Meeresorganismen verstärken die Entstehung von Mikroplastik aus Kunststoffabfall 1,75 Millionen Mikroplastikstücke aus einer Tüte - scinexx | Das Wissensmagazin
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Meeresorganismen verstärken die Entstehung von Mikroplastik aus Kunststoffabfall

1,75 Millionen Mikroplastikstücke aus einer Tüte

Aus einer einzigen Plastiktüte können allein die Flohkrebse 1,75 Millionne Mikroplastikteile machen. © Placebo365/ thinktock

Gründlich zerstückelt: Flohkrebse können eine einzige Plastiktüte in 1,75 Millionen winziger Einzelteile zerlegen – und tragen so entscheidend zur Bildung von Mikroplastik bei. Bei Versuchen im Labor und am Strand zeigte sich, dass schon ein Flohkrebs bis zu acht Mikroplastikstücke am Tag produzieren kann. Die Plastiksorte spielt dafür offenbar keine Rolle. War der Kunststoff aber bereits mit einem Biofilm bewachsen, zerschredderten die Krebse ihn noch schneller.

Unser Plastikmüll findet sich mittlerweile überall: Er schwimmt in unseren Flüssen, entlegenen Meeresgebieten und selbst in der Tiefsee. Aber auch in Salz, Getränken und Honig wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen. Für Wasserorganismen, aber auch Vögel und andere Tiere ist der Kunststoffabfall mittlerweile zur tödlichen Gefahr geworden.

Plastiktüten als Flohkrebs-Mahlzeit

Was mit unseren Plastiktüten geschieht, wenn sie einmal den Strand und das Meer erreicht haben, haben Danielle Hodgson von der University of Plymouth nun näher untersucht. Sie wollten wissen, ob die an den Küsten Europas häufig vorkommenden Flohkrebse der Art Orchestia gammarellus den Kunststoff von Plastiktüten anknabbern und wie schnell und gründlich sie dies tun.

„Der Plastikmüll wird von Organismen gefressen, aber wie stark sie ihn dabei zerkauen und wie die Darmpassage die unverdaulichen Plastikteile verändert, war bisher unklar, „, erklären die Forscher. Für ihre Studie legten sie größere Folienstücke aus verschiedenen Plastikmaterialien in Aquarien mit den Flohkrebsen. Einige dieser Plastikteile waren dabei bereits mit einem Biofilm aus Bakterien und Algen bewachsen, andere nicht.

Flohkrebse der Art Orchestia gammarellus sind an unseren Küsten häufig © Auguste Le Roux/ CC-by-sa 3.0

Bis zu acht Schnipsel pro Krebs und Tag

Die Flohkrebse leisteten gründliche Arbeit: Sie zerschredderten die Plastikfolien in relativ kurzer Zeit in unzählige, nur noch 0,5 Millimeter kleine Teile. Diese schieden sie mit ihrem Kot aus, so dass dieses frisch generierte Mikroplastik vor allem auf und im Sediment angereichert war, wie die Forscher berichten.

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Pro Tag erzeugte ein Flohkrebs bei sauberem Tütenmaterial im Durchschnitt zwei bis drei solche Minischnipsel, war das Plastik aber mit einem Biofilm bewachsen, vervierfachte sich das Fraßtempo. Im Mittel 8,23 Mikroplastikstücke produzierte dann ein einziger Flohkrebs pro Tag. Aus welcher Kunststoffsorte die Folie bestand, machte dabei keinen Unterschied.

1,75 Millionen Einzelteile

Das aber bedeutet: Aus einer einzigen Plastiktüte, die aus unserem Abfall an den Strand und ins Meer gelangt, machen allein die Flohkrebse rund 1,75 Millionen Mikroplastikteile. „Damit deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Tätigkeit von marinen Organismen die Bildung von Mikroplastik in der Umwelt noch substantiell verstärken könnte“, konstatieren Hodgson und ihre Kollegen.

„Jedes Jahr werden rund 120 Millionen Tonnen von nur einmal genutzten Plastikobjekten wie den Plastiktüten produziert – und sie sind die Hauptquelle des Plastikmülls“, sagt Hodgson. „Dieser Abfall ist nicht nur ein ästhetisches Problem, er hat das Potenzial, schwerwiegende und anhaltende Umweltschäden hervorzurufen.“ (Marine Pollution Bulletin, 2017; doi: 10.1016/j.marpolbul.2017.11.057)

(University of Plymouth, 11.12.2017 – NPO)

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