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1,5 Grad Erwärmung schon bis 2026?

Temperaturen könnten schon in den nächsten fünf Jahren die Paris-Klimaschutzschwelle erreichen

Heiße Erde
Heiße Erde: Der Schwellenwert von 1,5 Grad Erwärmung könnte schon vor 2026 erreicht werden – zumindest temporär. © RomoloTavani/ Getty images

Keine guten Aussichten: Schon innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten die globalen Mitteltemperaturen die Schwelle von 1,5 Grad Erwärmung gegenüber präindustriellen Verhältnissen erreichen – zumindest zeitweilig. Schon jetzt liegt die Erwärmung bei 1,1 Grad, wie die World Meteorological Organization (WMO) berichtet. Zudem werden die Jahre bis 2026 sehr wahrscheinlich die fünf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Lage ist ernst: Schon jetzt häufen sich Wetterextreme wie Dürren, Hitzewellen, Stürme und Starkregen – ein Drittel der Menschheit ist laut jüngstem IPCC-Bericht bereits von den Folgen des Klimawandels akut betroffen. Damit es für uns und die folgende Generation nicht noch schlimmer kommt, soll der Klimawandel laut Pariser Klimaabkommen auf 1,5 Grad Erwärmung beschränkt werden – dies gilt als die Schwelle, ab der die Klimafolgen noch halbwegs beherrschbar bleiben.

Temperatur
Prognosen für die Temperaturanomalie im Jahr 2022 nach verschiedenen Klimamodellen. © WMO

1,5 Grad Erwärmung schon bis 2026

Doch ein aktueller Bericht der World Meteorological Organization (WMO) macht nur wenig Hoffnung, dass sich die Welt in die richtige Richtung bewegt: Schon in den nächsten fünf Jahren könnten die globalen Mitteltemperaturen die Schwelle von 1,5 Grad Erwärmung erstmals erreichen oder überschreiten. Den Prognosen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 50 Prozent, dass zwischen 2022 und 2026 mindestens ein Jahr temporär diesen Wert erreicht.

„Wir kommen dem unteren Grenzwert des Pariser Klimaabkommens messbar näher“, sagt WMO-Generalsektretär Petteri Taalas. „Der 1,5-Grad-Wert ist aber keine willkürliche Zahl – es ist ein Indikator für den Punkt, ab dem die Klimafolgen für Menschen und den gesamten Planeten zunehmend schädlich werden.“ Die Wahrscheinlichkeit, diese Schwelle bis 2026 sogar zu überschreiten liege inzwischen bei 50 Prozent.

„Ein einziges Jahr über 1,5 Grad bedeutet zwar noch nicht, dass wir diesen ikonischen Wert endgültig gerissen haben, aber sie zeigt, dass wir einer anhaltende Überschreitung dieser Schwelle immer näher kommen“, sagt Leon Hermanson vom britischen Met Office. „Unsere aktuellen Klimaprognosen zeigen, dass die globale Temperatur weiter ansteigen wird.“

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Neue Wärmerekorde stehen bevor

Dem aktuellen Bericht zufolge lag die globale Mitteltemperatur im Jahr 2021 bereits bei 1,1 Grad über dem präindustriellen Referenzwert. Dabei kam dem Klima jedoch zugute, dass 2021 fast das gesamte hindurch ein La-Nina-Zustand herrschte: Weite Teile des tropischen Pazifik waren in diesem Jahr kälter als normal und übten dadurch auch eine kühlende Wirkung auf das Weltklima aus. Dieser Zustand werde aber nicht anhalten, warnen die Meteorologen.

Für die nächsten fünf Jahre sagen die Wissenschaftler daher bereits neue Wärmerekorde voraus: Mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit wird in der Zeit bis 2026 mindestens ein Jahr wieder wärmer sein als jemals seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Gleichhoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das
Fünf-Jahres-Mittel dieser Periode alle bisherigen übertreffen wird.

Das sind die Klimaprognosen bis 2026.© WMO

Noch mehr Trockenheit im Mittelmeerraum

Bis 2026 könnte die anhaltende Erwärmung auch weitere konkrete Folgen nach sich ziehen. So sagen die Meteorologen für die nächsten fünf Jahre eine gegenüber der Zeit vor 2020 noch stärkere Trockenheit für Südwest-Europa, den Südwesten Nordamerikas und das Amazonasgebiet voraus. In Nordeuropa, dem Nordosten Brasiliens, Australien und der Sahelzone könnte es hingegen nasser werden – dies schließt auch Starkregen mit ein.

Betroffen von den weiter steigenden Treibhausgasen und Temperaturen sind auch die großen Stellräder im irdischen Klimasystem: „Unsere Ozeane werden wärmer und saurer werden, Meereis und Gletscher schmelzen weiter ab und der Meeresspiegel steigt“, sagt Taalas. „Die Arktis ist zudem überproportional stark von der Erwärmung betroffen – und was in der Arktis passiert, betrifft uns alle.“ Den Prognosen zufolge wird die Temperatur-Anomalie in der Arktis mehr als dreimal so hoch ausfallen wie im globalen Mittel.

Quelle: World Meteorological Organization (WMO)

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