Fokussierung auf die zwei interessantesten Optionen beschleunigt die Entscheidungsfindung Wie wir komplexe Entscheidungen treffen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie wir komplexe Entscheidungen treffen

Fokussierung auf die zwei interessantesten Optionen beschleunigt die Entscheidungsfindung

Einkauf
Große Auswahl: Im Supermarkt fällt die Entscheidung mitunter schwer. © SDI Productions/ istock

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Wenn wir uns zwischen drei und mehr Alternativen entscheiden müssen, verfolgt unser Gehirn offenbar eine ganz bestimmte Strategie. Es sortiert die schlechtesten Optionen aus und richtet unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf die beiden interessantesten Kandidaten, wie Experimente zeigen. Je rascher diese Reduktion auf zwei Optionen gelingt, desto schneller fällen wir schließlich auch unsere Entscheidung.

Ob beim Einkauf im Supermarkt, während des Restaurantbesuchs oder in Sachen Geldanlagen: Im Alltag müssen wir ständig Entscheidungen treffen. Diese Aufgabe fällt nicht jedem Menschen leicht und Studien zeigen, dass auch äußere Faktoren eine Rolle für die Entscheidungsfindung spielen. So können beispielsweise unsere Laune, unser Partner und sogar die Lichtverhältnisse beeinflussen, wie und was wir wählen.

Unser Gehirn versucht dabei offenbar, sich die Entscheidung möglichst einfach zu machen: Stehen zwei Dinge zur Auswahl, wählt es meist die vertraute Alternative. Doch was passiert, wenn wir uns zwischen mehr als zwei Optionen entscheiden müssen? Diese Frage haben sich nun Sebastian Gluth von der Universität Basel und seine Kollegen gestellt. Sie wollten wissen: Wie lassen sich in einer Welt mit immer mehr Wahlmöglichkeiten, schnelle und effiziente Entscheidungen treffen?

Aus vielen Möglichkeiten mach zwei

Um dies herauszufinden, führten die Forscher Experimente mit 139 Probanden durch. Diese sollten in mehreren Durchgängen zwischen drei unterschiedlichen Nahrungsmitteln wählen, die immer wieder wechselten. Mithilfe der sogenannten Eye-Tracking-Methode wurden währenddessen ihre Augenbewegungen erfasst – so wollte Gluths Team nachvollziehen, wie viel Aufmerksamkeit die Studienteilnehmer den einzelnen Wahlmöglichkeiten schenkten.

Die Auswertungen enthüllten: Die Testpersonen verteilten ihre Aufmerksamkeit nicht gleichmäßig auf alle angebotenen Nahrungsmittel. Stattdessen schienen sie zunächst eine Option auszusortieren und sich dann nur noch auf die beiden übrigen Kandidaten zu konzentrieren. Diese Strategie führte zu schnelleren Entscheidungen, wie die Wissenschaftler berichten. Je leichter es den Probanden fiel, die für sie schlechteste Option zu streichen, desto rascher konnten sie sich demnach zwischen den beiden anderen entscheiden.

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Widersprüchliches Wahlverhalten?

Dies legt nahe, dass unser Gehirn bei komplexen Entscheidungen versucht, sich zügig auf die zwei interessantesten Optionen zu konzentrieren. „Unsere Untersuchung verdeutlicht das komplexe Zusammenspiel zwischen Wertzuschreibung, Aufmerksamkeit und Antwortzeit bei der Entscheidungsfindung“, konstatieren Gluth und seine Kollegen.

Worauf die Wahl schließlich fällt, hängt dabei auch von den angebotenen Möglichkeiten und ihrer Beziehung zueinander ab. Wer zum Essen zunächst lieber Huhn als Teigwaren wählt, kann seine Vorliebe zum Beispiel ändern, wenn eine weitere vegetarische Option wie Salat dazukommt – und findet dann plötzlich doch Teigwaren attraktiver, wie die Forscher erklären. Solche scheinbaren Widersprüchlichkeiten haben wichtige Auswirkungen auf Entscheidungstheorien in Wirtschaft, Psychologie und Neurowissenschaft und werden daher zunehmend intensiv erforscht.

Eine Welt mit immer mehr Optionen

„Ein Ziel unserer Forschung ist es, zu verstehen, wie sich Menschen in einer Welt mit immer mehr Wahlmöglichkeiten bewegen – etwa in Online-Shops oder großen Einkaufszentren“, sagt Gluth. Daher mache es Sinn, Studienteilnehmer mit mehr als zwei Optionen zu konfrontieren. „In der Realität haben wir in der Regel nicht die Wahl zwischen einem Apfel und einer Orange – sondern zwischen zehn oder hundert verschiedenen Äpfeln und Orangen“, so der Wissenschaftler. (Nature Human Behaviour, 2020; doi: 10.1038/s41562-020-0822-0)

Quelle: Universität Basel

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