Wissenschaftler nun weiter danach suchen. Allerdings sind Fossilien aus dieser Zeit selten, da die meisten Organismen Weichtiere sind, deren Gewebe sich nicht erhalten haben.

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„Ich erwarte, dass es eine Menge Skepsis geben wird“, so Babcock. „Aber es wird wahrscheinlich auch einige Leute dazu bringen, sich die Gesteine, die sie bereits haben nochmal genauer anzusehen. Manchmal ist es nur eine Sache des unterschiedlichen Blickwinkels auf das gleiche Objekt.“

(Ohio State University, 06.10.2008 – NPO)

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