Funde zeugen von islamischer Eroberungsbewegung Älteste muslimische Gräber Frankreichs entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Funde zeugen von islamischer Eroberungsbewegung

Älteste muslimische Gräber Frankreichs entdeckt

Eines der drei Gräber aus Nimes. Die Position des Toten deutet darauf hin, dass hier vor gut 1200 Jahren ein Moslem begraben wurde. © Gleize et al./ PLSO ONE

Neues Puzzlestück: Drei Gräber in Nimes könnten die ersten archäologischen Belege für die arabisch-islamische Eroberung Südfrankreichs während des Mittelalters sein. Die in den Ruhestätten gefundenen sterblichen Überreste stammen wahrscheinlich von nordafrikanischen Berbern, die als Teil der muslimischen Truppen im achten Jahrhundert nach Europa kamen, berichten Forscher im Fachmagazin „Plos One“. Zudem deuten die Funde daraufhin, dass das Zusammenleben von Eroberern und Eroberten durchaus friedlich verlaufen konnte.

Die arabisch-islamischen Eroberungsbewegungen während des frühen Mittelalters mündeten in der Formation eines Weltreichs von beeindruckendem Ausmaß – das sogar bis nach Europa reichte. Wie die Araber in den Mittelmeerraum gelangten, ist bekannt: Sie breiteten sich zunächst über den Norden Afrikas aus, wo es ihnen unter anderem gelang, einheimische Berber zu islamisieren. Diese spielten später wiederum eine bedeutende Rolle bei der Eroberung von Südwesteuropa.

Sarazenen auch in Frankreich?

Vom fünften bis zum achten Jahrhundert verbreiteten sich die muslimischen Truppen über den heutigen Südwesten Frankreichs sowie die Iberische Halbinsel – und leiteten einen kulturellen Wandel ein. Während die Eroberung von Spanien und Portugal durch archäologische Funde und textliche Quellen gut dokumentiert ist, wissen Forscher über die Anwesenheit der Muslime diesseits der Pyrenäen jedoch relativ wenig.

Verbreitung der muslimischen Sarazenen im siebten Jahrhundert. © Gleize et al./ PLOS ONE

Wissenschaftler um Yves Gleize von der Universität Bordeaux haben nun drei Gräber in der mittelalterlichen Stadt Nimes untersucht und tatsächlich Hinweise auf die Besiedelung Südfrankreichs durch die islamischen Sarazenen entdeckt. Für ihre Studie haben die Forscher das Erbgut der gefundenen Skelette analysiert sowie ihr Geschlecht und Alter bestimmt. Darüber hinaus untersuchten sie, wie die Menschen bestattet worden waren.

Muslimische Rituale

Die Analyse zeigt: Es handelt sich um drei erwachsene Männer, die wahrscheinlich nordafrikanischer Abstammung sind. Ihr Alter datieren die Forscher auf das siebte bis achte Jahrhundert.

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Die Art der Bestattung zeugt von muslimischen Ritualen: In allen drei Gräbern lagen die Skelette auf der Seite, den Kopf nach Südosten gerichtet, also gen Mekka. Die Arme waren meist ausgestreckt, die Beine entweder ausgestreckt oder gekreuzt. Zudem glauben die Wissenschaftler, dass die Körper einst eingewickelt gewesen sein könnten. All diese Praktiken entsprechen ihnen zufolge sowohl mittelalterlichen als auch modernen muslimischen Bestattungsritualen.

Diese Aufnahme zeigt die beiden anderen muslimischen Gräber aus Nimes. © Gleize et al./ PLOS ONE

Friedliche Gemeinschaft?

„Damit sind die Gräber die frühesten mittelalterlichen muslimischen Ruhestätten, die wir in Frankreich kennen“, schreiben die Forscher. Insgesamt deuteten die Daten darauf hin, dass die Gräber zu Berbern gehörten, die während der arabischen Eroberungswelle nach Europa kamen. Für die Einwanderung der ersten Muslime nach Südfrankreich gibt es mit den Funden aus Nimes demnach nun erstmals archäologische Belege.

Zudem legen die Gräber nahe, dass es damals durchaus ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen gegeben hat, glauben die Wissenschaftler: „Die Grabstätten auf dem Friedhof waren räumlich nicht isoliert. Es existierte offensichtlich keine strikte Trennung zwischen christlichen und muslimischen Gräbern.“ Für sie ist damit klar: „Die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen entsprachen nicht den typischen Klischees, die heute noch in vielen Geschichtsbüchern zu finden sind – sie waren weitaus komplexer.“ (PLoS ONE, 2016; doi: 10.1371/journal.pone.0148583)

(PLOS, 25.02.2016 – NPO)

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