Von entflohenen Zuchtlachsen eingeschlepptes Erbgut schwächt Überlebens-Fähigkeit der Wildlachse Zuchtlachse machen Wildlachse unfit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Von entflohenen Zuchtlachsen eingeschlepptes Erbgut schwächt Überlebens-Fähigkeit der Wildlachse

Zuchtlachse machen Wildlachse unfit

Lachsfarm in Norwegen © Erik Christensen / CC-by-sa 3.0

Entflohene Farmlachse werden zum Problem: Die Lachse sind fruchtbarer als gedacht und können sich mit wilden Artgenossen vermischen. Dadurch aber schleppen sie ihre für die Massenzucht optimierten Gene ein und machen die Wildlachse unfitter fürs freie Leben, wie britische Forscher jetzt warnen. Sie raten dringend zu genetischen Sterilisation der Farmlachse, wie es bei Forellen schon länger üblich ist.

Ein Großteil des heute verkauften Lachsfleischs stammt aus Aquakultur, meist aus Norwegen, aber auch Großbritannien. In diesen Lachsfarmen werden die Fische in Netzgehegen aufgezogen, bis sie schlachtreif sind. Dafür werden meist spezielle Lachszüchtungen eingesetzt, die sich besser als Wildlachse für die Netzhaltung eignen. „Farmlachse wachsen sehr schnell, sind aggressiv, aber nicht so clever wie ihre wilden Artgenossen, wenn es darum geht, Räubern zu entkommen“, erklärt Matt Gage von der University of East Anglia in Norwitch.

Aggressiv, aber dumm

Das Problem dabei: „Diese Merkmale sind zwar gut für die Produktion von Fisch für unsere Teller, aber nicht für die Stabilität der wilden Populationen“, so der Forscher. Denn sehr häufig entwischen Lachse den Gehegen und mischen sich unter ihre wilden Verwandten. Millionen sind es jedes Jahr, wie Gage erklärt. „In einigen norwegischen Flüssen sind schon bis zu 50 Prozent Farmlachse gezählt worden“, so der Forscher.

Bisher nahm man an, dass die entkommenen Farmlachse weniger fruchtbar sind als ihre wilden Artgenossen und sich daher kaum mit ihnen vermischen. Ihre für das Leben in Freiheit ungünstigen Eigenschaften gelangen daher kaum in den Genpool der Wildlachse – so dachte man jedenfalls. Doch Gage und seine Kollegen widerlegen dies nun mit einer Reihe von in-vitro-Fertilisations-Tests mit Lachslaich.

Zwei- bis dreijährige Junglachse (Salmo salar) kurz vor ihrer Wanderung aus den Flüssen ins Meer. © U.S. Fish and Wildlife Service

Alle Tests zeigten, dass Zuchtlachse genauso fruchtbar sind wie Wildlachse. „Bisher hatten wir keine genauen Informationen, ob die Zucht die Leistung von Spermien und Eizellen beeinflusst hat. Unsere Ergebnisse zeigen nun jedoch, dass diese Eigenschaften denen der Wildlachse entsprechen. Es besteht also eine erheblich Gefahr der Hybridisierung mit den wilden Populationen“, sagt Gage.

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Sterilisation dringend nötig

Nach Ansicht der Forscher sollten Farmlachse daher unbedingt sterilisiert werden, um eine Degeneration der wilden Populationen zu verhindern. Eine mögliche Lösung wäre es, die befruchteten Lachseier kurz einem erhöhten Druck auszusetzen. Dies führt dazu, dass Fehler bei der Trennung der Chromosomen in den Zellen geschehen und die entstehenden Lachsembryos sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtschromosomen in ihren Zellen tragen.

„Die sich aus diesen Eiern entwickelnden Lachse entwickeln dann sowohl Hoden als auch Eierstöcke und sind meist steril“, erklärt Gage. Diese Fische wachsen in Aquakultur ansonsten ganz normal heran, können sich aber nicht fortpflanzen, wenn sie entwischen. Dieses Verfahren wird bereits bei Zuchtforellen eingesetzt. „Bisher sträubt sich die Lachs-Industrie gegen dieses Verfahren, weil es Befürchtungen gibt, triploide Lachse könnten weniger Erträge liefern“, sagt Gage. Doch eine schleichende Schädigung des Genpools der Wildlachse zu verhindern sei weit wichtiger. (Evolutionary Applications)

(University of East Anglia, 10.03.2014 – NPO)

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