Emissionshandel: Klimafreundliches Verhalten kann sogar negative Effekte haben Schadet Klimaschutz dem Klima? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Emissionshandel: Klimafreundliches Verhalten kann sogar negative Effekte haben

Schadet Klimaschutz dem Klima?

Bei der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken fallen große Mengen Treibhausgase an - durch Zertifikate werden die Emissionen nur umverteilt, nicht eingespart. © Vogone / (CC BY-SA 3.0)

Klimaschutz verkehrt herum: Durch Stromsparen lässt sich der Ausstoß an Treibhausgasen nicht automatisch senken. Denn der europäische Handel mit CO2-Zertifikaten verschiebt die Emissionen lediglich auf einen anderen Ort oder Zeitpunkt. Vermeintlich klimafreundliches Verhalten kann dadurch im Extremfall sogar das Gegenteil bewirken, lautet das Urteil einer Studie. Effektiv seien dagegen etwa Spritsparen oder Verzicht auf Fleisch, denn diese Dinge sind im Emissionshandel nicht abgedeckt.

Wer Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) reduzieren und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten will, setzt oft auf Stromsparen und alternative Energien. Weniger Fleischprodukte zu essen und soweit wie möglich auf Auto und Flugreisen zu verzichten und stattdessen Fahrrad, Bus oder Bahn zu nutzen, hilft ebenfalls. Doch paradoxerweise senkt dieser Konsumverzicht nicht immer automatisch die Emissionen von Treibhausgasen.

CO2-Zertifikate verschieben Emissionen

Den Grund dafür nennt eine Studie von Grischa Perino von der Universität Hamburg: Bei Gütern wie Strom, deren Produktion durch das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) abgedeckt wird, lassen sich die Emissionen demnach nur verschieben, aber nicht wirklich einsparen.

Das EU-ETS erfasst seit 2005 europaweit rund 12.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensivsten Industrie, außerdem alle Flüge innerhalb von Europa. Zentraler Bestandteil des EU-ETS ist die darin festgelegte Höchstmenge an zulässigen CO2-Emissionen. Diese legt fest, wie viele CO2-Zertifikate ausgegeben werden. Die Betreiber der Anlagen müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein solches Zertifikat abgeben.

Stromsparen senkt nicht automatisch Treibhausgase

Produzieren sie weniger CO2 als sie Zertifikate besitzten, können sie den Überschuss entweder für die Zukunft aufsparen oder an andere teilnehmende Anlagen verkaufen – die verbleibenden Zertifikate werden also später oder von jemand anders genutzt.

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Stromsparen führt deshalb nicht automatisch zu weniger Treibhausgasen insgesamt. Wenn ein einzelner Haushalt weniger Strom verbraucht, senke das zwar die Treibhausgasemissionen in der deutschen Stromwirtschaft, erklärt Perino. „Doch die eingesparten Emissionen verschieben sich durch das EU-ETS automatisch an einen anderen Ort oder Zeitpunkt.“

Eigentlich klimafreundliche Konsumentscheidungen wie Stromsparen können der Studie zufolge sogar indirekt Schaden anrichten: Das beim Stromsparen ebenfalls gesparte Geld fließt möglicherweise in den Konsum von Gütern, deren Produktion nicht dem Emissionshandel unterliegt, beispielsweise eine Fernreise mit dem Flugzeug. Dann erhöhen sich die Treibhausgasemissionen, ohne dass dies an andere Stelle kompensiert wird.

Spritsparen und Fleischverzicht sind effektiv

Neben Flügen außerhalb von Europa fallen auch Benzinverbrauch und Fleischkonsum in den Bereich außerhalb des EU-ETS. Die Studie zeigt, dass klimafreundliches Verhalten vor allem in diesen Bereichen effektiv ist. Viele Umweltschutzorganisationen und Regierungen berücksichtigen die Wechselwirkungen mit dem EU-ETS jedoch noch nicht.

„Nicht die Emissionsintensität eines Produktes, sondern die Abdeckung der Emissionen durch das EU-ETS ist entscheidend für die Klimawirksamkeit von Konsumverzicht“, betont Perino. Innerhalb des EU-ETS lässt sich die Gesamtmenge der Emissionen nur senken, wenn auch die Zahl der verfügbaren Zertifikate sinkt. „Dies kann durch den Erwerb und die Stilllegung von Zertifikaten durch Privatpersonen oder durch die direkte Reduktion der Höchstgrenze durch die Politik geschehen“, sagt der Forscher. (Journal of the Association of Environmental and Resource Economists, 2015; in Press)

(Universität Hamburg, 12.08.2015 – AKR)

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