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Hohe Abhängigkeit auch beim Kernbrennstoff Uran

40 Prozent der europäischen Uranimporte kommen aus Russland und Kasachstan

Uran
Das Uran für viele europäische Atomkraftwerke kommt vom russischen Staatskonzern Rosatom. © Antoine2K/ Getty images

Keine „Freiheitsenergie“: Europas Atomkraftwerke sind zum großen Teil von Uran-Importen aus Russland und vom russischen Staatskonzern Rosatom abhängig, wie ein Report aufzeigt. Rund 40 Prozent des von der EU importierten Urans stammen aus Russland und aus dem mit Russland verbündeten Kasachstan. In Osteuropa sind 18 Atomkraftwerke sogar zu 100 Prozent von russischen Brennelementlieferungen abhängig.

Der Krieg gegen die Ukraine und der Konflikt mit Russland haben aufgedeckt, wie stark Deutschland und Europa von russischen Energierohstoffen abhängig sind. Vor allem bei Erdgas, Erdöl und Steinkohle war Russland bisher einer der wichtigsten Lieferanten. Um dies zu ändern und weil die Energiewende noch nicht weit genug fortgeschritten ist, um ganz auf fossile Brennstoffe verzichten zu können, wird nun verstärkt nach Alternativen gesucht – unter anderem in Form von Flüssiggas (LNG).

Uran-Förderfirmen
Anteile an der weltweiten Uran-Förderung im Jahr 2020. © Uranatlas 2022

Uran von Rosatom dominiert den Weltmarkt

Doch ein Energiebrennstoff wird dabei bisher weitgehend übersehen: Uran. Denn auch hier besteht eine erhebliche Abhängigkeit von Russland und dem russischen Staatskonzern Rosatom, wie nun der von Umweltverbänden und Stiftungen herausgegebene Uranatlas aufzeigt. Viele Atomkraftwerke in Europa und auch die noch verbleibenden Meiler in Deutschland werden größtenteils mit Uran aus Russland oder Kasachstan betrieben.

Der Grund: „Über seine Beteiligungen an Uranminen in Kanada, den USA und vor allem in Kasachstan ist Rosatom der zweitgrößte Uranproduzent der Welt“, erläutert Angela Wolff von der Umweltorganisation BUND. Kasachstan ist weltweit das führende Förderland für Uran. Noch stärker ist die Dominanz des russischen Staatkonzerns Rosatom bei der Herstellung von angereichertem Uran, das für den Betrieb von Atomkraftwerken benötigt wird: Über ein Drittel des angereicherten Kernbrennstoffs kommt von Rosatom.

Brennelemente-Import selbst im Krieg

Nach Angaben der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) bezog die EU im Jahr 2020 rund 20 Prozent ihres Urans aus Russland, weitere knapp 20 Prozent kamen aus dem mit Russland verbündeten Kasachstan. Hinzu kommt, dass 18 Atomkraftwerke in der EU ausschließlich mit russischem Kernbrennstoff betrieben werden können, weil ihre Reaktoren nur die sechseckigen Brennstäbe russischer Bauart nutzen können.

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Zu diesen Atomkraftwerken gehören Anlagen in Finnland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Bulgarien. „Um die beiden slowakischen Atomkraftwerke mit neuen Brennelementen versorgen zu können, durfte am 1. März sogar eine russische Il-76-Transportmaschine mit Sondergenehmigung landen“, berichtet Uwe Witt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Ungarn erhielt noch in der ersten Aprilwoche eine Uranlieferung aus Russland.

Ukraine steigt um, Rosatom expandiert

Die Ukraine war bis zur Annektion der Krim im Jahr 2014 vollstündig von russischen Uranimporten abhängig – alle 15 Atomreaktoren liefen nur mit den sechseckigen russischen Brennelementen von Rosatom. 2014 wurde jedoch beschlossen, die Atomkraftwerke umzurüsten, so dass Brennelemente des US-Herstellers Westinghouse verwendet werden können. Wie weit diese Umstellung allerdings bis zum Ausbruch des Ukrainekrieges vollzogen war, ist unklar.

Der russische Staatskonzern Rosatom setzt hingegen weiterhin auf Expansion, indem er Neubauprojekte anstößt und mitfinanziert – auch in anderen Ländern. Neben drei Atomkraftwerken in Russland sollen 35 weitere in Ägypten, Bangladesch, Belarus, Bulgarien, China, Finnland, Indien, im Iran, in der Türkei, Ungarn und in den Vereinten Arabischen Emiraten gebaut werden.

Nach Ansicht von Umweltverbänden ist daher die Forderung nach einer Laufzeitverlängerung der Atomenergie eher Augenwischerei als echte Alternative. Denn anders als behauptet, trage Atomkraft gerade nicht zur Versorgungssicherheit bei. Hinzu komme: „Die erneuerbaren Energien sind inzwischen preisgünstiger als Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke, selbst wenn man deren Folgekosten nicht mitrechnet“, sagt Heinz Smital von Greenpeace. „Selbst alte und abgeschriebene Anlagen können oft nicht mehr mithalten.“

Quelle: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Uranatlas

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