Abhängigkeit der EU von Fischimporten nimmt zu Ab heute: Nur noch Fisch von auswärts - scinexx | Das Wissensmagazin
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Abhängigkeit der EU von Fischimporten nimmt zu

Ab heute: Nur noch Fisch von auswärts

Jeder ab jetzt konsumierte Fisch kommt von außerhalb. © SXC

Am heutigen Tag haben die Deutschen ihren „Fish Dependence Day“ erreicht: Sie haben die gesamte Fischmenge, die von der heimischen Fischerei in europäischen Gewässern in diesem Jahr gefangen werden kann, bereits verzehrt. Jeder ab jetzt konsumierte Fisch kommt von außerhalb. Dies geht aus einer Studie der englischen New Economics Foundation und der OCEAN2012-Kampagne hervor, in der für die Europäische Union und jeden einzelnen Mitgliedstaat das Maß an Selbstversorgung ermittelt wurde.

Der 27. April ist das errechnete Datum, ab dem Deutschland für den Rest des Jahres auf den Import von Fisch und Meeresfrüchten angewiesen ist. Darauf weisen die Verbände der OCEAN2012-Kampagne hin, die sich im Rahmen der Reform der europäischen Fischereipolitik gegen die Überfischung der Meere innerhalb und außerhalb der EU engagieren. In einer gemeinsamen Studie mit der englischen New Economics Foundation ermittelten sie für die Europäische Union und jeden einzelnen Mitgliedstaat das Maß an Selbstversorgung bei Fisch und Meeresfrüchten. Der auf Kalendertage umgerechnete Eintritt der Abhängigkeit von Einfuhren wird als „Fish Dependence Day“ des jeweiligen Staates ausgedrückt.

Überfischung in andere Teile der Welt exportiert

„Die EU verfügt über die größten Fischereigewässer der Welt – doch überwiegend werden sie nicht verantwortungsvoll bewirtschaftet. Um unseren wachsenden Appetit auf Fisch zu stillen, exportieren wir die Überfischung in andere Teile der Welt“, sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin der Deutschen Umwelthilfe und Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland. „Wie wir dieser zerstörerischen Tendenz entgegenwirken können, liegt auf der Hand: Die europäischen Fischbestände müssen wieder so weit aufgebaut werden, dass sie nachhaltig befischt werden können. Zugleich dürfen wir nur so viel verbrauchen, wie wir den Beständen nachhaltig entnehmen können.“

Die EU insgesamt benötigt etwa die Hälfte des Jahres – ab dem 3. Juli 2011 – Fisch von außerhalb. Seit 2000 lag das errechnete Datum der EU-weiten Abhängigkeit von Fischimporten jeweils früher als im Vorjahr. Der Fish Dependence Day wird heute fast einen Monat eher erreicht – was unsere zunehmende Abhängigkeit von Fischen aus auswärtigen Gewässern unterstreicht. Zum Vergleich: In Portugal wird der Fish Independence Day einen Tag früher als in Deutschland, am 26. April, erreicht, in Italien am 30. April, in Spanien am 8. Mai, in Frankreich am 13. Juni und in Großbritannien am 16.

Juli.

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„Mehr Fisch zu verzehren als die EU-Gewässer hergeben bedeutet, die Zukunft der Fischbestände und der von ihnen lebenden Küstengemeinschaften aufs Spiel zu setzen. Wir riskieren Jobs und Existenzen in der EU und weit darüber hinaus“, sagt Aniol Esteban von der New Economics Foundation und OCEAN2012, der den Bericht mitverfasst hat. „Die Bankenkrise hat uns die Gefahren gelehrt, über unsere finanziellen Verhältnisse zu leben. Eine noch größere Gefahr geht davon aus, über unsere ökologischen Verhältnisse zu leben. Die gute Nachricht ist, dass wir im Rahmen der gegenwärtigen Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik in der EU das Ruder herumreißen können.“

„Dieser Bericht unterstreicht: Wenn die Menschen nachhaltige Fischprodukte wollen, müssen sie bei den Entscheidungsträgern eine verantwortungsvolle Fischereipolitik einfordern. Die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik muss an erster Stelle die ökologische Nachhaltigkeit der Europäischen Fischereien sicherstellen“, so Nina Wolff.

Bericht zum Fish Dependence Day in Europa PDF)

(Deutsche Umwelthilfe, 27.04.2011 – NPO)

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